Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Polizeipräsident Wolfgang Albers | Bildquelle: REUTERS

Kölner Polizei warnt vor Vorverurteilungen "Wir wissen noch nicht, wer die Täter sind"

Stand: 05.01.2016 17:19 Uhr

Wer waren die Männer, die etliche Frauen zu Silvester in Köln bedrängt und ausgeraubt haben? Die Polizei betonte, man wisse es noch nicht, und warnt vor Vorverurteilungen. Auf einer Pressekonferenz informierte sie zusammen mit Oberbürgermeisterin Reker über den Stand der Ermittlungen.

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers hat nach den Übergriffen in der Silvesternacht vor Vorverurteilungen gewarnt."Wir haben bisher noch keinen Tatverdächtigen, wir wissen also auch noch nicht, wer die Täter sind", sagte Albers während einer Pressekonferenz nach einer Krisensitzung von Stadt und Polizei. Polizisten vor Ort hätten lediglich beobachtet, dass es sich bei den Gruppen auf dem Bahnhofsvorplatz überwiegend um junge Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren gehandelt habe, die aus dem "nordafrikanisch-arabischen Raum" stammen. Das stimme mit Aussagen der Opfer überein.

Bundesweite Übergriffe in der Silvesternacht
tagesthemen 22:35 Uhr, 05.01.2016, Jens Eberl, WDR/Anna Herbst, WDR

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Polizei erwartet weitere Anzeigen

Vor dem Hauptbahnhof hatten sich in der Silvesternacht nach bisherigen Erkenntnissen gegen 21 Uhr mehrere hundert Männer versammelt. Später sollen es bis zu 1000 gewesen sein. Aus dieser großen Gruppe heraus sollen sich dann kleinere Gruppen von mehreren Männern zusammengetan haben, um Frauen zu umzingeln, sexuell zu belästigen und auszurauben.

Inzwischen gibt es 90 Strafanzeigen. Zum Teil gehe es um sexuelle Übergriffe, zum Teil um Diebstähle, zum Teil um beides, sagte Albers. Die Polizei hatte zuvor auch von einer Vergewaltigung gesprochen. Sie geht davon aus, dass noch weitere Anzeigen eingehen werden und forderte alle Frauen auf, die bedrängt wurden, Strafanzeige zu stellen.

"Es gibt keine tausend Täter"

Auf der Pressekonferenz stellte Albers klar: "Es gibt keine tausend Täter." Es habe eine Ansammlung von Menschen gegeben, aus der heraus Straftaten begangen worden seien. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er noch keine Zahl von Tätern oder Tatverdächtigen nennen.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker betonte, es sei "absolut unzulässig", Flüchtlinge mit der Tat in Verbindung zu bringen. "Es gibt keinen Hinweis, dass es sich um Menschen handelt, die hier in Köln Unterkunft als Flüchtlinge bezogen haben". Polizeipräsident Albers sagte, es seien zwar Personen von der Polizei überprüft worden, die sich mit Asylpapieren ausgewiesen hätten. "Aber alleine, dass man überprüft worden ist, heißt noch nicht, dass man tatverdächtig ist."

Voller Umfang erst am nächsten Tag klar geworden

Als Konsequenz aus den Vorfällen zu Silvester will die Kölner Polizei bei den bevorstehenden Karnevalsfeiern stärkere Präsenz auf den Straßen zeigen und plant darüber hinaus temporäre mobile Videoüberwachungen. Reker und Albers betonten, es müsse alles getan werden, dass sich Vorfälle wie zum Jahreswechsel nicht wiederholten. Reker sagte, Köln werde sich das Feiern des Karnevals nicht nehmen lassen.

Albers wies Kritik am Einsatz der Polizei zu Silvester zurück. Es seien ausreichend Kräfte auf dem Bahnhofsvorplatz gewesen. "Wir waren an dem Abend ordentlich aufgestellt." Die Beamten hätten zwar schon in der Silvesternacht von Übergriffen Kenntnis bekommen. Der volle Umfang - insbesondere der sexuellen Übergriffe - sei allerdings erst am nächsten Tag klar geworden.

"Diese erste Auskunft war falsch"

Der Einsatz habe damit begonnen, dass sich gut 1000 Männer auf dem Vorplatz und den Treppen zum Kölner Dom aufgehalten und Pyrotechnik gezündet beziehungsweise damit von oben auf Passanten geschossen hätten. Die Beamten hätten erst ab 1.00 Uhr, als der Platz vor dem Hauptbahnhof längst geräumt gewesen sei, erste Hinweise auf schwere Straftaten erhalten, sagte der Leitende Polizeidirektor, Michael Temme. Das gesamte Ausmaß der Übergriffe sei auch zu diesem Zeitpunkt noch unklar gewesen.

Polizeipräsident Albers wurde auch gefragt, warum es im Polizeibericht an Neujahr geheißen hatte, die Silvesternacht sei ruhig verlaufen. "Diese erste Auskunft war falsch", sagte Albers. Das sei nicht richtig gelaufen.

Übergriffe auch in Hamburg

Auch rund um die Hamburger Reeperbahn gab es in der Silvesternacht sexuelle Übergriffe, die mit Diebstahl oder Raub einhergingen. Bislang erstatteten 27 junge Frauen Anzeige.

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