Schlusslicht

Präsidentenpaare Trump und Macron nach der Pflanzung einer Eiche vor dem Weißen Haus | Bildquelle: AP

Macrons Mitbringsel Eiche in Quarantäne

Stand: 30.04.2018 09:59 Uhr

Kaum gepflanzt, schon wieder weg: Der Verbleib der jungen französischen Eiche vor dem Weißen Haus sorgte für manches Raunen. Was nur mochte hinter dem Verschwinden stecken? Die Antwort findet sich tief in Paragrafen.

Hätte sich Emmanuel Macron mal beizeiten mit deutschen Spruchweisheiten beschäftigt. Dann wäre er womöglich der Erkenntnis "Eichen sollst Du weichen" begegnet und hätte für einen Moment innegehalten und nachgedacht.

Hat er aber nicht und so dem amerikanischen Präsident Donald Trump eine weitere Welle von Verdächtigungen eingetragen. Als ob der Mann nicht genug am Hals hätte.

Was bislang geschah

Die Eiche also - Macron hatte einen noch recht zarten Setzling mit zu seinem jüngsten US-Besuch gebracht und diesen gemeinsam mit Trump tatkräftig im Garten des Weißen Hauses in die Erde eingebracht. Eine Beschwörung der historischen Beziehungen beider Länder, schließlich stammte der Baum von einem französischen Wald, in dem im Ersten Weltkrieg US-Marineinfanteristen eine deutsche Offensive abgewehrt hatten. 2000 von ihnen starben dabei.

Das Bild der beiden buddelnden Präsidenten verbreitete sich wie gewünscht. Vielleicht nicht ganz so oft wie die Bilder vom gegenseitigen Wangenkuss oder vom Entfernen der Macronschen Schuppen durch Trump, aber der symbolische Akt durfte insgesamt beiderseits als gelungen betrachtet werden.

US-Präsident Trump und Frankreichs Präsident Macron schreiten mit ihren Ehefrauen über den Rasen des Weißen Hauses | Bildquelle: REUTERS
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Auf diesem Bild schreiten US-Präsident Trump und Frankreichs Präsident Macron nach der Baumpflanzung mit ihren Ehefrauen über den Rasen des Weißen Hauses. Im Vordergrund ist unscharf die neu gepflanzte Eiche zu sehen sowie links davon ein bereits stehender kleiner Baum.

Wie sieht das denn aus?

Umso größer die Aufregung, als die junge Eiche wenige Tage später vom präsidialen Sitz verschwand und da, wo sie kurz und hoffnungsfroh gethront hatte, nur ein unansehnlicher gelber Fleck zu sehen war. Ein grober Akt der Undankbarkeit, kaum dass der Staatsgast abgereist war? Ein Ausdruck neuer, ungeahnter Spannungen? Was nur mochte dahinter stecken? Die Freunde von Flora und Fauna sowie von Verschwörungstheorien waren auf Zinne.

Aufklärung verschaffte nun der französische Botschafter in den USA, und dass sich Gérard Araud dabei des Kurznachrichtendienstes Twitter bediente, darf als weitere freundliche Geste in Richtung Trump gedeutet werden.

Gérard Araud @GerardAraud
It is in quarantine which is mandatory for any living organism imported to the US. It will be replanted afterwards. https://t.co/XyJRKTgPWW

Jedenfalls, so ließ der Diplomat die Öffentlichkeit wissen, befinde sich die Eiche "in Quarantäne", was für jeden in die USA importierten lebenden Organismus verpflichtend sei. Später werde sie wieder eingepflanzt.

Araud verwies damit kundig auf die Einfuhrbestimmungen der USA, die nun wirklich für jeden einsichtig sind und vom United States Department of Agriculture auf der behördliche Webseite verständlich dargelegt werden.

Es sind eben doch alle gleich

Die beruhigende Erkenntnis: Auch für Mitbringsel von Präsidenten gelten die allgemeinen Schutzvorkehrungen von Schädlingen und Krankheiten, da kennt die Behörde kein Pardon. Da können Schenkungsgeber und Schenkungsnehmer noch so hochrangig sein - das Nähere regelt das Gesetz! Also raus mit der Pflanze und erst mal in die Isolation.

Damit ist die Sache aber noch nicht vom Tisch, denn es schließt sich die Frage an, ob der junge Baum sachgerecht der Erde entnommen wurde, wo er doch ohnehin schon zur Unzeit im Garten des Weißen Hauses vergraben wurde. Empfiehlt der Gärtner doch gemeinhin, die Eiche wie den Laubbaum an sich im Herbst auszubringen.

Doch auch da konnte der Botschafter die Gemüter beruhigen - die Wurzeln seien in Plastik eingepackt und damit "sorgfältig isoliert" gewesen.

Gelber Rasenfleck im Garten des Weißen Hauses | Bildquelle: REUTERS
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Dieses wenige Tage später aufgenommene Bild zeigt einen gelben Rasenfleck an der Stelle, an der das Gastgeschenk des französischen Präsidenten gepflanzt wurde. Das Foto entstand aus einer anderen Perspektive. Zu erkennen ist aber die Laterne, die neben der Pflanzstelle steht, sowie der kleine bereits zuvor stehende Baum, der auf dem vorherigen Bild zu erkennen ist.

Und damit endet diese kleine Geschichte von großen Männern und ihrem Vorhaben, einen Baum zu pflanzen. Es hat alles seine Ordnung. Dereinst wird eine stolze französische Eiche im Garten des Weißen Haus köstlichen Schatten spenden und still eine Geschichte von tiefer, unverbrüchlicher Freundschaft erzählen. Es sei denn, sie geht vorher an eingeschleppten Schädlingen zugrunde. Das muss dann aber, bitteschön, allein der französische Präsident erklären.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. April 2018 um 16:34 Uhr.

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