Air Berlin | Bildquelle: dpa

Wöhrl kündigt Offerte an Ein neuer Bieter für Air Berlin

Stand: 18.08.2017 16:27 Uhr

Lufthansa hat im Verkaufspoker um Air Berlin einen Konkurrenten bekommen. Der Nürnberger Unternehmer Wöhrl will die insolvente Gesellschaft übernehmen. Er gab ein offizielles Angebot ab. Sein Ziel ist es, die Fluggesellschaft als Ganzes zu erhalten.

Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl will die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin übernehmen. Über eine Münchner Kanzlei gab seine Vermögensverwaltung Intro-Verwaltungs GmbH ein formelles Angebot ab.

Ziel der Offerte sei es, die Air Berlin Gruppe als Ganzes zu erhalten und als unabhängige Airline fortzuführen, teilte Wöhrls Unternehmen mit. Für sein Vorhaben habe er Rückendeckung von weiteren "Partnern mit hoher Fachkompetenz" sowie Finanzinvestoren.

Diese Gruppe habe schon seit Jahren Interesse an einer Beteiligung an Air Berlin signalisiert, sei jedoch nicht zu Sondierungsgesprächen eingeladen worden. Vom Insolvenzantrag der Airline habe man erst aus den Medien erfahren.

Strategie zugunsten der Lufthansa?

Hans Rudolf Wöhrl
galerie

Der Nürnberger Hans Rudolf Wöhrl ist schon seit langem an Air Berlin interessiert.

Wöhrls Firma zweifelte auch Aussagen der Bundesregierung und der Leitung von Air Berlin an, wonach der Rückzug des Großaktionärs Etihad überraschend gekommen sei und im Interesse der Passagiere kurzfristig eine Bürgschaft des Bundes über 150 Millionen Euro gegeben werden müsse. Vielmehr deute manches darauf hin, dass von langer Hand eine einseitige Strategie zugunsten der Lufthansa entwickelt worden sei, kritisierte Wöhrls Unternehmen.

Lufthansa macht Tempo bei Verhandlungen

Der Marktführer Lufthansa will sich einen Großteil der Flugzeuge von Air Berlin sichern und drückt bei den Verhandlungen aufs Tempo. Heute sollten die Verkaufsverhandlungen beginnen. Im Gespräch ist die Übernahme von bis zu 90 der 144 Maschinen.

Verhandelt werden muss jedoch auch über die Zukunft der Mitarbeiter. Der Generalbevollbemächtigte der Airline, Frank Kebekus, ist zuversichtlich, dass die meisten der 8600 Jobs gerettet werden können. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach von "Top-Leuten", die geholt werden müssten.

Kartellrechtliche Bedenken

Große Teile der Airline könnten an die Lufthansa gehen, sofern die Kartellwächter zustimmen. Medienberichten zufolge haben auch die Thomas-Cook-Tochter Condor sowie der britische Billigflieger Easyjet Interesse an Teilen der Air Berlin.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries warnte die Lufthansa vor zu großen Erwartungen. Der "Rheinischen Post" sagte sie: "Am Ende wird schon aus kartellrechtlicher Sicht nicht nur eine Airline alleine die Slots und das Unternehmen übernehmen können."

Mit dem Übergangskredit sei Air Berlin die nötige Zeit verschafft worden, um gemeinsam mit anderen Airlines eine gute Verhandlungslösung zu finden. "Ziel ist eine Lösung, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Air Berlin eine Perspektive gibt und den Wettbewerb sichert."

Kredit des Bundes

Air Berlin hatte am Dienstag Insolvenz beantragt, nachdem Großaktionär Etihad der Airline die finanzielle Unterstützung entzogen hatte. Der Flugbetrieb ist durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro noch für etwa drei Monate gesichert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. August 2017 um 17:00 Uhr.

Darstellung: