Seehofer und die Führungsmannschaft des BMI

Seehofers Mannschaft Das Mann-o-Mann-Ministerium

Stand: 28.03.2018 14:05 Uhr

Seehofer hat das Team für sein neues Innenministerium zusammen - das sorgt für heftige Kritik. Denn der CSU-Politiker ist - ebenso wie ein Parteifreund - in seiner Personalauswahl ziemlich männerlastig.

Der Schuss ging ziemlich nach hinten los: Am Freitag verkündete der neue Chef des Bundesinnenministeriums Horst Seehofer stolz per Presseerklärung, seine "Führungsmannschaft" sei nun komplett. Gekrönt wurde das Statement von einem Foto, darauf zu sehen: Ein lächelnder Seehofer in der Mitte - zu seiner Rechten und Linken aufgereiht jeweils vier Herren, die sich in Hemd, Anzug und Krawatte der Kamera präsentieren.

Das ist es also, das neue Team des CSU-Ministers - "Top-Leute", wie Seehofer es in der Presseerklärung selbst umschreibt. Mit Worten wie "große Erfahrung", "enorme Gestaltungskraft" und "absolute Experten" umschreibt er seine Riege, mit der er nun "mit großem Schwung loslegen" will.

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Bundesminister, Staatsministerin und Generalsekretär - neue Posten bei der CSU

Horst Seehofer

Nach neuneinhalb Jahren als bayerischer Ministerpräsident wird Horst Seehofer das Amt des Ministeriums für Inneres, Heimat und Bau übernehmen. Am 13. März macht er in München den Weg für seinen Nachfolger Markus Söder frei. Der 68-Jährige saß bereits als Gesundheitsminister (1992 - 1998) und Landwirtschaftsminister (2005 - 2008) im Bundeskabinett. | Bildquelle: dpa

Eine Heimat ohne Frauen?

Und eines hat das Bundesinnenministerium zumindest schon erreicht - keine andere Besetzung eines Ministeriums rückte so schnell ins Zentrum der Öffentlichkeit: Auf Twitter wird das Foto fleißig geteilt, aber wohl nicht so ganz im Sinne Seehofers. Seine Mannschaft fängt sich jede Menge kritischen Spott und Häme ein, weil ihr etwas eindeutig fehlt: die weibliche Note.

Keine Frau im Führungszirkel von Seehofers Innen- und Heimatministerium, wie die Behörde unter Bayerns Ex-Landeschef mittlerweile heißt. Und gerade den Begriff Heimat nutzen die Twitter-User als Angriffsfläche: "Nicht meine Heimat!", protestieren die einen, andere sehen Deutschland zur "Heimat nur für Männer" werden. Auch Klischees wie das der "kindergebärenden Frau, die brav zu Hause bleibt" werden dem BMI entgegengetextet. Auch Vorschläge, wie ein eigenes Ministerium nur für Frauen, der ausgleichenden Gerechtigkeit wegen.

Auch Scheuer setzt auf reines Männerteam

Doch zwei Verbündete im Geiste scheint Seehofer ja wenigstens zu haben - seinen Parteikollegen und neuen Verkehrsminister Andreas Scheuer und den CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Denn ein Blick auf die Internetseiten von deren Ministerien zeigen: Bei der Besetzung der Staatssekretäre, die neben dem Ressortchef die Leitung des Hauses bilden, fehlen ebenfalls Frauen im Team.

An den Köpfen in den drei Ministerien wird sich wohl nichts mehr ändern, glücklicherweise lässt sich so ein Foto schneller austauschen: Genau das hat das BMI getan und statt den neun Herren in einer Reihe prangt nun der Eingang zum Ministeriumsgebäude über dem Mitteilungstext im Internet.

45 Männer und 18 Frauen

Unter den Staatsministern und Staatssekretären aller Ministerien der Bundesregierung befinden sich 45 Männer und nur 18 Frauen. Besonders "männerlastig" sind das Innenministerium, das Wirtschaftsministerium und das Verkehrsministerium. Dort gibt es unter den Staatsministern und Staatssekretären jeweils keine einzige Frau.
Auch im Landwirtschaftsministerium ist kein einziger Spitzenposten weiblich besetzt - außer der Ministerin selbst. Julia Klöckner (CDU) ist die einzige Frau im von ihr geführten Ressort.
Im Kanzleramt, im Arbeitsministerium und im Familienministerium sind die Frauen auf den höchsten Führungsebenen dagegen in der Überzahl.

(Quelle: dpa)

Gleichberechtigte Postenvergabe - Zukunftsmusik

Und die Kritik aus dem Netz wischt das Bundesinnenministerium beiseite: Seehofer habe sich für die Personen entschieden, die aus seiner Sicht die Richtigen seien, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen, hieß es von einem Sprecher der Behörde. Auch der Einwand, dass die CSU doch einen Koalitionsvertrag mit unterschrieben habe, in dem festgehalten ist, Spitzenpositionen zu gleichen Teilen mit Männern und Frauen zu besetzen, wird entkräftet. Das liege in der Zukunft - schließlich soll das Ziel der gleichberechtigten Postenverteilung erst bis 2025 umgesetzt werden.

Die Kritik an der männerlastigen Personalauswahl der CSU ist nicht neu. Schon während der Debatte, wer in der neuen Großen Koalition welches Ministeramt in Berlin bekommen soll, fiel auf, dass in der CSU kaum Frauen für die Posten im Gespräch waren. Auch das dritte CSU-Ministerium ging schließlich an einen Mann: Gerd Müller steht an die Spitze des Entwicklungsministerium. Immerhin - eine Frau durfte dann doch mit nach Berlin: Dorothee Bär wurde Staatsministerin für Digitalisierung.

Über dieses Thema berichteten am 28. März 2018 MDR aktuell um 12:39 Uhr und WDR 2 "Das Mittagsmagazin" ab 13:00 Uhr.

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