Air-France-Personalchef Xavier Broseta schützt sich vor wütenden Mitarbeitern | Bildquelle: REUTERS

Proteste gegen Sparpläne Air-France-Manager fliehen vor Mitarbeitern

Stand: 05.10.2015 14:12 Uhr

Weniger Stellen, weniger Flüge und eine verkleinerte Flotte: Die neuen Sparpläne bei Air France haben die Mitarbeiter auf den Plan gerufen. Hunderte von ihnen stürmten eine Sitzung von Betriebsrat und Konzernspitze. Zwei Managern blieb nur die Flucht.

Im Streit um einen neuen Sparplan bei der französischen Fluggesellschaft Air France haben hunderte Demonstranten ein Treffen von Konzernführung und Betriebsrat gestürmt. Die protestierenden Air-France-Mitarbeiter drangen in die Konzernzentrale ein und erzwangen einen Abbruch der Sitzung. Personalchef Xavier Broseta und Vorstandsmitglied Pierre Plissonnier wurden regelrecht in die Flucht geschlagen. Broseta - am Ende nur noch mit einer Anzughose und einem Schlips bekleidet - versuchte, sich den Weg durch die aufgebrachte Menge zu bahnen. Sicherheitspersonal half ihm schließlich zu entkommen.

Gemeinsam mit Air-France-Chef Frédéric Gagey hatten Broseta und Plissonnier zuvor versucht, Arbeitnehmervertretern einen neuen Sparplan zu erläutern. Gagey hatte den Raum aber bereits verlassen, bevor die Mitarbeiter mit Spruchbändern und Fahnen etwa eine Stunde nach Beginn hereinstürmten. Air France will nun gerichtlich gegen die Angreifer vorgehen.

Air-France-Personalchef Broseta musste sich vor wütenden Mitarbeitern in Sicherheit bringen. | Bildquelle: AFP
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Der Zorn richtete sich auch gegen Personalchef Broseta, der sich mithilfe von Sicherheitsleuten über einen Zaun rettete.

Air-France-Vorstand Pierre Plissonnier wurde von wütenden Mitarbeitern attackiert | Bildquelle: AFP
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Nicht besser erging es Vorstand Plissonnier, dessen Jackett und Hemd zerfetzt wurden.

Entlassungen nicht ausgeschlossen

2900 Arbeitsplätze sind nach Gewerkschaftsangaben gefährdet. Betroffen sein könnten 300 Piloten, 900 Flugbegleiter und 1700 Mitarbeiter des Bodenpersonals. Air France setzt demnach nicht mehr nur auf das freiwillige Ausscheiden von Mitarbeitern, sondern schließt auch Entlassungen nicht aus. Gespart werden soll zudem im Langstreckennetz: Gagey sagte vor den Gewerkschaftsvertretern, 2016 sollten fünf Flugzeuge aus der Langstreckenflotte abgezogen werden, 2017 dann neun weitere. Bei 22 Verbindungen soll die Zahl der angebotenen Flüge reduziert werden. Zudem sei geplant, die Bestellung von 19 Boeing-Dreamlinern zu stornieren.

Mitarbeiter von Air France stürmen eine Sitzung | Bildquelle: AFP
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Mit Megafon auf den Tischen: Wütende Mitarbeiter stürmten die Air-France-Sitzung.

Air France ist - wie viele andere europäische Airlines auch - durch Billigflieger und bei Langstreckenflügen durch die Konkurrenz von Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten unter Druck geraten. Mit dem Sparplan "Perform 2020" wollte die Fluggesellschaft wieder wettbewerbsfähiger werden, Verhandlungen mit den Gewerkschaften scheiterten aber. Vergangene Woche gab der Verwaltungsrat des Konzerns daher grünes Licht für einen alternativen Sparplan.

Im Streit mit der Konzernführung hatten drei Gewerkschaften für heute zu Streiks aufgerufen. Air France erwartete aber keine größeren Behinderung, denn die Fluggesellschaft wollte keine Flüge streichen und rechnete lediglich mit Verspätungen.

Air France will mehr als 5000 Stellen streichen
Ursula Welter, DLR
05.10.2015 17:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Oktober 2015 um 17:30 Uhr.

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