Mats Hummels | Bildquelle: dpa

Nationalmannschaft Die Optionen nach Süles Ausfall

Stand: 21.10.2019 11:59 Uhr

Nach der schweren Verletzung seines Abwehrchefs Niklas Süle muss Bundestrainer Joachim Löw mit Blick auf die EM 2020 seine Deckung neu ordnen. Optionen hat er genügend.

Von Jens Mickler

Wie wichtig Niklas Süle für die deutsche Nationalmannschaft ist, zeigt ein Blick in die Einsatzstatistik der Länderspiele im Jahr 2019. Als einziger deutscher Nationalspieler machte der Bayern-Profi alle acht Länderspiele von Anfang bis Ende mit. Um den stämmigen Verteidiger - das betonte Löw immer wieder - wollte der Nationaltrainer seine Abwehrformation mit Blick auf die Europameisterschaft 2020 aufbauen. "Er war ein Fixpunkt in unseren Planungen und hatte sowohl im Klub als auch bei uns seine regelmäßigen Einsätze", sagte Löw.

Hoeneß: "Das können Sie total vergessen"

Eine kleine Chance besteht, dass Niklas Süle nach seinem Kreuzbandriss am Samstag (19.10.2019) bei optimalem Heilungsverlauf rechtzeitig für das Großturnier fit wird. Bayern-Manager Uli Hoeneß schließt das bereits aus. "Die Europameisterschaft ist ad acta gelegt, die können Sie total vergessen", sagte Hoeneß vor dem Abflug zum Champions-League-Spiel am Montag (21.10.2019) nach Griechenland.

Joachim Löw muss in jedem Fall zweigleisig planen und möglicherweise das eine oder andere neue Gesicht integrieren - zumindest als Back-up.

Ob der Bundestrainer auf bereits ausgemusterte Größen wie Mats Hummels und Jerome Boateng zurückgreift, erscheint eher unwahrscheinlich. Das hatte Löw bereits ausgeschlossen. Von den Einschätzungen aus der Branche wird er sich kaum beeinflussen lassen.

Stefan Reuter für Rückkehr von Hummels oder Boateng

Antonio Rüdiger | Bildquelle: dpa
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Antonio Rüdiger mit Joachim Löw

So hatte etwa Augsburgs Manager Stefan Reuter in der Sendung Blickpunkt Sport des Bayerischen Rundfunks am Sonntag gesagt: "Hummels und Boateng sind zwei extrem erfahrene Spieler und Löw hat schon noch Monate Zeit, um die Entscheidung zu treffen, wer dann letztendlich bei der Europameisterschaft dabei ist." Hummels würde nicht viel Zeit brauchen, um sich schnell bei der Nationalmannschaft einzugewöhnen.

Am wahrscheinlichsten erscheint es, dass Antonio Rüdiger vorerst Süles Job als Abwehrchef übernimmt. Der 26-Jährige vom FC Chelsea hatte sich Ende April einer Meniskus-Operation unterziehen müssen, ist jetzt aber wieder soweit, dass er auf den Platz zurückkehrt. Rüdiger bildete mit Süle das Innenverteidiger-Paar im März beim 3:2-Sieg in der EM-Qualifikation in den Niederlanden - dem vielleicht besten Länderspiel der deutschen Mannschaft 2019.

Ginter wird wichtige Rolle spielen

Eine gewichtige Rolle im Abwehrverbund wird auch der Mönchengladbacher Matthias Ginter spielen. Nach Süle kommt er auf die meisten Einsätze eines Defensivspielers in 2019. Zuletzt musste Ginter aufgrund einer angebrochenen Rippe pausieren.

Zuletzt testete Löw mit Robin Koch vom SC Freiburg ein ganz neues Gesicht in der Innenverteidigung der A-Mannschaft. Die EM dürfte für den jungen Freiburger aber noch zu früh kommen. Sehr gerne hätte der Bundestrainer auch Niklas Stark im Nationaltrikot spielen sehen - etwa gegen Estland oder Argentinien im September. Stark musste jeweils absagen, bleibt aber eine Option. Das gilt für Jonathan Tah wohl derzeit eher nicht. Der Leverkusener spielte sich mit schwachen Leistungen bei der A-Elf vorerst aus dem Blickfeld von Löw.

Julian Weigl | Bildquelle: imago/ActionPictures
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Julian Weigl bei seinem Länderspiel im März

Rückkehr von Weigl?

Vielleicht denkt Joachim Löw aber auch über einen alten Bekannten nach: Julian Weigl. Der war von Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre schon mehrfach aus dem Mittelfeld in die Abwehrzentrale beordert worden. Dort spielte Weigl, der im März 2017 sein bislang einziges Länderspiel machte, zuletzt ein gute Rolle. Weigls Vorteil: Er hat Champions-League-Erfahrung - die fehlt Spielern wie Niklas Stark, Robin Koch und auch Matthias Ginter.

Aufschluss über Löws Planspiele dürften bereits die beiden letzten Länderspiele des Jahres geben, wenn es in der EM-Qualifikation gegen Weißrussland (16. November) und Nordirland (19. November) geht.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Oktober 2019 um 10:43 Uhr.

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