Fahndungsfoto von Salah Abdeslam | Bildquelle: AFP

Anschläge von Paris und Brüssel Ist Abdeslam das Bindeglied?

Stand: 23.03.2016 20:19 Uhr

Einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Paris war 2015 öfter in Deutschland unterwegs. Bei einer der Reisen traf er offenbar einen der möglichen Attentäter von Brüssel.

Von Holger Schmidt, SWR, ARD-Terrorismusexperte

Der am Freitag in Brüssel festgenommene mutmaßliche Terrorist Salah Abdeslam ist offenbar ein wichtiges Bindeglied der Terrorzelle, die sowohl für die Anschläge gestern in Brüssel, als auch für die Anschläge in Paris am 13. November 2015 verantwortlich ist. Ermittlungen des Bundeskriminalamts und der Bundesanwaltschaft haben ergeben, dass Abdeslam sowohl im September 2015 in Bayern, als auch im Oktober 2015 in Baden-Württemberg andere Männer begleitet hat, die zur Terrorzelle gezählt werden.

Eine Spur führt nach Bayern

So hat Abdeslam Anfang September 2015 im bayerischen Kitzingen zusammen mit Najim Laachraoui in einem Hotel übernachtet - einem der Hauptterrorverdächtigen von Brüssel. Allerdings ist Laachraoui offenbar unter dem falschen Namen Soufiane Kayal in dem Hotel abgestiegen. Kurz zuvor waren beide zusammen mit einem dritten Mann auf dem Weg von Budapest nach Österreich von der Polizei kontrolliert worden. Bei dem dritten Mann soll es sich um Mohamed Belkaid gehandelt haben, der am 15. März 2016 bei einer Razzia der belgischen Polizei in Forest erschossen wurde.

Fahrer der Terrorzelle?

In der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 2015 war Salah Abdeslam dann erneut in Deutschland - diesmal in Ulm: Mit einem Mietwagen holte er in der Nähe des Ulmer Hauptbahnhofs zwei Männer ab: Mounir Ahmhed A. und Mohamed Al-H.. Sie waren am 1. Oktober 2015 im bayerischen Feldkirchen als Flüchtlinge registriert worden. Unklar ist noch, wie die beiden Männer von Feldkirchen nach Ulm gekommen sind.

Könnte es sein, dass sie mit einem Sammeltransport von Bayern nach Ulm gebracht worden sind? Denkbar wäre es, denn in Ulm wurde exakt am 01. Oktober eine große behelfsmäßige Flüchtlingsunterkunft auf dem Messegelände eröffnet - nur einen Steinwurf von dem Hotel am Hauptbahnhof entfernt. Die Männer hätten also, kaum dort angekommen, aus der Flüchtlingsunterkunft herausspazieren und sich im Hotel einmieten können.

Behörden verweisen auf Bundesanwaltschaft

Auf Nachfrage des SWR, ob die Flüchtlinge damals aus Feldkirchen kamen, sagt die Sprecherin des zuständigen Regierungspräsidiums Tübingen: "Leider kann ich Ihnen keine Antwort auf Ihre Anfrage geben. Die Generalbundesanwaltschaft hat sich sämtliche Medienauskünfte im Zusammenhang mit dem laufenden Ermittlungsverfahren des Terrorismusverdachts vorbehalten."

Terror in Brüssel: Abdeslams Spuren nach Bayern und Baden-Württemberg
H. Schmidt, SWR
23.03.2016 19:11 Uhr

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