Schlusslicht

Trump und Macron pflanzen im Beisein der Ehefrauen eine Eiche hinterm Weißen Haus. | Bildquelle: AFP

Echte französische Eiche Der Baum ist tot

Stand: 12.06.2019 14:27 Uhr

Die Eiche der Freundschaft? Von wegen. Was seinerzeit von den Präsidenten Macron und Trump bildmächtig am Weißen Haus gepflanzt wurde, ist eingegangen. Angeblich in Quarantäne. Aber ist das wirklich die ganze Geschichte?

Von Eckart Aretz, tagesschau.de

Trotz aller Enthüllungsgeschichten aus "D.C." harrt eine Frage nach wie vor der großen, möglicherweise entlarvenden Antwort: Gibt es Schrottwichteln im Weißen Haus? Ein heißes Eisen, gewiss, dessen Bejahung einen langen und finsteren Schatten auf manche diplomatische Beziehung werfen könnte.

Denn erfahrungsgemäß kommt bei Staatsbesuchen allerlei Nippes und Tand zusammen, der vom Schenkenden zwar mit stillem Stolz auf das hier verdichtete nationale Kulturgut und dem im Schenkungsakt ruhenden Symbolwert überreicht wird. Und dann dennoch nach einer eingehenden kulturkritischen Betrachtung humorlos in den staubigen und schlecht beleuchteten Ecken der staatlichen Schatzkammern des Staates abgestellt wird. In jedem Privathaushalt wäre der Trödel ein Fall für die Wichteltonne bei der Weihnachtsfeier. Auf diplomatischem Parkett ist das heikel. Denn wehe, die reichverzierte Vase oder der liebevoll gefertigte Krummdolch liegt beim darauffolgenden Staatsbesuch nicht dekorativ aus. Dann ist aber was los.

Präsidentenpaare Trump und Macron nach der Pflanzung einer Eiche vor dem Weißen Haus | Bildquelle: AP
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Präsidentenpaare nach dem Pflanzungsakt: Lange gehalten hat es nicht.

Der Mann hat Ideen

Donald Trump jedenfalls hat übers Jahr reichlich Ärger mit einem Gastgeschenk aus Frankreich gehabt. Präsident Emmanuel Macron war im April 2018 mit einer jungen Eiche im Gepäck angereist, obwohl er eigentlich wusste, dass Trump sich mehr aus Dingen macht, die glitzern. Immerhin, für einen hübschen Fototermin im Garten des Weißen Hauses reichte es, bei dem Trump und Macron ein bisschen Erde auf die frisch eingesetzte Eiche schaufelten und dabei der ganzen Welt glaubhaft zeigten: Hier sind zwei, die was anpacken, die was ausbringen, auf dass die Freundschaft zwischen beiden Ländern wachse und gedeihe.

Doch die Eiche rauschte nicht lange hinterm Weißen Haus. Kurz darauf prangte da, vor sie vordem eingesetzt worden war, ein ordinärer gelber Fleck, und die missgünstige Welt zerriss sich das Maul über die Gründe. War's das schon mit der neuen Blüte der amerikanisch-französischen Freundschaft? Hatte Trump den jungen Trieb gleich nach Abreise des Gastes rausgerissen oder mit dem Golfschläger weggeprügelt?

Der französische Botschafter in den USA selbst musste beruhigen: Aber nein, der Baum sei nur in Quarantäne gebracht worden wie jede andere importierte Pflanze auch. Zum Schutz vor Schädlingen, ganz im Sinne der für jedermann gültigen Einfuhrbestimmungen der USA, kompakt nachzulesen auf den Seiten des Departement of Agriculture der United States.

Gelber Rasenfleck im Garten des Weißen Hauses | Bildquelle: REUTERS
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Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Hier stand einmal das Gastgeschenk von Macron.

Wir haben uns geirrt - oder auch nicht

Das Schlusslicht von tagesschau.de, das sich der ausgewogenen und tiefsinnigen Durchdringung der Zeitläufte verschrieben hat, wagte damals die naheliegene Vorhersage, die stolze Eiche werde nach der Quarantäne im Garten des Weißen Haus gewiss köstlichen Schatten spenden und still eine Geschichte von tiefer, unverbrüchlicher Freundschaft erzählen. Es sei denn, sie gehe an eingeschleppten Schädlingen zugrunde.

Das aber, und es betrübt uns, dies schreiben zu müssen, ist offenkundig eingetreten. Jedenfalls musste dies die amerikanische Präsidialverwaltung einräumen, als neulich anlässlich der D-Day-Gedenkfeiern wieder allerlei Betrachtungen über die Beziehung zwischen Macron und Trump angestellt wurden. Tenor: war auch schon mal besser. Da passte die Nachricht, dass die Eiche verkümmert war, nur allzu gut ins Bild.

Hartes Regime

Der einzige, der nun Gelassenheit bewahrt, ist der französische Präsident. Er werde Trump eine neue Eiche schicken, "kein Drama", sagte er dem schweizerischen Fernsehen SRF. Und enthüllte lächelnd die wahren Umstände des Eingehens: "Der Arme hat nicht überlebt, weil er wohl einem etwas harten Regime unterzogen wurde."

Wie diese Umstände genau waren, darf nun gemutmaßt werden. Hartnäckiger Entzug von Sonnenlicht, ein mit Nacktschnecken verseuchter Humus, Beschallung mit Wahlkampfreden des Präsidenten - viele Dinge sind denkbar, die einem Setzling die Kraft rauben.

Das Schlusslicht von tagesschau.de verspricht jedenfalls, nicht zu ruhen, bevor die ganze Geschichte der Eiche im Garten des Weißen Hauses erzählt ist. Und an die unerschrockenen Rechercheure von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" ergeht schon jetzt der Auftrag, den genauen Inhalt des Schrottwichtelns im Weißen Haus der vergangenen und kommenden Jahre zu ermitteln. Damit nicht noch eine hoffnungsvolle französische Eiche unweit des Weißen Hauses kläglich eingehen muss.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 12. Juni 2019 in den Nachrichten innerhalb der Sendung "Grünstreifen" ab 10:00 Uhr.

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