Schlusslicht

Zwei gemusterte Hawaii-Hemden. | Bildquelle: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Immer wieder freitags... Es muss Aloha sein!

Stand: 16.01.2016 09:51 Uhr

Für Jürgen von der Lippe ist es die bevorzugte Arbeitskleidung. Privatdetektiv Thomas Magnum ist ohne eines gar nicht vorstellbar. Und sogar US-Präsident Truman trug sie in der Freizeit. Aber ausgerechnet einigen Hawaiianern bleibt das Tragen ihrer typischen bunten Hemden verwehrt. Jetzt soll ihnen auf höchster politischer Ebene ein wenig Gerechtigkeit widerfahren.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Spätestens mit der New Economy ist er in immer mehr Behörden eingezogen: Der Casual Friday, der letzte Tag der Arbeitswoche, an dem man es kleidungsmäßig etwas lockerer angehen konnte, oder, je nach Unternehmenskultur, sogar musste.

Was viele nicht wissen: Der Freitag der lockeren Klamotten basiert auf einer viel älteren Tradition, dem "Aloha Friday“, der 1966 offiziell im US-Bundesstaat Hawaii eingeführt worden war. Damit sollten sowohl lokale Händler und Hersteller der "Aloha Shirts“ als auch die eigene hawaiianische Tradition gefördert werden.

Freitage sind in Washington grau

Mark Takai @RepMarkTakai
Hey @SpeakerRyan, it's Aloha Friday...https://t.co/XNlVBImTA3 ...pls let us wear Aloha shirts on the House Floor. #FridayFeeling

Doch was ist mit den armen Hawaiianern, die sich im fernen Washington für ihren Staat einsetzen? Den Kongressabgeordneten ist das Tragen der bunten Shirts untersagt - auch am Freitag gilt strengster Dresscode. Nach dem Willen des hawaiianischen Abgeordneten Mark Takai soll sich das aber ändern: Er appellierte an den Parlamentspräsident Paul Ryan, den "Aloha Friday“ künftig auch in den heiligen Hallen des Kongress zelebrieren zu dürfen.

Schließlich habe Ryan bei seinem Antritt zahlreiche Reformen im Repräsentantenhaus angekündigt, argumentierte der Demokrat Takai in einem Brief an den Republikaner. Schon jetzt umgehen er und seine Mitarbeiter die Pflicht, freitags im gedeckten Zwirn zu erscheinen - bislang ohne Sanktionen.

Eher Anhänger des Gedeckten

Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan | Bildquelle: AFP
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Der Republikaner Paul Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses, ist eher ein Verterter des strengen Dresscodes.

Noch gibt es keine offizielle Antwort von Ryan. Allerdings sieht man ihn, abgesehen von einigen volksnahen Wahlkampfauftritten, selten ohne streng geschnittenen Anzug. Im lockerem Shirt, verziert, mit Hulatänzerinnen, Palmen oder Koksnüssen, kann man ihn nicht unbedingt vorstellen - ob er andere Abgeordnete so sehen möchte, auch nicht wirklich.

Übrigens: Im Bundestag gibt es keine expliziten Anzieh-Anweisungen: Die Kleiderordnung schreibt lediglich vor, die Würde des Hauses zu wahren. Diesen Interpretationsspielraum nutzen nur wenige Volksvertreter. Daher wäre es vielleicht ganz schön, auch das Berliner Parlament ein wenig bunter würde. Wenigstens am Freitag.

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