Die Seite von Amazon auf einem Laptop-Bildschirm | Bildquelle: AP

Umsatzsteuer bei Amazon Chinesische Händler im Visier der Fahnder

Stand: 04.01.2018 11:23 Uhr

Weil viele chinesische Online-Händler bei Amazon keine Umsatzsteuer abführen, könnte dem deutschen Fiskus rund eine Milliarde Euro entgehen. Steuerfahnder ließen nach einem Medienbericht nun Waren beschlagnahmen und Guthaben einfrieren.

Steuerfahnder gehen nach einem Bericht des "Handelsblatts" gegen Onlinehändler aus China vor, die ihre Produkte über Amazon in der Bundesrepublik verkaufen und im Verdacht der Umsatzsteuerhinterziehung stehen. Die Behörden hätten Waren und Konten der Händler beschlagnahmt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Branchenkreise.

Federführend bei den Ermittlungen sei neben der Steuerfahndung das Finanzamt Berlin-Neukölln, das für die Umsatzsteueranmeldung chinesischer Händler in Deutschland zuständig ist. Die Berliner Senatsverwaltung für Finanzen wollte sich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht zu dem Fall äußern.

Amazon: Verkäufer sind eigenständige Unternehmen

Amazon betonte, Verkäufer auf den Marktplätzen der Plattform seien eigenständige Unternehmen und selbst verantwortlich, ihre steuerrechtlichen Pflichten zu erfüllen.

Steuertricks von Verkäufern im Online-Handel sind den Finanzpolitikern in Deutschland schon länger ein Dorn im Auge. Sie wollen deshalb Plattformen wie Amazon und Ebay härter an die Kandare nehmen. Bund und Länder arbeiten an Maßnahmen zur Vermeidung von Steuerausfällen im boomenden Online-Handel.

Länder könnten Initiative starten

Die Finanzminister der Bundesländer hatten sich Ende November in Berlin darauf verständigt, dass die Betreiber unter bestimmten Bedingungen haften sollen. Das Bundesfinanzministerium will dazu einen Gesetzentwurf erarbeiten. Sollte sich die Regierungsbildung weiter hinziehen, könnten aber auch die Länder im Bundesrat bis Ende März eine Initiative starten.

Dem Fiskus entgehen die Einnahmen, weil Anbieter aus China oder anderen Drittländern bewusst oder unwissend die Umsatzsteuer von 19 Prozent in Deutschland nicht abführen, wenn sie Waren wie Smartphones auf Online-Plattformen anbieten. Der Schaden für den Staat könnte sich dadurch womöglich auf rund eine Milliarde Euro belaufen, hatte der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, gesagt. Auch der Datenanalyst Mark Steier, Experte für Online-Plattformen, schätzte den Betrag ähnlich ein, schreibt das "Handelsblatt".

Amazon will Händler informieren

Ein Amazon-Sprecher sagte, der Konzern stelle Verkäufern umfangreiche Informationen zur Verfügung, um diese bei der Einhaltung ihrer steuerlichen Verpflichtungen zu unterstützen. Erhalte Amazon Informationen, dass ein Verkäufer seinen steuerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkomme, habe der Konzern "Prozesse etabliert, um den Account zu überprüfen und das Verkäufer-Konto zu schließen, sollte der Verkäufer keine gültige Umsatzsteuernummer einreichen".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Januar 2018 um 11:00 Uhr.

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