Schlusslicht

Sumoringer Harumafuji und Takanoiwa | Bildquelle: picture alliance / MAXPPP

Sumo-Ringen in Japan Bierflaschen-Kampf der Kolosse?

Stand: 17.11.2017 09:28 Uhr

Sumo-Ringen gilt in Japan als Sport der Götter und hat eine lange Tradition. Nun erschüttert ein handfester Skandal den ehrwürdigen Ringkampf. Ein Koloss soll dem anderen eine Bierflasche über den Kopf gezogen haben.

Von Jürgen Hanefeld, ARD-Studio Tokio

Mit Bierflaschen schlägt man nicht. Diese Regel ist nirgendwo aufgeschrieben, weil sie eigentlich selbstverständlich ist, auch in Japan. Aber sie gilt ganz besonders für Sumo-Ringer. Die müssen sich nämlich immer im Griff haben. Eigentlich.

Es begann bei Trinkgelage

Die Geschichte, die in Japan seit Tagen Furore macht, ist schnell erzählt. Zwei Sumo-Ringer kriegen sich in die Wolle. Nicht im Ring, das wäre ja normal, sondern bei einem Trinkgelage. Ob es wirklich mit der Bierflasche losging, ist inzwischen umstritten. Es gibt zwar jede Menge Zeugen - von bis zu 30 ist die Rede -, aber die waren offenbar alle blau.

Man will sich nicht vorstellen, wie es zugeht, wenn Kolosse, die bis zu 230 Kilo wiegen, angetrunken aufeinander losgehen. Einig ist man sich wenigstens darin, dass die Schlägerei durch den jüngeren Kämpfer ausgelöst wurde, der, während der Ältere ihn wegen irgendeines Fehlverhaltens ermahnen wollte, weiter mit seinem Handy spielte. Man kennt das ja.

Harumafuji scheidet aus Turnier aus

Nun sind die beiden Kampfhähne auch noch prominent. Der eine ist der 33-jährige Harumafuji, neunfacher Turniersieger. Er bekleidet den höchsten Rang in diesem ur-japanischen Sport, darf sich Yokozuna nennen. Der andere, der 27-jährige Takanoiwa, ist auf dem achten Rang. Er hat sie abgekriegt, die Flasche auf den Kopf, heißt es. Reumütig oder nicht, Haruma musste sich entschuldigen und scheidet aus dem laufenden Turnier aus: "Weil ich Takanoiwa verletzt habe, habe ich meinem Trainer, Meister Takanohana, meinem Stall und dem gesamten Sumo-Verband große Unannehmlichkeiten bereitet. Ich bitte alle aus tiefstem Herzen um Verzeihung."

Sumoringer Harumafuji und Takanoiwa | Bildquelle: picture alliance / AP Images
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Harumafuji musste sich bei seinem Partner entschuldigen.

Ringer müssen strenge Regeln beachten

Merkwürdigerweise lagen zwischen der Prügelei mit oder ohne Flasche - am 26. Oktober übrigens - und der Entschuldigung drei Wochen. In dieser Zeit soll der unterlegene Kämpfer noch im Ring gestanden haben, bevor ihm einfiel, zum Arzt zu gehen - und dann zum Anwalt. Er habe alle möglichen Verletzungen davongetragen, heißt es nun.

Obwohl beide Kontrahenten aus der Mongolei stammen, hat auch der Nationalsport der Japaner durch die unbotmäßige Schlägerei einen mitgekriegt. Denn Sumo-Ringer müssen strenge Regeln beachten, egal ob im Ring oder außerhalb. Dem Sieger ist es nicht mal erlaubt, sich zu freuen, weil dies dem Verlierer gegenüber als respektlos gelten würde.

Immer mal wieder Exzesse

Dennoch ist dies bei weitem nicht der erste Fall, der für Aufsehen sorgt: 2015 wurde bei einem Turnier in Nagoya ein Assistent von einem Meister mit einem Metallschläger verprügelt, 2010 ging ein Sumo-Ringer sternhagelvoll auf einen Zuschauer los. Und 2007 kam schon mal eine Bierflasche zum Einsatz. Am Ende erlag ein 17-jähriger Kämpfer seinen Verletzungen. Daichi Suzuki, der Leiter der Sportbehörde, erinnert an solche Exzesse. Er sagt, sie hätten schon mehrere Schulungen für das Personal in den Sumo-Ställen veranstaltet, damit kein weiterer Gewaltakt mehr vorkomme. Dass es doch wieder passiert, fänden sie sehr bedauerlich. 

Regierung ermahnt die Kämpfer

Welche Bedeutung Sumo in Japan hat, unterstreicht die Tatsache, dass sich jetzt sogar die Regierung einschaltete. Ihr Sprecher Suga ermahnte die Kämpfer mit den Worten: "Sumo ist ein Sport von größten Interesse für unsere Bürger. Sie erwarten, dass die Ringer das Gewicht der Tradition auch außerhalb des Rings spüren und sich allein dem Training widmen." Welche Konsequenzen Harumafuji und Takanoiwa erwarten,  entscheidet sich nach dem laufenden Turnier.

Skandale, Gewalt, Korruption - Sumo-Ringen kämpft um seinen Ruf
Jürgen Hanefeld, ARD Tokio
17.11.2017 08:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. November 2017 um 19:10 Uhr.

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