Rechtsmediziner sichern an der Rue de Charonne in Paris Spuren. | Bildquelle: AFP

Bericht über deutschen Händler für Paris-Waffen Keine Anhaltspunkte und ein Missverständnis

Stand: 27.11.2015 10:53 Uhr

Kamen zumindest einige Waffen der Paris-Attentäter von einem deutschen Händler? Das zumindest behauptet ein Medienbericht. Tatsächlich spricht dafür aber nichts - und das sehen auch höchste deutsche Ermittler so.

Von Holger Schmidt, SWR, ARD-Terrorismusexperte

Sitzt der Waffenhändler für die Attentäter von Paris bereits in Stuttgart-Stammheim in Haft? Wurden die Tatwaffen über das so genannte "Darknet" verkauft, einen verborgenen Teil des Internets in dem weltweit kriminelle Geschäfte abgewickelt werden? Vom beschaulichen Magstadt in Baden-Württemberg aus?

Wilde Spekulationen grassieren seit heute Morgen. Deutsche Ermittler sind aber skeptisch.

Handel mit Dekowaffen und echten Kalaschnikows

Gesichert ist: Gegen einen Mann aus Magstadt laufen schon länger Ermittlungsverfahren. Tatsächlich soll er Dekowaffen, die eigentlich nicht funktionsfähig sind, zu funktionierenden Waffen umgebaut und verkauft haben. Über das Darknet. Und er soll auch "echte" Sturmgewehre vom Typ AK 47 Kalaschnikow verkauft haben.

Die Staatsanwaltschaft Gießen kam ihm auf die Spur. Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den Mann, der in Stuttgart in Untersuchungshaft sitzt. Doch dass es einen Zusammenhang mit den Attentaten von Paris geben könnte, ist derzeit reine Spekulation. Konkrete Anhaltspunkte dafür gibt es nicht.

Möglicherweise ist diese Spekulation aber auch durch ein Missverständnis entstanden. Das Zollkriminalamt hatte in einer Bewertung des Vorgangs davon gesprochen, dass der Mann mit Waffen gehandelt habe, die in Paris eingesetzt wurden. Dabei meinte man aber offenbar Waffen "nach der Art" - und nicht die konkreten Waffen.

Zu wenig für den Generalbundesanwalt

Schon vor einigen Tagen hatte die Staatsanwaltschaft den Fall dem Generalbundesanwalt zur Übernahme vorgelegt. Dort winkte man ab: Bezüge zu den Attentaten in Paris seien derzeit nicht erkennbar.

Deswegen liegt der Fall nun bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart und wird dort als mögliche "schwere, staatsgefährdende Gewalttat" nach Paragraf 89a Strafgesetzbuch behandelt. Ein Paragraph der martialisch klingt - aber so ziemlich das Harmloseste ist, was das deutsche Staatsschutz-Strafrecht zu bieten hat.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. November 2015 um 10:00 Uhr.

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