Kolonialzeit: Deutsche in Namibia | Bildquelle: picture-alliance / akg-images

Deutsche Verbrechen während Kolonialzeit Regierung bekennt sich zu Völkermord

Stand: 10.07.2015 17:00 Uhr

Am Mittwoch hatte bereits Bundestagspräsident Lammert von Völkermord gesprochen, als er an das Massaker deutscher Kolonialtruppen im früheren Deutsch-Südwestafrika erinnerte. Jetzt erklärte die Bundesregierung dies zur offiziellen politischen Leitlinie.

"Der Vernichtungskrieg in Namibia von 1904 bis 1908 war ein Kriegsverbrechen und Völkermord." Dieser Satz gilt künftig als politische Leitlinie für die Bundesregierung. Das teilte das Auswärtige Amt mit. Demnach soll es bald auch eine gemeinsame Erklärung mit Namibia geben, der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika.

Gräueltaten am Volk der Herero und Nama

Zwischen 1904 und 1908 waren durch Gräueltaten deutscher Soldaten etwa 80 Prozent der Herero umgekommen, insgesamt etwa 65.000 Menschen. Gegen das Volk der Nama, das sich wie die Herero den Kolonialtruppen entgegengestellt hatte, gingen die Deutschen ebenfalls rücksichtslos vor. Etwa die Hälfte der Nama starb. Am 9. Juli 1915 endete die deutsche Kolonialherrschaft über Deutsch-Südwestafrika.

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1884 lebten etwa 80.000 Hereros, 60.000 Owambo, 35.000 Damara und 20.000 Nama in dem späteren "Deutsch-Südwestafrika".

Daran hatte am Mittwoch Bundestagspräsident Lammert erinnert und in einem Zeitungsbeitrag bereits ebenfalls den Begriff "Völkermord" verwendet.

Entschädigungen lehnte Deutschland bislang ab

Ob es auch eine förmliche deutsche Entschuldigung geben wird, ließ ein Sprecher des Auswärtigen Amtes offen. Die Bundesregierung bekenne sich aber ausdrücklich zur "besonderen historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber Namibia und seinen Bürgern". Bisher hatte sich keine Bundesregierung zu einem offiziellen Völkermord in Namibia bekannt. Wohl auch mit Blick auf mögliche Entschädigungsforderungen. Die lehnte Deutschland bislang ab und verwies dabei stets auf hohe Entwicklungshilfezahlungen an Namibia.

Opferverbände und Oppositionsparteien fordern seit Jahren eine offizielle Anerkennung des Genozids. Unter Wissenschaftlern ist die Bezeichnung weitgehend unstrittig. Das sieht auch der Genozidforscher Medardus Brehl so. Im Interview mit tagesschau.de nannte er die Äußerung Lammerts zum Völkermord "ein wichtiges Signal". Zuvor sei in Deutschland im Zusammenhang mit der Kolonialzeit immer von "traurigen Ereignissen"oder von einem "dunklen Kapitel" gesprochen worden. Man habe mehr oder weniger unbestimmte Metaphern verwendet, die den brutalen Charakter und die Dimension des Geschehens nicht hinreichend beschrieben. Dieses hat sich mit Lammerts Äußerung geändert.

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