Alitalia  | Bildquelle: dpa

Ladenhüter Alitalia Keiner will die Krisen-Airline

Stand: 27.04.2017 12:16 Uhr

"Wir sind nicht da, um Alitalia zu kaufen." Die Absage des Lufthansa-Finanzvorstands Svensson ist deutlich. Damit wird die Luft dünn für die marode italienische Fluggesellschaft. Das drohende Aus schafft auch Probleme für die kriselnde Air Berlin.

Die Suche im Archiv fördert Déjà-vu-Erlebnisse zutage: Bereits 2009 war ein Einstieg der Lufthansa bei der auch damals schon tiefrote Zahlen schreibenden italienischen Fluggesellschaft Alitalia im Gespräch. Und damals wie heute antwortet die Lufthansa: Nein.

"Wir sind nicht da, um Alitalia zu kaufen", sagte Lufthansa-Finanzvorstand Ulrik Svensson in einer Telefonkonferenz, nachdem er zunächst einen Kommentar zu dem Thema abgelehnt hatte. Auch der Billigflieger Norwegian Air winkte ab. Man sei nicht an einem Einstieg interessiert, teilte Airline-Chef Bjoern Kjos mit.

Alitalia steht vor der Pleite, nachdem die Belegschaft vor wenigen Tagen einen bereits ausverhandelten Sanierungsplan abgelehnt hatte, der Gehaltskürzungen und Stellenstreichungen vorsah. Der italienische Staat will die kriselnde Airline nun unter Zwangsverwaltung stellen und an den meistbietenden Käufer abgeben. In diesem Zusammenhang war immer wieder die Lufthansa genannt worden. Um den Flugbetrieb aufrecht zu halten, stellte die Regierung im Rom einen Brückenkredit von 300 bis 400 Millionen Euro in Aussicht. Eine Verstaatlichung der ehemaligen Staatslinie schloss der zuständige Minister jedoch aus.

Neue Probleme für Etihad - und Air Berlin

Derzeit fliegt Alitalia etwa eine halbe Million Euro Verlust ein - pro Tag. Dass die Italiener schwarze Zahlen geschrieben haben, ist schon viele Jahre her. Auch der Einstieg der Golf-Airline Etihad mit einer Beteiligung von 49 Prozent und Finanzspritzen des Anteilseigners halfen nicht. Dem Unternehmen macht vor allem die Konkurrenz durch Billigflieger wie Ryanair und Easyjet zu schaffen. Von einer Abwicklung der Airline wären rund 20.000 Beschäftigte betroffen: 12.500 bei Alitalia selbst und weitere 8000 bei Zulieferern.

Doch auch in Deutschland sorgt die Krise von Alitalia für Sorgen: Die ebenfalls angeschlagene Air Berlin hat mit den Italienern ein dichtes Netz an gemeinsamen Verbindungen geknüpft. Die Idee war, die Maschinen besser auszulasten und mehr Ziele anbieten zu können.

Doch bei der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft läuft das Geschäft mehr als schlecht. Marktbeobachter erwarten, dass die neue Führung unter Thomas Winkelmann am Freitag einen Jahresgeschäftsbericht mit den bislang schlechtesten Zahlen in der Unternehmensgeschichte vorlegen wird. Eine Folge von Winkelmanns Kurs, die Altlasten seiner Vorgänger zu entsorgen und Wertberichtigungen vorzunehmen. So waren die Bilanzen offenbar "schöngerechnet" worden - soweit das angesichts eines Fehlbetrags von 450 Millionen Euro im Vorjahr überhaupt gesagt werden kann.

Worauf spekuliert Etihad?

Die Krise bei Air Berlin trifft wiederum vor allem Etihad. Die ehrgeizige Airline aus dem Golf-Emirat Abu Dhabi ist auch bei den Berlinern Großaktionär (29,21 Prozent) - und schoss zudem auf anderen Wegen immer wieder Mittel zu. Etihad setzt Air Berlin als Zubringer für sein Langstrecken-Drehkreuz in Abu Dhabi ein, mit dem Ziel, besseren Zugang zum europäischen Markt zu erhalten. Doch die Beteiligungen an Air Berlin und der ähnlich kränkelnden Alitalia erwiesen sich als Milliardengrab, die Europa-Strategie ist gescheitert.

Flugzeuge der Lufthansa und von Air Berlin | Bildquelle: dpa
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Lufthansa least Maschinen von Air Berlin und umgeht so Probleme mit dem Kartellamt.

Möglicherweise wird Etihad dennoch erneut Geld in Air Berlin stecken. Denn die Berliner sind wichtig als Tauschpfand bei künftigen Verhandlungen mit der Lufthansa. Die Kranich-Linie würde Air Berlin gerne unter ihre Fittiche nehmen, wogegen jedoch die Marktführerschaft der Lufthansa in Deutschland spricht. Aus diesem Grund haben die Frankfurter zuletzt zu einen Kniff gegriffen und knapp 40 Flugzeuge samt Crews von Air Berlin lediglich gemietet.

Ein ebenso großes Hindernis für eine Übernahme ist zudem der Schuldenberg bei Air Berlin von gut einer Milliarde Euro. Sollte Etihad aber einspringen und die Rechnung begleichen, müsste die Lufthansa im Gegenzug auch etwas bieten. Den Arabern schwebt eine langfristige Partnerschaft vor. Damit könnte das Abenteuer Europa für Etihad doch nicht zum Totalreinfall werden. Für die Beschäftigten von Alitalia und Air Berlin dürfte das allerdings nichts Gutes bedeuten.

Über dieses Thema berichteten am 26. April 2017 Deutschlandfunk um 12:00 Uhr und 13:00 Uhr in den Nachrichten und NDR Info um 18:20 Uhr.

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