Schlusslicht

Justizminister Maas in der Sendung Anne Will

Maas-Auftritt bei "Anne Will" Klatsche für den Klatscher

Stand: 07.03.2016 12:50 Uhr

Staatstragende Miene, überzeugende Argumente, Applaus des Publikums: So stellte sich Justizminister Maas seinen Auftritt bei "Anne Will" vor. Beim Beifall sollte sein Sprecher als Vorklatscher nachhelfen. Doch der klatschte bald alleine, aber umso lauter. Die Inszenierung flog auf.

Eine Glosse von Frank Wahlig, ARD-Hauptstadtstudio

Der Minister hat einen Klatscher dabei. Der Klatscher ist beim Minister angestellt und ist braver Pressesprecher, wenn er nicht als Claqueur auftritt. Nur bezahlt wird der treue Mann vom Steuerzahler.

Heiko Maas gibt den bubenhaft wirkenden SPD-Politiker. Wichtig bei seinem ersten Monolog in der Sendung ist der Applaus hernach. Zustimmung. Sind die Argumente von Maas auch noch so ausgelatscht. Wenn einer zustimmt, kommen noch ein paar andere Hansel dazu.

Anne Will entlarvt Heiko Maas' Anklatscher
Anne Will 21:45 Uhr, 07.03.2016

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Dumm gelaufen

Im Bundestag klatschen die eigenen Genossen. In der Talkshow muss der Minister selbst sehen, wie er zu Applaus kommt.  

Gute Inszenierungen haben Erfolg, wenn man das Künstliche, das Gemachte, die Absicht nicht bemerkt. Wenn ein Talkshowauftritt wirkt wie ein Talkshowauftritt und nicht wie Schülertheater. 

Heiko Maas hat gemeinsam mit seinem dauerklatschenden Pressesprecher gezeigt, wie Polit-Schülertheater geht: seichte Texte, vorgetragen von einem mäßig begabten Buben, das Moralingerechte funkelt durch das Designerbrillchen. Der Bub ist aufgeregt - und er verliert die Fassung, vergisst seinen Text, als der Klatscher als beamteter Claqueur enttarnt wird. Und neben dem 29-jährigen österreichischen Außenminister Sebastian Kurz wie ein Bub zu wirken - das muss man erst mal hinkriegen. Chapeau für so viel unfreiwillige Leistung. Dumm gelaufen halt.

Gemeinsamkeiten zwischen Politik und Theater

Vielleicht verdankt der Minister die Idee mit dem Klatscher seinen neuerdings guten Beziehungen zur Schauspielerinnenbranche. So werden schlechte Inszenierungen gepusht. Das war der Tipp. Der Minister hat den Rat zu sehr durch die rosarote Brille gesehen. Diese Inszenierung war ein Reinfall, aber ein brillantes Beispiel dafür, wie viele Gemeinsamkeiten es zwischen Politik und Theater gibt.

Merke: Der Bub hat einen Klatscher bestellt, doch auch wenn einer klatscht, ist es allenfalls gut gemeint. Heiko Maas braucht von liebevoll verständiger Seite weiter Nachhilfe, dann klappt es auch mit dem Publikum. Vielleicht.

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