Logo einer Apotheke | Bildquelle: dapd

Medikamentenpreise Apotheker fordern Verbot von Rabatten

Stand: 21.10.2016 11:31 Uhr

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs fordern deutsche Apotheker eine sofortige Gesetzesänderung. Ihr Ziel: Die gerichtlich erlaubten Rabatte auf Arzneimittel im Versandhandel sollen abgeschafft werden.

Die deutschen Apotheker laufen Sturm gegen Preisnachlässe auf Arzneimittel im Versandhandel. Deswegen werde die Apothekerschaft eine bundesweite Kampagne auflegen, kündigte der Präsident der Vereinigung der Apothekenkammern und Apothekenverbände (ABDA), Friedemann Schmidt, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" an.

"Wir werden aus allen Rohren schießen"

Dieser "destruktive Eingriff" in ein funktionierendes Gesundheitswesen müsse geheilt werden, sagte Schmidt der Zeitung. Nach dem Urteil der Luxemburger Richter müssen sich ausländische Versandapotheken nicht an die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel halten. Derzeit suche man das Gespräch mit Politikern und Ministern auf Bundes- und Landesebene, sagte Schmidt. Aber auch die Kunden in den Apotheken sollten informiert werden, die Öffentlichkeit mit Anzeigen und Plakaten davon überzeugt werden, dass es falsch sei, den Preiswettbewerb im Arzneimittelgeschäft zu eröffnen. "Wir werden aus allen Rohren schießen", kündigte Schmidt an.

Medikamente in einem Regal | Bildquelle: dpa
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Apotheker wollen verhindern, dass es Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente gibt.

Bayern als Vorreiter

Bayern will den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in Deutschland verbieten und hat dazu bereits eine Bundesratsinitiative angekündigt. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte, das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Preisbindung gefährde die flächendeckende Arzneimittelversorgung. "Es darf keine Rosinenpickerei zulasten der Apotheken vor Ort und damit der ortsnahen Versorgung der Patientinnen und Patienten geben."

Experte erwartet Preisnachlässe

Nach dem EuGH-Urteil müssen sich ausländische Versandapotheken nicht an die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel halten. Das bietet Raum für Preisnachlässe. Der Direktor des Münchner Instituts für Gesundheitsökonomie, Günter Neubauer, sagte der "Bild", mittelfristig seien Preisnachlässe bei der Zuzahlung von 20 Prozent drin. Nach Ansicht Neubauers würden gerade Patienten "mit vielen und teuren Medikamenten", zum Beispiel Dialyse-Patienten, von dem Urteil profitieren. "Apotheken werden versuchen, sie mit Rabatten an sich zu binden", sagte Neubauer voraus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Oktober 2016 um 21:00 Uhr

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