Schlusslicht

Eine einzelne Straße führt durch die Eiswüste Sibiriens, befahren von zwei Pkw und einem Lastwagen. | Bildquelle: REUTERS

Staatseigentum eigenhändig demontiert Straßenklau in Russland

Stand: 15.01.2016 16:45 Uhr

Zunächst ist es niemandem aufgefallen. Die Anwohner waren es gewohnt, dass die Straße zu ihrem Dorf rund 1500 Kilometer nordöstlich von Moskau ein paar Schlaglöcher hatte. Der Übeltäter war aber nicht die Kälte, sondern ein hochrangiger Beamter.

Von Markus Sambale, ARD-Studio Moskau

Eine Volksweisheit in Russland besagt, dass das Land immer wieder und zu allen Zeiten von zwei Plagen heimgesucht wird: von schlechten Straßen und von Dummköpfen. In der Republik Komi, gut 1500 Kilometer nordöstlich von Moskau, sind diese Plagen auf ungewöhnliche Art zusammengekommen. Die Jusitz ermittelt dort im Fall einer ganz speziellen Form von "Straßenkriminalität".

Ein hoher Beamter namens Alexander Protopopow soll 50 Kilometer einer Landstraße gestohlen haben. Aber Asphalt lässt sich nur schwer in eine Tasche stecken und wegtragen. Was wird dem Mann also genau vorgeworfen?

Widerrechtlich demontiert

Eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde erklärt, was Protopopow und mehreren Komplizen angelastet wird: "Der Untersuchung zufolge haben die Verdächtigen im Zeitraum von Juni 2014 bis August 2015 widerrechtlich die Demontage und den Abtransport von mehr als siebentausend Betonplatten unternommen, aus denen die Straße im Landkreis Udorsky bestand." Offenbar arbeitete der Beamte mit einer Firma zusammen, deren Beschäftigte die Betonplatten ein Jahr lang nach und nach entfernten und weiter verkauften.

Straßenklau fiel zunächst nicht auf

Viele Straßen gerade auf dem Land sind in katastrophalem Zustand, deshalb fiel der Straßenklau wohl erst mal gar nicht auf - bis nach einem anderen Skandal die Machenschaften von Politikern und Behörden der Region genauer untersucht wurden. "Diese Straße war Staatseigentum. Wegen der illegalen Handlungen hat die Russische Föderation einen Schaden von mehr als sechs Millionen Rubel erlitten", teilte die Ermittlungsbehörde mit.

Gut 70.000 Euro sind das umgerechnet, wegen derer gegen Alexander Protopopow jetzt ermittelt wird. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Der Mann kennt sich übrigens aus im Gefängnis: Er ist als Beamter seit fast 40 Jahren zuständig für den Strafvollzug.

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