Stehende Maschinen von Air Berlin | Bildquelle: REUTERS

Air-Berlin-Insolvenz Bund gegen Komplett-Übernahme

Stand: 19.08.2017 18:03 Uhr

Der Bund lehnt eine Komplett-Übernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin durch die Lufthansa oder den Unternehmer Wöhrl ab. Die Monopolkommission warnte zudem vor einer Bevorzugung der Lufthansa. Die ist ohnehin nur an Teilen von Air Berlin interessiert.

Die insolvente Fluglinie Air Berlin soll nicht als Ganzes verkauft werden. "Das Modell Air Berlin als eine eigenständige Airline ist ja gescheitert", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig dem Inforadio des RBB. Man müsse "nüchtern zur Kenntnis nehmen, dass man jetzt mehrere Partner braucht".

Gespräche laufen

Es werde auch keinen Zuschlag alleine an die Lufthansa geben, mit der Air Berlin bereits Gespräche führt. "Das wäre kartellrechtlich und wettbewerbsrechtlich gar nicht möglich", so Machnig. Air Berlin spricht nach eigenen Angaben außer mit dem deutschen Marktführer Lufthansa mit zwei weiteren Unternehmen. Als Interessenten gelten die britische Billiglinie Easyjet, Tuifly sowie die Thomas-Cook-Tochter Condor. Die Verhandlungen hatten am Freitag begonnen und sollen schon bald beendet werden.

Lufthansa-Chef: Übernehmen Air Berlin nicht

In einer internen Rede an die Mitarbeiter erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr, dass sein Unternehmen kein Interesse an der Übernahme von Air Berlin habe. Allerdings sei man an einigen von der insolventen Linie geleasten Flugzeugen sowie Mitarbeitern interessiert. Keinesfalls wolle Lufthansa Verpflichtungen wie Schulden und bereits gebuchte Flüge von Air Berlin übernehmen.

Der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, warnte vor einer politisch motivierten Bevorzugung der Lufthansa. Ein Ausbau der Lufthansa-Marktanteile in der internationalen Luftfahrt sei zwar grundsätzlich zu begrüßen. "Es überzeugt aber nicht, wenn dies dadurch erfolgen sollte, dass auf Wettbewerb auf deutschen Flugstrecken verzichtet würde", sagte Wambach der "Welt am Sonntag".

In der Regel führe weniger Wettbewerb zu weniger Innovationen und zu unattraktiveren Produkten, meinte der Chef des Beratungsgremiums. Die Lufthansa müsse stattdessen auf guten Service zu attraktiven Preisen setzen. Zuvor hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt dafür geworben, dass Lufthansa wesentliche Teile der insolventen Airline übernimmt.

Absage auch an Wöhrl

Auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl braucht sich damit keine Hoffnungen mehr zu machen, Air Berlin komplett übernehmen zu können. Dies hatte er zuvor angekündigt - ein Angebot hat er bislang jedoch noch nicht vorgelegt. Wöhrl hatte in der Vergangenheit mehrere spektakuläre Deals in der Luftfahrtbranche abgeschlossen. So kaufte er die defizitäre British-Airways-Tochter Deutsche BA für einen symbolischen Euro kaufte und hinterher für einen Millionengewinn an Air Berlin verkaufte.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. August 2017 um 14:44 Uhr.

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