Das Airbus-Logo an einer Halle in Broughton, Großbritannien | Bildquelle: AFP

Zehntausende Jobs gefährdet Airbus droht wegen Brexit mit Rückzug

Stand: 22.06.2018 13:02 Uhr

Der europäische Flugzeugbauer Airbus fordert einen klaren Brexit-Deal. Sollte es zu keinem Abkommen zwischen London und Brüssel kommen, dann will sich der Konzern aus Großbritannien zurückziehen.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Airbus beschäftigt in Großbritannien 14.000 Menschen. Rechne man die Zulieferer hinzu, dann sichere der europäische Flugzeugbauer sogar 100.000 Arbeitsplätze auf der Insel, sagt Tom Williams, der Chef der Airbus-Flugzeugsparte. Genau diese Jobs stehen jetzt auf dem Spiel.

Der Schotte schlägt Alarm. Angesichts der Unklarheit über die Zukunft der Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU nach dem Brexit stehe das Unternehmen jetzt vor schwerwiegenden Entscheidungen. "Wir werden immer frustrierter über den Mangel an Klarheit. Die Uhr tickt. Es sind nur noch neun Monate bis zum Austritt", sagt Williams. "Wir kommen jetzt an den Punkt, wo wir ernsthafte Entscheidungen treffen müssen."

Der Eingang des Airbus-Werks in Broughton bei Chester in Großbritannien. | Bildquelle: REUTERS
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Airbus beschäftigt in Großbritannien 14.000 Menschen, zum Beispiel im Werk in Broughton bei Chester.

Krisenplan für Brexit

Noch in diesem Sommer werde Airbus die ersten Entscheidungen über die Zukunft des Unternehmens in Großbritannien treffen. Der Flugzeugbauer arbeite bereits an einem Krisenplan. Brancheninsider sagen, Airbus habe hundert Leute allein dafür abgestellt, das Unternehmen auf den Brexit vorzubereiten.

Das Problem ist, dass die Verhandlungen der Briten mit der EU in Brüssel nicht vorankommen. Schlimmer noch: Die Regierung in London konnte sich bisher nicht einmal untereinander auf eine Verhandlungsposition verständigen. So ist es immer noch unklar, wie eng das Land in Zukunft mit der EU verzahnt bleibt. Ob Großbritannien nach dem Brexit an den Europäischen Binnenmarkt und die Europäische Zollunion andockt, ob künftig Zölle im Handel zwischen der Insel und dem europäischen Festland erhoben werden, ob die technischen Standards der EU in Großbritannien weiter gelten.

Eine Airbus-Maschine steht im Hangar in Broughton bei Chester in Großbritannien. | Bildquelle: REUTERS
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Airbus produziert an 25 britischen Standorten - hier ein Hangar in Broughton.

Ohne Brexit-Deal drohen Milliardenkosten

Wenn Großbritannien die EU ohne Einigung mit Brüssel verlässt, gelten nur noch die Regeln der Welthandelsorganisation WTO - mit Milliarden Zusatzkosten für Airbus, so die Befürchtung des Flugzeugbauers. Vor allem der Bau der Tragflächen, den jetzt die britischen Produktionsstätten im Airbus-Verbund übernehmen, könnte dann in andere Länder verlagert werden. "Wir bereiten jetzt die Entwicklung und Produktion der nächsten Flügelgeneration vor und überlegen, ob dies weiter in Großbritannien geschieht oder ob wir nicht lieber andere Lösungen finden sollten", sagt Williams.

Airbus produziert bisher an 25 britischen Standorten. Ein Sprecher der walisischen Regionalregierung erklärte, die Airbus-Ankündigung sei extrem besorgniserregend. Großbritannien dürfe nicht vom Binnenmarkt und der Zollunion abgeschnitten werden. Der Brexit-Sprecher der Labour-Opposition, Keir Starmer, forderte Premierministerin Theresa May auf, ihre Politik und ihr Nein zur Mitgliedschaft in Binnenmarkt und Zollunion, zu ändern.

Übt die EU über Airbus Druck auf London aus?

Brexit-Befürworter vermuten allerdings in der Airbus-Ankündigung ein abgekartetes Spiel der EU-Politiker und verweisen darauf, dass der Flugzeugbauer ja zum Teil im Besitz von Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten sei. Doch der Airbus-Flugzeugchef bestreitet, dass es politischen Druck auf das Unternehmen gebe. Williams erklärt, er sei Ingenieur und nicht Politiker.

Airbus droht mit Rückzug aus Großbritannien
Jens-Peter Marquardt, ARD London
22.06.2018 12:27 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 22. Juni 2018 tagesschau24 um 11:30 Uhr und 12:30 Uhr jeweils in der Wirtschaft und NDR Info um 14:11 Uhr.

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