Aixtron

Übernahme durch chinesische FGC Aixtron - ein Fall für US-Geheimdienste?

Stand: 26.10.2016 16:55 Uhr

Die Übernahme von Aixtron durch einen chinesischen Investor schien schon beschlossene Sache, da zog das Wirtschaftsministerium überraschend und ohne klare Begründung die Unbedenklichkeitsbescheinigung zurück. Laut "Handelsblatt" meldeten sich US-Geheimdienste im Kanzleramt.

Das chinesische Unternehmen Fujian Grand Chip Investment (FGC) muss sich bei der Übernahme des angeschlagenen Chipanlagen- und Spezialmaschinenbauers Aixtron gedulden. Nachdem das Bundeswirtschaftsministerium am vergangenen Freitag seine Unbedenklichkeitsbescheinigung zurückgezogen hatte, kann die Prüfung des chinesischen Angebots einige Monate in Anspruch nehmen, wie eine Ministeriumssprecherin sagte.

Zur genauen Dauer des Verfahrens wollte sie nichts sagen: "Solche Prüfverfahren dauern so lange, wie sie dauern." Man habe noch nicht alle nötigen Informationen. Danach habe man "einen Monat plus zwei Monate" Zeit zu prüfen.

Auch zu den Gründen für die Rücknahme der Unbedenklichkeitsbescheinigung wollte die Sprecherin keine Details nennen. Sie bejahte eine Frage, ob Erkenntnisse ausländischer Geheimdienste eine Rolle bei solchen Bewertungen spielten.

Angeblich Intervention aus den USA

Genau darauf weisen Informationen des "Handelsblatts" hin. Demnach führten Erkenntnisse der US-Geheimdienste zu dem Sinneswandel im Ministerium. Diese hätten im Kanzleramt interveniert, um die Übernahme zu blockieren, berichtet die Zeitung unter Berufung auf deutsche Geheimdienstkreise. Die Amerikaner hätten Ermittlungsergebnisse präsentiert, wonach Produkte von Aixtron auch militärisch genutzt werden können.

FGC hält an Angebot fest

Bei Aixtron wartet man offenbar noch auf Bewegung. "Bis dato sind an Aixtron keine konkreten Fragen des Bundesministeriums für Wirtschaft im Rahmen der vertieften Prüfung herangetragen worden", teilte ein Sprecher mit. Gleichzeitig betonte er, dass Aixtron keine Bauteile oder Chips produziere, sondern Anlagen für die Halbleiterindustrie.

Aixtron stellt Produktionsmaschinen für die Chipindustrie her, hatte zuletzt aber unter Preisdruck und hohen Entwicklungskosten zu leiden und steckt daher in den roten Zahlen.

FGC hält das Übernahmeangebot trotz der Verzögerungen aufrecht. Die Chinesen hatten Ende Juli ein 670 Millionen Euro schweres Kaufangebot für Aixtron abgegeben. Sie wollen sechs Euro pro Aktie zahlen.

Übernahmestopp wegen Geheimdienst-Warnung?
T. Geers, DLF
26.10.2016 19:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. Oktober 2016 um 15:15 Uhr.

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