Polizisten vor dem Kölner Dom | Bildquelle: dpa

Gewalt gegen Ausländer in Köln "Fremdenfeindliche Straftaten"

Stand: 11.01.2016 16:26 Uhr

Bei den Angriffen auf Ausländer am Sonntagabend in der Kölner Innenstadt handelt es sich laut Polizei um "fremdenfeindliche Straftaten". Bundesjustizminister Maas warnte vor "pauschaler Hetze gegen Ausländer". Eine neue "Dimension des Hasses" beklagen die Muslime.

Nach Erkenntnissen der Polizei handelt es sich bei den Angriffen auf Ausländer am Sonntagabend in der Kölner Innenstadt um "fremdenfeindliche Straftaten". Hier hätten sich gezielt Leute über die sozialen Netzwerke verabredet, um auf augenscheinlich "nicht-deutsche Menschen" loszugehen, sagte Norbert Wagner von der Kölner Polizei. "Es ist ein alarmierendes Signal, dass wir sehr ernst nehmen."

Binnen einiger Stunden seien 153 Personen überprüft und 199 Platzverweise ausgesprochen worden. Bei einigen der Beteiligten handele es sich um Rechtsextreme, zum Teil kämen sie aus der Hooligan-, Rocker- oder Türsteher-Szene. Nach derzeitigem Stand kam es in der Innenstadt zu vier gewalttätigen Übergriffen.

Zwei Pakistaner mussten im Krankenhaus behandelt werden, ein Syrer wurde leicht verletzt. Ein 19-Jähriger aus Guinea wurde mit einer Flasche geschlagen. Ein anderer Afrikaner wurde von etwa 25 Angreifern verfolgt. Die Zahl der Anzeigen könne sich in den nächsten Tagen noch erhöhen, sagte eine Polizeisprecherin.

"Das sind Taten von Menschen, die meinen, sie müssten das Recht in die eigene Hand nehmen", sagte Michael Temme, bei der Kölner Polizei für die Gefahrenabwehr zuständig.

Die Kölner Polizei will nun die Präsenz in der Innenstadt erhöhen. Die Zahl der regulären Streifeneinsätze werde erhöht, die Umgebung speziell um Dom und Hauptbahnhof regelmäßig kontrolliert, sagte Temme.

Demian von Osten, WDR, zu den Tatverdächtigen
tagesschau 14:00 Uhr, 11.01.2016

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Maas warnt vor pauschaler Hetze

"Wir dürfen radikalen Brandstiftern nicht das Feld überlassen", warnte auch Bundesjustizminister Heiko Maas. Er habe den Eindruck, dass diejenigen, die jetzt im Internet oder auf der Straße Hetzjagden auf Flüchtlinge veranstalteten, auf die Taten von Köln nur gewartet hätten. "Anders lässt sich nicht erklären, wie schamlos das einige Gruppen nun instrumentalisieren", sagte der SPD-Politiker. Die Verbrechen der Silvesternacht seien zwar abscheulich. Für pauschale Hetze gegen Ausländer gebe es aber keine Rechtfertigung.

In der Silvesternacht waren vor dem Kölner Hauptbahnhof Dutzende Frauen sexuell bedrängt und ausgeraubt worden. Unter den bisher Beschuldigten sind laut Bundespolizei auch Asylbewerber. Bis zum Wochenende gab es mehr als 500 Anzeigen.

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland: "Der braune Mob tobt in den sozialen Medien." | Bildquelle: dpa
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Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland: "Der braune Mob tobt in den sozialen Medien."

"Neue Dimension des Hasses"

Seit Bekanntwerden der Vorfälle in der Silvesternacht gibt es nach Ansicht des Zentralrats der Muslime eine zunehmende Hetze und Islamfeindlichkeit. "Wir erleben eine neue Dimension des Hasses", sagte deren Vorsitzender, Aiman Mazyek, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Der braune Mob tobt in den sozialen Medien, sieht seine Vorurteile bestätigt und endlich die Chance, seinen Hass auf Muslime, Ausländer, Andersaussehende und Andersdenkende freien Lauf zu lassen", sagte Mazyek.

Aiman Mazyek, Zentralrat der Muslime, zu islamfeindlicher Hetze
tagesschau24 18:15 Uhr, 11.01.2016

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Januar 2016 um 12:30 Uhr.

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