Sigmar Gabriel | Bildquelle: AP

Fall Yücel Gabriel lädt Botschafter zum Gespräch

Stand: 28.02.2017 20:41 Uhr

Außenminister Gabriel hat den türkischen Botschafter im Fall Yücel zum Gespräch gebeten. Insgesamt 27 Minuten blieb Kemal Aydin im Gebäude - offenbar fiel die Kritik deutlich aus. Doch wie sehr beeindrucken die deutschen Proteste die Türkei?

Matthias Deiss @MatthiasDeiss
Unsere Kamera war dabei und zeigt die genaue Uhrzeit an: Türkischer Botschafter für 27min im AuswärtigenAmt. #Yuecel https://t.co/NQK0570h0o

Nach der Inhaftierung des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel hat Bundesaußenminister Sigmar Gabriel den türkischen Botschafter ins Auswärtige Amt gebeten. Sehr lange dauerte das Gespräch nicht: Genau 27 Minuten befand sich Kemal Aydin laut einem Tweet des ARD-Korrespondenten Matthias Deiß im Gebäude.

Diplomatische Zurückhaltung spielte in der Unterhaltung offenbar keine große Rolle - zumindest wenn man den Worten von Außenminister Sigmar Gabriel Glauben schenkt. Staatssekretär Walter Lindner habe in dem Gespräch klargemacht, dass die Anwendung rechtsstaatlicher Grundsätze zwischen der Türkei und Europa mittlerweile sehr weit auseinander liege, so der Außenminister in einem anschließenden Pressestatement.

"Die Gutwilligen werden brüskiert"

Zudem erschwere der Fall Yücel ein "rationales Verhältnis" zwischen der Türkei sowie Deutschland und der EU, warnte Gabriel. Die Gutwilligen auf beiden Seite würden durch das Vorgehen der türkischen Justiz brüskiert. Die Bundesregierung fordere zudem "vollumfänglichen konsularischen Zugang" zu Yücel.

Schon zuvor hatte Gabriel die U-Haft für Yücel als "viel zu harte und deshalb auch unangemessene Entscheidung" kritisiert. "Der Fall Deniz Yücel wirft ein grelles Schlaglicht auf die Unterschiede, die unsere beiden Länder offensichtlich bei der Anwendung rechtsstaatlicher Grundsätze und in der Bewertung der Presse- und Meinungsfreiheit haben", erklärte er.

Auswärtiges Amt @AuswaertigesAmt
Richtigstellung: Es ist keine formelle Einbestellung erfolgt. Der türkischen Botschafters wurde zum Gespräch gebeten. #Yücel

Kanzlerin Angela Merkel nannte Yücels Inhaftierung am Montagabend "bitter und enttäuschend" und äußerte die Hoffnung, "dass er bald seine Freiheit zurückerlangt". Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sagte den Dortmunder "Ruhr Nachrichten": "Deniz Yücel muss freigelassen werden - genauso wie all die anderen mit fadenscheinigen Begründungen festgenommenen Journalisten."

Bundespräsident Joachim Gauck verurteilte die Inhaftierung ebenfalls scharf: "Wir können in Deutschland nicht nachvollziehen, warum diese Attacke auf die Pressefreiheit notwendig ist. Uns fehlt das Verständnis", sagte Gauck im Schloss Bellevue. "Was derzeit in der Türkei passiert, weckt erhebliche Zweifel, ob die Türkei ein Rechtsstaat bleiben will."

Mindestens sechs Deutsche in türkischen Gefängnissen

Und auch der Bundestag wird sich voraussichtlich in der kommenden Woche mit der Situation in der Türkei befassen. Das kündigte Bundestagspräsident Norbert Lammert in der "Rheinischen Post" an. Beantragt habe die Aktuelle Stunde die Fraktion der Linken.

Yücel ist nicht der einzige Deutsche, der in der Türkei im Gefängnis sitzt. Insgesamt befänden sich dort derzeit mindestens sechs deutsche Staatsangehörige in Haft, bestätigte das Auswärtige Amt im Gespräch mit tagesschau.de. Alle seien nach dem Putschversuch am 15. Juli 2016 festgenommen worden. "Die Fälle wurden und werden immer wieder mit den türkischen Behörden angesprochen", hieß es weiter.

Proteste in Deutschland gegen die Inhaftierung Yücels
tagesthemen 22:35 Uhr, 28.02.2017, Robin Lautenbach, ARD Berlin

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Will die Türkei die Konfrontation?

Doch wie sehr beeindrucken die deutschen Proteste die Türkei? In den türkischen Medien sei überhaupt nur am Rande davon zu lesen, sagte ARD-Korrespondent Oliver Mayer-Rüth in der tagesschau. Nach Ansicht von Oppositionspolitikern sei es jedoch möglicherweise sogar im Interesse der türkischen Regierung, auf Konfrontationskurs zur Bundesregierung zu gehen. Auf diesem Weg könnte die Anti-Türkei-Stimmung in Deutschland geschürt werden und es dadurch zu einer Solidarisierung mit Präsident Recep Tayyip Erdogan bei den Deutsch-Türken kommen, so Mayer-Rüth weiter. Diese könnten dann bei dem Referendum im April für Erdogan stimmen.

Michael Schramm, ARD Istanbul, zu den Reaktionen in Istanbul
tagesthemen 22:35 Uhr, 28.02.2017

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Februar 2017 um 17:00 Uhr.

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