Horst R. Schmidt, Theo Zwanziger, Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach  (von links) | Bildquelle: picture alliance/dpa

Sommermärchen WM 2006 - Schweizer Behörde erhebt Anklage gegen Ex-DFB-Funktionäre

Stand: 06.08.2019 09:52 Uhr

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen die Macher der Fußball-WM 2006 in Deutschland erhoben.

Die Bundesanwaltschaft wirft den ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger, dem früheren DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt sowie dem früheren FIFA-Generalsekretär Urs Linsi vor, "arglistig über den eigentlichen Zweck einer Zahlung in der Höhe von 6,7 Millionen Euro getäuscht zu haben."

WM-Verantwortliche auf der Anklagebank
WM-Verantwortliche auf der Anklagebank

Separates Verfahren gegen Beckenbauer

Gleichzeitig teilte die Behörde mit, dass das Verfahren gegen den damaligen Chef des Organisationskomitees Franz Beckenbauer separat weitergeführt wird. Grund ist der gesundheitliche Zustand Beckenbauers, der "eine Teilnahme oder Einvernahme an der Hauptverhandlung vor dem Bundesstrafgericht nicht zulässt." Dadurch könnte das Verfahren wegen Verjährung eingestellt werden.

Zwanziger: "Desolat, bösartig"

Zwanziger kommentierte die Anklage mit deutlichen Worten. "Diese ganze Schweizer Kampagne ist desolat, bösartig und wird völlig scheitern, weil ich mir überhaupt nichts vorzuwerfen habe", sagte der 74-Jährige: "Diese unfähigen Ermittler rasen mit dem Kopf gegen eine Wand - zum Schluss gewinnt immer die Wand. Das Ganze ist inzwischen längst ein Justizskandal und keine wirklich vorwerfbares Verhalten gegenüber den Beschuldigten."

Auch Niersbach reagierte ungehalten. "Es ist bezeichnend für dieses unsägliche Verfahren, dass man als Betroffener nach über drei Jahren über die Medien erfahren muss, dass Anklage erhoben wird", sagte der 68-Jährige: "Materiell wird sich herausstellen, dass die erhobenen Vorwürfe völlig haltlos sind." Schmidt erreichte die Neuigkeit im Urlaub. "Ich bin nicht überrascht, dass es zur Anklage kommt. Ich bin aber überrascht, was da alles in der Schweiz abläuft", sagte der 77-Jährige, ohne ins Detail zu gehen.

Bundesanwaltschaft unter Zeitdruck

Die Bundesanwaltschaft hatte das Verfahren gegen die Beschuldigten am 6. November 2015 eröffnet. Bis Ende April 2020 muss ein erstinstanzliches Urteil des Bundesstrafgerichts in Bellinzona vorliegen, um die Verjährung zu vermeiden. Welche Strafen Zwanziger, Schmidt und Linsi (Betrug in Mittäterschaft) sowie Niersbach (Beihilfe zum Betrug) drohen, blieb offen.

Kulturprogramm vorgetäuscht

Konkret geht es um die 6,7 Millionen Euro, die 2005 vom deutschen WM-Organisationskomitee über den Weltverband FIFA mutmaßlich an den früheren adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus überwiesen worden sind. Exakt diese Summe war drei Jahre zuvor offenkundig in Form von Vorleistungen von Beckenbauer, der zentralen Figur im ganzen Skandal, und Louis-Dreyfus an den früheren FIFA-Skandalfunktionär Mohamed bin Hammam nach Katar geflossen. Für die Überweisung an die FIFA täuschten die WM-Macher 2005 vorsätzlich einen Anlass ("WM-Kulturprogramm") vor.

DFB tritt als Privatkläger auf

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird im Schweizer Strafverfahren gegen die Organisatoren der WM 2006 als Privatkläger auftreten, "um etwaige Ansprüche geltend zu machen und so seiner gesetzlichen Vermögensbetreuungspflicht zu genügen". Das teilte der Verband auf seiner Internetseite mit.

Landgericht Frankfurt hatte Hauptverfahren abgelehnt

Im Oktober 2018 hatten Niersbach, Zwanziger und Schmidt einen juristischen Erfolg gefeiert. Das Landgericht Frankfurt lehnte die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen das Trio ab. Die Staatsanwaltschaft hatte die drei Ex-Funktionäre im Zusammenhang mit der WM 2006 wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung angeklagt.

Quelle: sportschau.de

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