Fragen und Antworten

Ein Junge arbeitet in Kalkutta (Indien) in einer Ziegelsteinfabrik. | Bildquelle: dpa

Weltweiter Aktionstag Wo Kinderarbeit drinsteckt

Stand: 12.06.2017 08:57 Uhr

Die Zeiten von Oliver Twist und Grubenkindern in englischen Bergwerken sind vorbei - aber Kinderarbeit ist auch heute weit verbreitet. Alltäglich haben wir es mit Produkten zu tun, die durch Kinderarbeit entstanden sind.

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Von Alexander Drost, NDR Info & tagesschau.de

Kind im Sinne des Gesetzes ist, wer das 15. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Wo in unserem Alltag kann Kinderarbeit drinstecken?

Spontan denken sicherlich viele an die Textilindustrie in Asien und Kinder, die dort T-Shirts und andere Kleidunggstücke nähen müssen. Das ist aber längst nicht alles.

Das Kinderhilfswerk "Terre des Hommes"  hat aufgelistet, in welchen Produkten und Dienstleistungen Kinderarbeit sonst noch stecken kann. In dieser Liste findet man zynischer Weise Spielzeug - aber auch, Schmuck, Blumen, Feuerwerkskörper, Kosmetik und Handys. Das sind aber nur einige Beispiele von vielen.

Heißt das, dass Kinder irgendwo auf der Welt in Fabriken stehen und Smartphones zusammenbauen?

Nein, das heißt nicht zwangsläufig, dass Kinder diese Produkte auch selbst herstellen - aber es ist durchaus möglich, dass etwa in einem Handy diverse Rohstoffe enthalten sind, bei deren Gewinnung Kinder beteiligt waren.

Auch in den Bereichen Tourismus und Gastronomie müssen Kinder immer wieder beim Putzen, Gepäcktragen, Kochen, Spülen oder Kellnern mithelfen.

Allerdings arbeiten die meisten Kinder nach Angaben von Unicef global betrachtet in der Landwirtschaft, gefolgt vom Dienstleistungsbereich.

Baumwollernte bei Faisalabad in Pakistan | Bildquelle: REUTERS
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Kinder in Faisalabad (Pakistan) bei der Baumwoll-Ernte.

Prozentual betrachtet ist Kinderarbeit vor allem in Afrika - südlich der Sahara - verbreitet, gefolgt vom Asien-Pazifik-Raum. Wie sieht es in Deutschland aus?

Auch hier gibt es Kinderarbeit. Das Deutsche Kinderhilfswerk sagt, dass Kinderarbeit hierzulande beinahe als Massenphänomen bezeichnet werden kann.

Dabei beruft sich das Hilfswerk auf Studien, nach denen bei den zwölf bis 16-Jährigen bereits die Hälfte neben der Schule gearbeitet hat. Das an sich kann in bestimmten Grenzen noch in Ordnung sein.

Die Studien haben auch gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Kinder aus dieser Gruppe über das gesetzliche Maß gegen Bezahlung einer Arbeit nachgegangen ist. Das ist nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz verboten ist.  

Das Gesetz sieht vor, dass Kinder ab 13 Jahren höchstens zwei Stunden pro Tag arbeiten dürfen, in landwirtschaftlichen Familienbetrieben sind es höchstens drei Stunden - und es müssen kindgerechte Tätigkeiten sein, die weder Schule noch Körper und Geist gefährden.

Was sind die Gründe für Kinderarbeit in Deutschland?

Die wenigsten Kinder in Deutschland arbeiten für das nackte Überleben - hier sind es laut Kinderhilfswerk eher Konsumwünsche, die im Vordergrund stehen.

Zugleich besteht aber die generelle Gefahr, dass Familien - gerade in Zeiten zunehmender Kinderarmut - auf das Einkommen von Kindern angewiesen sind, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juni 2017 um 06:20 Uhr.

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