Flugzeuge von Airberlin | Bildquelle: dpa

Insolvente Air Berlin Lufthansa will den Löwenanteil

Stand: 17.08.2017 15:23 Uhr

Mit drei Interessenten ist Air Berlin in Übernahmegesprächen - am weitesten gediehen sind die Verhandlungen mit der Lufthansa, die sich offenbar 90 der 144 Flugzeuge einverleiben will. Applaus dafür kommt vom Verkehrsminister, Gegenwind von Wettbewerbshütern.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann | Bildquelle: dpa
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Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann

Wer bekommt was von der insolventen Air Berlin? Fest steht, dass seit Wochen die Übernahmegespräche mit der Lufthansa und zwei weiteren Interessenten laufen. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass alle Unternehmen "in finanzieller Hinsicht seriös" und "vom Volumen her ausreichend groß" seien, "um Air Berlin eine sichere Zukunft zu bieten". Zudem hätten sie das Interesse, weiterhin vom Standort Deutschland aus zu operieren", sagte Winkelmann. Namen wollte er nicht nennen.

Doch die sind längst durchgesickert. Insidern zufolge zählt Easyjet zu den Interessenten. Zudem erklärte der Reisekonzern Thomas Cook, er und seine Ferienflug-Tochter Condor stünden ebenfalls für eine "aktive Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin bereit".

90 Maschinen für die Lufthansa?

Den größten Teil der Airline will sich aber offenbar die Lufthansa sichern. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass der Konzern an ungefähr 90 der 144 von Air Berlin eingesetzten Flugzeuge interessiert ist.

Der Kranich-Konzern sehe sich unter großem Zeitdruck, so dass die bereits weit gediehenen Verhandlungen schon in der kommenden Woche abgeschlossen werden könnten. Mit dem Air-Berlin-Vorstand und dem Sachwalter Lucas Flöther solle von Freitag an über das Wochenende verhandelt werden, habe Lufthansa-Chef Carsten Spohr nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrats berichtet, schreibt die Zeitung.

Neben den bereits angemieteten 38 Air-Berlin-Jets will Lufthansa die österreichische Touristik-Tochter "Niki" und weitere Flugzeuge übernehmen. Sie sollen unter dem Dach der Lufthansa-Tochter Eurowings an den Start gehen. In der Zahl seien auch die meisten der 17 Langstrecken-Flugzeuge der Air Berlin enthalten, die ebenfalls der Eurowings zugehen sollen. Air Berlin könne bereits im September zerschlagen sein, berichtet die SZ weiter.

"Wir brauchen einen deutschen Champion"

Verkehrsminister Alexander Dobrindt | Bildquelle: dpa
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Verkehrsminister Alexander Dobrindt

Geht es nach dem Willen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, würde die Lufthansa den Großteil der Air Berlin bekommen. "Wir brauchen einen deutschen Champion im internationalen Luftverkehr", sagte der CSU-Politiker der "Rheinischen Post". "Deswegen ist es dringend geboten, dass Lufthansa wesentliche Teile von Air Berlin übernehmen kann."

Diesem Vorgehen erteilte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig bereits eine Absage: "Es ist völlig klar, dass eine Übernahme von Air Berlin durch eine einzige Airline nicht kommen wird", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Das ist aus kartellrechtlichen und wettbewerblichen Gründen notwendig und richtig".

Kritik an Hilfe der Bundesregierung

Gegenwind kommt auch von Wettbewerbshütern. Der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, sagte der "Rheinischen Post", die Lufthansa müsse mit strengen Auflagen rechnen. Air Berlin und die Lufthansa seien auf vielen Strecken direkte Konkurrenten. Die Lufthansa als größte deutsche Anbieterin müsse für eine Fusion deshalb auf weite Teile der Landerechte von Air Berlin verzichten. Kritik übte der Kommissionschef auch an der Hilfe der Bundesregierung für Air Berlin in Höhe von 150 Millionen Euro.

Auch der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, sagte der "Süddeutschen Zeitung", die Wettbewerbsbehörde werde sich die Lufthansa-Pläne "gegebenenfalls sehr genau ansehen". Bisher ist aber Mundt zufolge noch keine Übernahme angemeldet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. August 2017 um 14:00 Uhr.

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