Schlusslicht

Sean Combs winkt bei einer Presseveranstaltung in New York Zuschauern zu | Bildquelle: AFP

Namen zum Staunen Daddy, Diddy, Love

Stand: 06.11.2017 14:51 Uhr

Ein schlecht beleumundeter Name kann einem das halbe Leben versauen. Die Jüngeren denken dabei an Kevin oder Mandy, die Älteren eher an Adolf. Für Sean Combs ist es dagegen im Leben bislang nicht schlecht gelaufen. Trotzdem wechselt der US-Rapper ständig das Pseudonym. Jetzt nennt er sich schlicht: LOVE.

Wenn man es gut mit den Verantwortlichen meint, verweist man auf den Hormonschub während der Schwangerschaft. Jedenfalls ist es mit normalen Maßstäben kaum zu erklären, was manche Eltern bei der Namensgebung für ihr Kind umtreibt. Schon in vergangenen Jahrzehnten sorgten Kombinationen wie Axel Schweiß oder Rosa Höschen für anhaltende Lacherfolge nicht nur auf Herrenabenden. Heute ist es der Chantalismus, der dem Kapitel Vorname einen festen Platz im Comedy Club garantiert.

Für die Angestellten der Arbeitsagenturen bedeutet die Entscheidung der Eltern für Michelle oder Justin einen erheblichen Mehraufwand, weil die so Genannten auf dem Arbeitsmarkt häufig nicht zu vermitteln sind. Und für die unmittelbar Betroffenen wird das Leben zu einem nicht enden wollenden Pausenhof.

Zum Glück gibt es Gerichte, die einschreiten, wenn ein Kind Puhbert oder Bierstübl heißen soll. Doch die Front bröckelt. Inzwischen dürfen auch hierzulande Mädchen Emma Tiger heißen - der Dank hierfür geht an Til Schweiger und seine vormalige Ehefrau Dana, die ihre jüngste Tochter 2002 diesen Vornamen zumuteten und mit ihrer Prominenz nach Ansicht des Oberlandesgerichtes Celle dazu beitrugen, dass Emma Tiger in der Öffentlichkeit Akzeptanz gewinnen würde.

Til Schweiger | Bildquelle: dpa
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Ein Blick wie ein Löwe und eine Tochter namens Tiger: Til Schweiger

Anderswo ist es auch nicht besser

Der Drang, Kindern einen besonders exotischen Namen zu verleihen und ihnen damit den Lebenslauf zu verderben, ist allerdings keine deutsche Erfindung. Britische Eltern wollten ihr Kind nach ausgiebigem Konsum von Science-Fiction-Filmen und Informatik- Büchern 3rd/09 nennen, was von den Ämtern ebenso dankenswerterweise verhindert wurde.

Lob gebührt auch den neuseeländischen Behörden, die dem Wunsch eines neunjährigen Mädchens stattgaben, nicht länger "Talula Does The Hula From Hawaii" zu heißen. Die weitsichtige Begründung: Dieser Vorname lasse das Kind "als Trottel" dastehen.

Sean Combs | Bildquelle: AP
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Immer gut für eine tolle Idee: Sean Combs

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Womit wir in den USA wären, sozusagen die Mutter aller blödsinnigen Namen. Insbesondere Prominente zeichnen sich hier durch beklagenswerten Einfallsreichtum aus. Aus Platzgründen seien hier nur Schauspieler Silvester Stallone erwähnt, der seine Tochter Sage Moonblood nannte und der Sänger John Mellencamp, der Speck Wildhorse für einen tauglichen Mädchennamen hielt.

Vor diesem Hintergrund ist der US-amerikanische Rapper und Unternehmer Sean Combs fast schon als positives Beispiel zu nennen. Combs hat zwar einen ausgeprägten Hang zu albernen Pseudonymen, wechselt diese aber erfrischend häufig. Notiert sind die Decknamen Diddy, P. Diddy, Sean John, Puff Daddy, Puffy und Swag.

Dem Höhepunkt entgegen

Dieser Einfallsreichtum, der selbst altgediente Privatagenten wie Werner Mauss alias Claus Möllner/Dieter Koch/Richard Nelson neidisch macht, ist nun von Combs seiner endgültigen Veredelung zugeführt worden. An seinem 48. Geburtstag kündigte er via Twitter eine "sehr ernste Neuigkeit" an, um dann die Welt wissen zu lassen, ab sofort sei sein neuer Name "LOVE aka Brother Love".

Dies ist eine erfreuliche Entwicklung für jemanden, der in seiner Karriere immer wieder durch kleinere und größere Gesetzesübertretungen hat aufhorchen lassen. Ein Akt der Läuterung und Hinwendung zum Wahren, Schönen und Guten wird hier offenbar, der jetzt schon neugierig auf die nächste Umbenennung macht. Nicht überraschend wäre es, wenn das irgendwann folgende Pseudonym ins Göttliche hineinreicht, denn was ist schon größer als die Liebe? Zumal beide Begriffe vielfältige Geschäftsmöglichkeiten in sich bergen, von ganzen Produktpaletten bis hin zur Gründung einer eigenen Kirche. Singen kann der Mann ja schon.

Prince
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Mal Prince, mal T.A.F.K.A.P. - bei der Namensfindung ist nach oben immer Luft.

Allein: Man weiß nie, worauf LOVE noch kommt. Abzuraten wäre ihm, sich an Sangesbruder Prince zu orientieren, der im Streit mit seiner Plattenfirma weiland ebenfalls den Namen wechselte und für ein paar Jahren nur noch als T.A.F.K.A.P. firmierte - The Artist Formerly Known As Prince (zu deutsch: Der Künstler, der früher als Prince bekannt war). Im Falle von Combs ergäbe das ein ziemlich unverdauliches Buchstabengeschwurbel: T.A.F.K.A.D.P.S.P.P.S.L. Selbst das Oberlandesgericht Celle dürfte eine solche Entwicklung mit Grausen verfolgen.

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