Trauer um Helmut Schmidt | Bildquelle: AFP

Reaktionen auf Tod Helmut Schmidts "Sein Rat wird uns fehlen"

Stand: 10.11.2015 18:29 Uhr

"Er war ein herausragender Kanzler": Im In- und Ausland haben Politiker das Lebenswerk von Helmut Schmidt gewürdigt. SPD-Chef Gabriel sagte, Schmidts Vermächtnis sei Europa. Sein Rat werde ihm fehlen. Kanzlerin Merkel hob Schmidts Tatkraft während der Hamburger Sturmflut hervor.

Betroffenheit herrscht nach dem Tod von Helmut Schmidt. "Wir trauern um Helmut Schmidt und sind stolz darauf, dass er einer von uns war. Seine Urteilskraft und sein Rat werden uns fehlen", erklärte SPD-Chef Sigmar Gabriel. Die SPD-Fraktion erfuhr während der laufenden Fraktionssitzung vom Tod Schmidts und gedachte seiner in einer Schweigeminute.

Gabriel sagte, Schmidts Vermächtnis sei Europa. "Er erinnert uns alle daran, dass wir eine Verantwortung haben, Europa zusammenzuhalten." Über Generationen hinweg werde Schmidt als einer der bedeutendsten Staatsmänner in Erinnerung bleiben.

Sigmar Gabriel, SPD-Parteivorsitzender, zum Tod von Helmut Schmidt
tagesschau 16:00 Uhr, 10.11.2015

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Trauer in Hamburg

Groß ist die Trauer auch in Schmidts Heimatstadt Hamburg. Der Erste Bürgermeister der Stadt, Olaf Scholz, sagte in der tagesschau, Schmidt sei ein großer Staatsmann und Demokrat gewesen. Er habe aufklärerische Politik gemacht. Gefragt nach seinen persönlichen Erinnerungen, sagte der SPD-Politiker: "Ich habe mir immer vorgestellt, dass jemand so Bundeskanzler sein soll, wie er es gewesen ist."

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz im Gespräch
tagesschau 17:00 Uhr, 10.11.2015

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Merkel: Persönliche Würdigung Schmidts

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte ihn als Vordenker der internationalen Zusammenarbeit. Vor der Unions-Bundestagsfraktion erinnerte sie nach Angaben von Teilnehmern an seine Entscheidung zum NATO-Doppelbeschluss.

Merkel sei in ihrer Würdigung auch sehr persönlich geworden: Sie habe etwa 1962 von der DDR aus beobachtet, wie er als Hamburger Innensenator in der Sturmflut agiert habe. Ihre Familie habe Verwandtschaft in Hamburg gehabt, um die man sich Sorgen gemacht habe, sagte die in der Hansestadt geborene Kanzlerin.

Bundespräsident Joachim Gauck sprach der Familie des Altkanzlers sein Beileid aus. "Wir trauern um einen der bedeutendsten deutschen Politiker der Nachkriegszeit", schrieb er Schmidts Tochter Susanne Kennedy-Schmidt.

Vor dem Haus von Altkanzler Helmut Schmidt im Hamburger Stadtteil Langenhorn legen Trauernde Blumen nieder. | Bildquelle: dpa
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Vor dem Haus von Altkanzler Helmut Schmidt im Hamburger Stadtteil Langenhorn legen Trauernde Blumen nieder.

Gauck: "Ein leidenschaftlich vernünftiger Denker"

Helmut Schmidt sei ein "leidenschaftlich vernünftiger Denker" gewesen, der mit seiner Vorstellung von Politik als "pragmatisches Handeln zu sittlichen Zwecken" auch nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik als Verleger und Publizist ein aufmerksamer politischer Beobachter geblieben sei. Mit seinen Tugenden werde er auch künftigen Politikergenerationen ein bleibendes Vorbild sein, schreibt Gauck. Dazu zählte er "Unabhängigkeit des Geistes, Mut und Pflichtbewusstsein".

Steinmeier: "Wir Deutschen haben eine Vaterfigur verloren"

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier würdigte Schmidt als großen Staatsmann. "Wir Deutschen haben eine Vaterfigur verloren", erklärte Steinmeier. "Helmut Schmidt hat uns und unser Land tief geprägt", ergänzte der SPD-Politiker. Generationen hätten seine Klugheit und Autorität bis an sein Lebensende gesucht und geschätzt. "Helmut Schmidt war ein großer Staatsmann, bis zur letzten Zigarette", sagte Steinmeier.

Der Präsident des Europaparlaments und SPD-Politiker, Martin Schulz, erklärte, Schmidts Tod markiere "eine Zäsur für Deutschland und Europa". Schmidt sei ein "herausragender Kanzler gewesen".

Martin Schulz @MartinSchulz
Tief betroffen ü Tod Helmut Schmidts. Er war ein herausragender Kanzler, sein Tod markiert eine Zäsur für Deutschland u Europa. 1/2

Bundesjustizminister Heiko Maas twitterte, er verneige sich in Dankbarkeit vor Helmut Schmidt.

Heiko Maas @HeikoMaas
Was für ein Leben. Verneige mich im Dankbarkeit & Respekt. Adieu, #HelmutSchmidt https://t.co/kuAVkwqKhF

Peter: "Wir werden seinen Scharfsinn vermissen"

Die Grünen-Vorsitzenden Simone Peter und Cem Özdemir erklärten: "Auch wenn die Grünen gerade in der Gründungsphase in wichtigen Fragen oft auf der anderen Seite der Debatte standen, werden wir Helmut Schmidt, seinen Scharfsinn und seine Freude an der politischen Auseinandersetzung vermissen."

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer erklärte, Schmidt habe als Kanzler die Bundesrepublik sicher durch die schwierige Zeit des Terrorismus der RAF (Rote Armee Fraktion) und des Kalten Krieges geführt. "Souveränes Krisenmanagement und überzeugter Einsatz für die deutsch-französische Freundschaft sowie die europäische Einigung werden auf immer mit seinem Namen verbunden bleiben", erklärte Seehofer.

Gysi: "Den Zeitgeist verändert"

Der frühere Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi, würdigte Schmidt als herausragende Persönlichkeit. Er sei in große Fußstapfen getreten - nämlich in die die von Willy Brandt. "Das ist ja nicht leicht als Kanzler-Nachfolger." Er habe dann aber die Ostpolitik konsequent fortgesetzt. "In dem Maße, in dem er älter wurde, wurde er immer weiser, mischte sich wirkungsvoll in die Politik ein und hat den Zeitgeist durchaus verändert."

Auch die Wochenzeitung "Die Zeit" trauert: "Als Herausgeber der ZEIT, zeitweise auch als ihr Verleger und Geschäftsführer, hat er 32 Jahre lang über die Geschicke unseres Blattes gewacht. Wir verlieren einen scharfsinnigen Ratgeber, einen verlässlichen Wegbegleiter und guten Freund. Wir werden Helmut Schmidt unendlich vermissen."

D'Estaing: "Schmidt hat äußere Würde Deutschlands wiederhergestellt"

Der frühere französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing bezeichnete Schmidts Tod als einen persönlichen Verlust. "Er war der beste Kanzler, den Deutschland gekannt hat seit Konrad Adenauer", schrieb der 89-Jährige in einer Stellungnahme für die Deutsche Presse-Agentur. "Er hat die äußere Würde seines großen Landes wiederhergestellt." D'Estaing (1974-1981) und Schmidt (1974-1982) hatten fast identische Amtszeiten als Staatspräsident und Bundeskanzler.

Zum Tod von Helmut Schmidt sendet das Erste heute um 20.15 Uhr eine Sondersendung.

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