Ein abgeblättertes, rostiges Audi-Logo | Bildquelle: dpa

Abgasaffäre Ingenieur belastet Audi-Vorstand

Stand: 20.08.2017 18:00 Uhr

Audi-Chef Stadler hat stets behauptet, die Abgasprobleme bei Dieselautos seien ihm nicht bekannt gewesen. Doch ein ehemaliger Ingenieur belastet ihn und weitere Vorstände schwer: Sie sollen seit zehn Jahren davon gewusst haben.

Von Christine Adelhardt und Peter Hornung, NDR

Jetzige und frühere Audi-Vorstände werden in der Dieselaffäre durch die Aussagen eines in München inhaftierten Ingenieurs schwer belastet. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hat der Mann ausgesagt, dass Führungskräfte schon seit 2006 über die Abgasprobleme informiert waren.

Audi A8 | Bildquelle: dpa
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Viele Audis sollen mit zu kleinen AdBlue-Tanks ausgestattet worden sein.

Es sind 28 Seiten, die es in sich haben. Der frühere Audi-Ingenieur Giovanni P. listet darin 44 Vorgänge von März 2006 bis Juli 2014 auf, die belegen sollen, dass VW-Konzernchef Martin Winterkorn, der Audi-Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler und der gesamte Audi-Vorstand die Abgasprobleme bei Dieselfahrzeugen kannten. Zwei weitere langjährige VW-Spitzenmanager sollen sogar von Softwaremanipulationen gewusst haben. Das Papier, das NDR, WDR und SZ vorliegt, trägt den Namen "Dokumente über Kenntnisse der Vorgesetzten von Herrn P".

AdBlue-Tanks zu klein

Es geht um Sitzungen, Vorträge und E-Mails. Das Thema: Die Abgasreinigung mit Harnstoff (AdBlue). Bereits am 9. Oktober 2006 soll ein führender Motorenentwickler bei Audi mehrere Führungskräfte über das Grundproblem bei AdBlue informiert haben - darunter auch den späteren VW-Chef Winterkorn. Aufgrund des Vortrags sei diesem bereits damals klar gewesen, dass die geplanten AdBlue-Tanks für eine gründliche Abgasreinigung zu klein waren.

Audi-Chef Rupert Stadler bei einer Präsentation im Vorfeld der IAA in Frankfurt am Main | Bildquelle: dpa
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Audi-Chef Stadler soll seit langem von den Problemen gewusst haben.

Die Tanks hätten in Europa generell nicht und in den USA nicht in allen Fällen ausgereicht. So steht es in dem Papier gleich auf Seite zwei. Audi-Techniker installierten daher eine verbotene Software , mit der die Abgasreinigung im Straßenverkehr weitgehend ausgeschaltet wurde. Das sparte AdBlue, kleinere Tanks reichten.

Dem Papier zufolge soll der gesamte Audi-Vorstand in die Affäre verwickelt gewesen sein. In mehreren Arbeitskreisen sei der Vorstand einschließlich Audi-Chef Rupert Stadler wiederholt über das AdBlue-Problem informiert worden. So im April 2010 und im Juni 2012.

Audi-Führung wusste früh Bescheid

Die 44 Vorgänge sollen belegen, dass der frühere Audi-Ingenieur Giovanni P. nur ein Rädchen im System gewesen sei. Giovanni P. ist italienischer Staatsbürger. Wegen Fluchtgefahr sitzt er derzeit in München-Stadelheim in Untersuchungshaft. Die Audi-Führung habe früh Bescheid gewusst und alles mitgetragen - dieses Bild entwirft Giovanni P. in seinen Aussagen.

Die Münchner Staatsanwaltschaft erklärte, sie prüfe die Angaben nun. Bislang werde nicht gegen heutige oder frühere Vorstandsmitglieder von Audi ermittelt, die Vernehmungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

Audi-Chef Stadler hat wiederholt erklärt, er habe von den Softwaremanipulationen nichts gewusst. Das sagt auch Martin Winterkorn, der wegen der Abgasaffäre als Vorstandschef bei VW gehen musste. NDR, WDR und SZ haben Audi und Volkswagen die Kerninhalte des 28-Seiten-Papiers geschildert. Volkswagen erklärte dazu: "Mit Verweis auf laufende Ermittlungen kommentieren wir die von Ihnen genannten Informationen nicht."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. August 2017 um 19:00 Uhr in den Nachrichten.

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