Schlusslicht

Eine Uhr

Chaos in Belgien Wenn der Wecker zu früh klingelt

Stand: 18.10.2017 13:50 Uhr

In dem 2000-Einwohner-Dorf Waanrode, östlich von Brüssel, ist seit einigen Tagen nichts mehr so, wie es sonst immer war: Uhren spielen plötzlich verrückt, Bewohner schrecken mitten in der Nacht hoch und wollen zur Arbeit. Was ist da los?

Von Malte Pieper, ARD-Studio Brüssel

Für Lydia Marcoen fing der Tag an wie jeden Morgen. Ihr Radiowecker klingelt zur scheinbar gewohnten Zeit, sie springt aus dem Bett, zieht sich an, macht sich fertig, schnell noch einen Kaffee und dann will sie auch schon losstürzen zur Arbeit. Sie wundert sich noch, wo ihr Mann bleibt. Bis der irgendwann müde aus seinem Zimmer angeschlurft kommt und seine geschätzte Gattin nur fragt: "Hast Du noch alle stramm, dass Du um halb sechs morgens so ein Theater machst?" Ihr Mann hat noch einen altmodischen Wecker zum Aufziehen und der vermeldet eine ganze andere Uhrzeit als Lydias Radiowecker.

Ein paar Häuser weiter schreckt Johan Verhaegen frühmorgens hoch, als plötzlich, scheinbar mitten in der Nacht, seine elektrischen Rollläden hochfahren. Abends setzen sie sich auf einmal in Bewegung, obwohl es draußen noch hell ist. Auch seine Heizung springt zu Zeiten an, zu denen sie das niemals tun sollte. Bei den Nachbarn wiederum läuft die Warnanlage der Solarpaneele Sturm.

Geheimnisvolle Kräfte am Werk

Sprich: Seit ein paar Tagen sind in dem kleinen 2000-Einwohner-Dorf Waanrode, 50 Kilometer östlich von Brüssel, geheimnisvolle Kräfte am Werk. Uhren spielen verrückt, technische Anlagen machen sich aus heiterem Himmel selbstständig.

Nach einigem Suchen ist der Übeltäter nun gefunden: Ein Stromgenerator der örtlichen Elektrizitätswerke. Der Versorger lässt gerade ein Transformatorenhaus in Waanrode umbauen. Damit aber trotzdem ausreichend Energie im Dorf vorhanden ist, hat man einen Stromgenerator dazu geschaltet. Damit der aber wiederum nicht kollabiert, wenn plötzlich die Solaranlagen anspringen, wurde die Stromfrequenz leicht verändert. Statt wie sonst üblich mit 50 Hertz, fließt der Strom in Waanrode nun mit 51 Hertz. Das heißt: Die elektrische Spannung wechselt nicht mehr 50 Mal pro Sekunde zwischen positiv und negativ, sondern 51 Mal.

Uhren laufen plötzlich schneller

Hat den Vorteil, dass sich bei dem Takt die hiesigen Solaranlagen automatisch ausschalten. Hat aber auch den Nachteil, dass elektrische Uhren, also Uhren, die am Stromnetz hängen und auf den Regeltakt geeicht sind, plötzlich schneller laufen. Pro Tag eine halbe Stunde schneller. Werden Uhren nicht neu gestellt, summiert sich das im Laufe der Zeit.

Von den Elektrizitätswerken gab es jetzt nur ein müdes "Sorry, haben wir einfach vergessen, Euch Bescheid zu sagen." Es bestehe kein Grund zur Unruhe. Schon kommende Woche, wenn das neue Transformatorenhäuschen fertig sei, würden alle Uhren wieder normal funktionieren. Dann ist Schluss mit der belgischen Sonderzeitzone Waanrode.

Chaos bei belgischen Uhren - rund um Brüssel vergeht die Zeit schneller
Malte Pieper, ARD Brüssel
18.10.2017 13:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 18. Oktober 2017 um 13:56 und 15:56 Uhr.

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