Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und der Präsident des Europäischen Parlamentes, Martin Schulz, unterhalten sich.

Die Genossen und die K-Frage Die SPD ist noch nicht so weit

Stand: 19.11.2016 10:44 Uhr

An diesem Wochenende schauen alle auf die CDU: Merkel dürfte ihre erneute Kanzlerkandidatur am Sonntag bekanntgeben. Und dann werden alle auf die SPD schauen: Schulz, Gabriel oder wer sonst soll die CDU-Chefin herausfordern? Das Problem: Die Genossen sind noch nicht so weit.

Sollte Angela Merkel am Sonntag ihre erneute Kanzlerkandidatur bekanntgeben, dürften sich sehr schnell danach die fragenden Blicke auf die SPD richten. Eigentlich wollten die Genossen im Januar ihre K-Frage beantworten, aber kann man wirklich noch so lange warten? Wenn die Union mit der Amtsinhaberin ins Rennen geht, muss die SPD dann nicht auch zügig einen Herausforderer präsentieren? Womöglich noch in diesem Jahr?

"Die SPD macht ihr eigenes Ding"

Parteivize Manuela Schwesig versucht, Druck aus dem Kessel nehmen. Man wolle sich nicht von der CDU treiben lassen, sagt sie im SWR. Die SPD treffe ihre Entscheidungen nicht anhand der Entscheidungen Merkels, sagte Schwesig. "Was die Union macht, ist ihr Ding, und die SPD macht ihr eigenes Ding."

Martin Schulz und Sigmar Gabriel | Bildquelle: REUTERS
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Wenn es um die SPD-Kanzlerkandidatur geht, fallen immer wieder ihre Namen: Martin Schulz und Sigmar Gabriel

Die SPD ist noch nicht so weit

Doch so einfach ist es nicht. Die SPD gerät unter Zugzwang, wen Merkel am Sonntag ihre Kandidatur bekanntgibt. Das Problem der Genossen: Sie sind irgendwie noch nicht so weit. Sigmar Gabriel oder Martin Schulz stehen mehr oder weniger bereit, wobei der Parteichef das Erstzugriffsrecht hat, wie immer wieder betont wird. Aber will Gabriel überhaupt? Es läuft zwar gerade ganz gut für ihn - wie er Frank-Walter Steinmeier als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt auch bei der Union durchsetzte, war ein taktisches Meisterstück. Doch Gabriel weiß auch um die innerparteiliche Kritik an seiner Person, die Vorbehalte und die Zweifel. Vielen gilt er als unberechenbar, sprunghaft, launisch.

Also lieber Martin Schulz, der "Mister Europa", der Freund klarer Sprache? Mit dem 60-Jährigen aus Würselen bei Aachen als Spitzenkandidaten hatte die SPD 2014 bei der Europawahl mit 27,3 Prozent ein starkes Ergebnis eingefahren. Schulz wird nachgesagt, dass er stets nach dem nächsten, höheren Amt strebe. Aber will er überhaupt nach Berlin wechseln und SPD-Kanzlerkandidat werden? Oder vielleicht Außenminister, ab Februar kann die SPD ja auch diesen Posten neu besetzen. Oder beides?

SPD-Chef Gabriel | Bildquelle: dpa
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Freunde, Kontrahenten oder beides? SPD-Chef Gabriel ...

Martin Schulz.
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... und EU-Parlamentschef Martin Schulz mit Ambitionen Richtung Berlin.

Brüssel oder Berlin?

Gabriel bot Schulz nach dpa-Informationen an, das Außenamt für die acht Monate bis zur Bundestagswahl zu übernehmen. Zeitlich passt das ganz gut, denn Schulz' Amtszeit als EU-Parlamentspräsident läuft im Januar aus - eigentlich. Absprachegemäß darf dann die konservative Europäische Volkspartei den Posten des Parlamentspräsidenten besetzen, Schulz liebäugelt aber augenscheinlich damit, dass seine Amtszeit doch verlängert wird. Also doch lieber Brüssel als Berlin? Schulz selbst hält sich bedeckt, Gabriel ebenfalls. Entschieden zurückgewiesen wurde aber ein Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", wonach Schulz nur dann Außenminister werden wolle, wenn ihm auch die Kanzlerkandidatur zufalle. Der Zeitungsbericht sei "völliger Unsinn", sagte ein Sprecher von Schulz.

In der SPD wird beteuert, Schulz und Gabriel stünden in ständigem und engem Austausch. Die beiden kennen sich ewig, ihnen wird ein freundschaftliches Verhältnis nachgesagt.

Schulz und Gabriel - für beide geht's um viel

Nur jetzt geht es für die beiden Alphatiere um ziemlich viel. Bliebe Schulz in Brüssel, hätte Gabriel bei der anstehenden Besetzung des Außenministeriums ein Problem. Die Personaldecke bei den SPD-Außenpolitikern ist eher dünn. Dass Gabriel selbst Außenminister werden will, ist unwahrscheinlich. Würde Schulz Außenminister und Kanzlerkandidat, steht Parteichef Gabriel absehbar im Schatten. Lässt Gabriel wie 2013 mit Peer Steinbrück erneut einem Parteifreund den Vortritt bei der K-Frage, dürfte es mit seiner Autorität als Vorsitzender dahin sein.

Bei der CDU gilt Merkel als alternativlos. Die SPD hat dagegen die Qual der Wahl, auch, weil sich ein wirklich überzeugender und überzeugter Kandidat nicht aufdrängt. Das mag auch daran liegen, dass es wenig attraktiv erscheint, gegen Merkel anzutreten. Schulz, Gabriel oder doch jemand ganz anderes? "Dass die SPD über mehrere Köpfe verfügt, die das können, das ist was Gutes", meint Parteivize Schwesig. "Es ist nicht gut, wenn sich alles nur auf eine Person reduziert, deswegen werden wir dazu eine gute Entscheidung treffen."

Dass die SPD bei der K-Frage jeden Eindruck von Eile vermeiden will, dürfte auch mit den Erfahrungen von 2013 zu tun haben. Bloß nicht noch einmal eine Sturzgeburt wie bei Steinbrück, denken sich wohl viele Genossen. Und bloß nicht noch einmal so ein schlechtes Wahlergebnis.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. November 2016 um 20:00 Uhr.

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