Logos von AT&T und Time Warner | Bildquelle: AFP

AT&T will Time Warner übernehmen US-Senat prüft Milliarden-Deal

Stand: 23.10.2016 19:21 Uhr

Das Telekommunikations-Unternehmen AT&T will den Medienkonzern Time Warner für rund 85 Milliarden Dollar kaufen. Soweit der Plan, den der US-Senat aber durchkreuzen könnte. Denn die Kongress-Kammer wittert schwerwiegende Wettbewerbsbedenken.

Der US-Senat will die geplante Übernahme von Time Warner durch AT&T sorgfältig prüfen. Das 85 Milliarden Dollar schwere Vorhaben könnte schwerwiegende Wettbewerbsbedenken hervorrufen, sagte der Vorsitzende des zuständigen Ausschusses der Kongress-Kammer. Der Telekomriese AT&T hatte am Samstagabend angekündigt, den Konzern Time Warner, zu dem die Sender HBO und CNN sowie das Filmstudio Warner Bros gehören, kaufen zu wollen.

Die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. AT&T-Chef Randall Stephenson zeigte sich zuversichtlich, mögliche Bedenken der Regulierungsbehörden auszuräumen. Sollte der Deal zustande kommen, wäre er der größte weltweit in diesem Jahr.

Inhalte und Verbreitung aus einer Hand

Der Telekommunikationskonzern AT&T hat bislang vor allem Netze für Handys und Internet angeboten. Jetzt will er mit Time Warner auch einen Inhalteproduzent dazukaufen. Das ist AT&T umgerechnet fast 80 Milliarden Euro wert.

AT&T-Chef Randall Stephenson | Bildquelle: REUTERS
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"Inhalt gewinnt immer", kommentierte AT&T-Chef Stephenson die Fusion.

In Finanzkreisen war schon länger spekuliert worden, dass Time-Warner-Chef Jeff Bewkes sein Unternehmen zum Verkauf stellen könnte. Zu Time Warner gehören der Sender CNN sowie der Film- und Seriensender HBO, der unter anderem die vielfach ausgezeichnete Serie "Game of Thrones" produziert. Außerdem besitzt AT&T künftig das Filmstudio Warner Bros.

"Unternehmen ergänzen sich perfekt"

Chef soll der Vorstandsvorsitzende von AT&T, Randall Stephenson, werden. Die beiden Unternehmen ergänzten sich perfekt, erklärte er. Mit dem Deal verfüge das Telekommunikationsunternehmen künftig über "die weltbesten Premium-Inhalte und die Netzwerke, um diese an jeden Bildschirm zu liefern, wann immer die Kunden wollen".

Vor zwei Jahren hatte bereits der Konkurrent 21th Century Fox aus dem Firmenimperium des Medienmagnaten Rupert Murdoch zu einer Übernahme angesetzt, gab jedoch schließlich auf. Time Warner hatte damals ein Angebot über 85 Dollar pro Aktie ausgeschlagen. AT&T will nun 107,50 Dollar pro Aktie zahlen.

Geschäft mit TV- und Filminhalten

Mit der geplanten Übernahme stößt AT&T mit seinem Mobilfunk- und TV-Satellitengeschäft sowie Internetdiensten weit ins Geschäft mit TV- und Filminhalten hervor. Damit folgt der Telekommunikationskonzern einem Branchentrend: Die Telekomkonzerne suchen nach neuen stabilen Geldquellen und exklusiven Inhalten für ihre Netze, weil die Erlöse im klassischen Kerngeschäft unter Druck stehen. Aber auch die Sender stehen unter Druck, da immer mehr Zuschauer Filme und Serien übers Internet anschauen. So kaufte in den USA der Kabel-Anbieter Comcast im Jahr 2011 das Unternehmen NBC Universal mit der gleichnamigen NBC-Senderkette und dem Universal-Filmstudio. Der Telekommunikationskonzern Verizon hat zudem gerade das Internet-Kerngeschäft von Yahoo übernommen.

AT&T ist der zweitgrößte Mobilfunkanbieter in den USA und der drittgrößte Kabelfernsehprovider des Landes. Das Zusammengehen mit Time Warner bedarf noch der Zustimmung der US-Wettbewerbsbehörde. Mit einer Entscheidung wird erst im kommenden Jahr gerechnet. Der Kandidat der Republikaner, Donald Trump, kündigte bereits an: Er als Präsident würde den Zusammenschluss ablehnen.

Mit Informationen von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

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