Kanzleramt im Abendlicht | Bildquelle: dpa

Polizei untersagt Kunstaktion Keine Toten für das Kanzleramt

Stand: 20.06.2015 18:31 Uhr

Das "Zentrum für politische Schönheit" wollte angeblich tote Flüchtlinge vor dem Kanzleramt beerdigen. So wollten die Künstler auf das Schicksal von Flüchtlingen aufmerksam machen. Nun hat die Polizei die Aktion verboten - jedenfalls weitgehend.

Es sollte der Höhepunkt einer äußerst umstrittenen Kunstaktion mit dem Titel "Die Toten kommen" werden: die Beerdigung von toten Flüchtlingen vor dem Kanzleramt. Das "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) wollte so gegen die Abschottungspolitik der Europäischen Union demonstrieren. Dazu sollte zunächst ein Leichenzug durch Berlin bis zum Kanzleramt führen, sodann sollten vor Ort Gräber ausgehoben werden für ein "Friedhofsfeld der Superlative", wie es vom ZPS hieß.

Auflagenbescheid der Polizei

Doch daraus wird nun nichts. Wie der Veranstalter inzwischen bestätigte, hat die Berliner Polizei die Beerdigungs-Aktion verboten. Zudem dürfe der Demonstrationszug nur bis kurz vor das Kanzleramt führen, das Mitführen von Baggern und Leichen sei nicht erlaubt, heißt es demnach in einem Auflagenbescheid, der Polizei. Särge müssten vorher auf ihren Inhalt überprüft werden.

Kanzleramt bei strahlendem Sonnenschein | Bildquelle: dpa
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Auf dem Vorplatz des Kanzleramtes wollte das "Zentrum für Politische Schönheit" tote Flüchtlinge begraben - angeblich.

Ob das ZPS tatsächlich Leichen von Flüchtlingen durch Berlin gefahren hätte, darüber war in den vergangenen Tagen heftig spekuliert worden. Die Künstler selber blieben stets bei ihrer Behauptung, blieben bei der Frage, ob es sich um eine Inszenierung handele, aber vage.

Schon einmal Beerdigung in Berlin

Zuletzt hatte das ZPS am Donnerstag für Diskussionen gesorgt, als es auf einem Berliner Friedhof angeblich eine im Mittelmeer ertrunkene Syrerin beisetzte. Auch bei dieser Aktion war nicht klar, ob sich in dem Sarg tatsächlich eine Leiche befand.

Philipp Ruch vom "Zentrum für Politische Schönheit" reagierte empört auf den Beschluss der Polizei: "Wir verurteilen diesen massiven Eingriff des Bundeskanzleramtes in die Kunstfreiheit in diesem Land", sagte Ruch "Spiegel Online".

Die Demonstration soll am Sonntag trotzdem stattfinden. Auf "facebook" haben bereits mehrere Tausend ihre Teilnahme angekündigt.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 16. Juni 2015 um 00:15 Uhr.

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