Guido Westerwelle | Bildquelle: picture alliance / dpa

Politiker stirbt mit 54 Jahren Guido Westerwelle ist tot

Stand: 18.03.2016 16:30 Uhr

Er kämpfte seit fast zwei Jahren gegen den Krebs - nun ist Guido Westerwelle gestorben. Der ehemalige Außenminister und FDP-Chef wurde 54 Jahre alt. Westerwelle gehörte seit den 1980er-Jahren zu den bekanntesten Persönlichkeiten der bundesdeutschen Politik. Ein Nachruf.

Wortgewaltig, scharf, streitbar - so fiel Westerwelle schon bei den Jungliberalen auf: ein politisches Naturtalent. Als sein "Ziehvater" galt lange Zeit Hans-Dietrich Genscher. Dessen Nachfolger Klaus Kinkel machte Westerwelle - mit gerade mal 32 Jahren, was damals noch ungewöhnlich war - zum Generalsekretär der FDP. Und die Bilderbuchkarriere ging weiter: Mit 39 war der studierte Jurist Parteivorsitzender.

Westerwelle war Ehrgeiz pur. Lauter, forscher, schriller als jeder andere. Sein Fokus als FDP-Chef: Steuersenkungen. Die Liberalen prägte er durch offensive Auftritte und Führungswillen: "Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt's einen, der die Sache regelt: Und das bin ich."

Guidomobil und Möllemann-Affäre

18 Prozent - mit diesem Ziel führte er bei der Bundestagswahl 2002 einen Spaßwahlkampf. Er ließ sich zum Kanzlerkandidaten ausrufen, reiste im Guidomobil durch die Republik, stieg bei "Big Brother" in den Container und malte sich eine gelbe "18" als Wahlziel auf die Schuhsohle. Das Ergebnis bei der Wahl 2002: enttäuschende 7,4 Prozent. Für die Regierungsbildung reichte es nicht.

Dies wurde nicht Westerwelle angelastet, sondern den antisemitischen Äußerungen des NRW-Landesvorsitzenden Jürgen Möllemann sowie dessen Flugblattaktion gegen die israelische Regierung. Nach der Wahl ging Westerwelle auf Distanz zu seinem langjährigen Unterstützer. Möllemann habe die Partei und ihre Gremien vor und nach der Bundestagswahl 2002 "absichtsvoll hintergangen". Möllemann musste die FDP verlassen, 2003 kam er bei einem Fallschirmsprung ums Leben.

Nachruf auf Guido Westerwelle
tagesschau 17:00 Uhr, 18.03.2016, Verena Bünten, WDR

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Nach dem bitteren Wahlergebnis 2002 verschrieb sich Westerwelle mehr Ernst. Mit dem Spaßpolitiker war Schluss. Im Bundestag brillierte er als Oppositionsführer und Redner - seine Paraderolle.

Aufstieg und Abstieg 2009

Und dann, im dritten Versuch, 2009, gelang doch noch die Wunschkoalition mit der Union - mit einem Sensationsergebnis von 14,6 Prozent. Es war der Höhepunkt seiner politischen Laufbahn: Er wurde Vizekanzler und Außenminister. Doch ausgerechnet in der lange erwarteten Regierungsposition begann der Abstieg. Die Rolle des Chefdiplomaten schien dem scharfzüngigen Oppositionspolitiker zunächst schwerzufallen. Als Parteivorsitzender konnte er die Steuerversprechen nicht halten. Der Heilsbringer verlor an Glanz.

Nach anhaltender Kritik und wochenlangen Personalquerelen wurde Westerwelle schließlich im Frühjahr 2011 vom damaligen Generalsekretär Christian Lindner, NRW-Landeschef Daniel Bahr und Gesundheitsminister Philipp Rösler zum Rückzug vom Vorsitz gedrängt.

Rückzug 2013

Westerwelle durfte Außenminister bleiben und ging in dem Amt dann voll auf. Er machte sich für weltweite Abrüstung und eine "Kultur der militärischen Zurückhaltung" stark, war viel in den Krisenregionen der Welt unterwegs. Als wichtigen diplomatischen Erfolg konnte Westerwelle die Wahl Deutschlands zum nichtständigen Mitglied in den UN-Sicherheitsrat für zwei Jahre ab Januar 2011 verbuchen.

Nach der verlorenen Bundestagswahl 2013 zog sich Westerwelle aus der ersten politischen Reihe zurück. Dann die Diagnose: Leukämie. Unterstützt von seinem Lebensgefährten kämpfte er beharrlich gegen den Krebs - und gewann durch seinen Umgang mit der Krankheit viele Sympathien. Er selbst sagte vor seinem Tod, er blicke mit Dankbarkeit und ohne Reue auf ein ausgefülltes Leben zurück. Jetzt ist er mit 54 Jahren gestorben.

Zum Tod von Guido Westerwelle zeigt das Erste am Abend eine Sondersendung - um 22 Uhr direkt nach den tagesthemen.

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Zum Tod von Guido Westerwelle

Guido Westerwelle

Der FDP-Politiker Guido Westerwelle ist tot. Der ehemalige Parteivorsitzende und Bundesaußenminister starb an den Folgen einer Leukämie. | Bildquelle: REUTERS

Zwischen zwei Leben - Nachruf auf Guido Westerwelle
K. Strippel, ARD Berlin
18.03.2016 14:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. März 2016 um 15:00 Uhr.

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