Finanzexperte zu Wulffs Bankkredit Kredit-Konditionen nur "schwer nachvollziehbar"

Stand: 23.12.2011 14:05 Uhr

Haus der Familie Wulff (Archivbild) | Bildquelle: dpa
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Das Haus der Familie Wulff in Großburgwedel

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat die BW-Bank dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff besonders günstige Konditionen für einen 520.000-Euro-Kredit eingeräumt. Mit dem Geld hatte Wulff Anfang 2010 den Privatkredit abgelöst, den er nach eigener Aussage von Edith Geerkens erhalten hatte, um damit seinen Hauskauf in Großburgwedel zu finanzieren.

Laut "Spiegel" schloss Wulff mit der BW-Bank keinen normalen Immobilienkredit ab, sondern ein "komplexes Finanzkonstrukt, wie es eher bei Unternehmen üblich ist". Der Kreditvertrag sei am 21. März 2010 geschlossen worden und sollte bis Ende 2024 laufen. Der Zinssatz sei dabei variabel und richte sich nach dem Satz, zu dem sich Banken am Geldmarkt Geld leihen könnten. Die Anwälte des Präsidenten bestätigten laut Bericht, dass der Zinssatz zwischen 0,9 und 2,1 Prozent gelegen habe. Ein Experte habe jedoch erklärt, dass der durchschnittliche Bauzins seitdem bei etwa 3,5 Prozent gelegen habe.

"Hart an der Grenze zum Minus"

Christian Schmid-Burgk, Finanzierungsexperte der Verbraucherzentrale Hamburg, nennt die Kreditbedingungen Wulffs deshalb "sehr bemerkenswert". "Diese Konditionen sind selbst für Top-Kunden nur sehr schwer nachvollziehbar", erklärt Schmid-Burgk im Gespräch mit tagesschau.de. Die Bank verdiene in diesem Fall überhaupt kein Geld, die Konditionen seien für die Bank "hart an der Grenze zum Minus".

Berechnungen von Experten des Instituts für Finanzdienstleistungen und der Zeitschrift "Finanztest" ergaben laut "Spiegel", dass Wulff dadurch etwa 154.000 Euro gespart habe, sofern man das Darlehen auf die gesamte Laufzeit von 14 Jahren hochrechnet. Da das sogenannte Geldmarktdarlehen nach Angaben seiner Anwälte aber in ein langfristiges Bankdarlehen festgeschrieben wurde, könnte der Bundespräsident inzwischen eine höhere Zinsbelastung haben - und der Spareffekt geringer ausfallen.

Ungewöhnliche Vorgänge bei der BW-Bank

Außerdem erhielt Wulff einen höheren Kredit als die Immobilie kostete. Der Politiker zahlte für sein Eigenheim laut Kaufvertrag 415.000 Euro, von der Bank gab es aber 520.000 Euro. Laut "Spiegel" ein ungewöhnlicher Vorgang - auch, weil Banken in der Regel nur bis zu 80 Prozent des Beleihungswerts auszahlen. Wulff bekam aber 125 Prozent des Kaufpreises. Schmid-Burgk bezeichnet auch das als "sehr bemerkenswert". Diese Summe bekäme kein normaler Kunde - und wenn überhaupt, dann nur mit erheblichen Risikozuschlägen.

Die BW-Bank hatte laut "Spiegel" in einer Stellungnahme erklärt, derartige Finanzierungen nur an "gehobene Privatkunden" zu vermitteln.

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