Horst Seehofer | Bildquelle: dpa

Seehofer will weitermachen Er kann nicht anders

Stand: 24.04.2017 14:33 Uhr

Nun also ist es offiziell: Seehofer macht weiter. Alphatiere wie er können nicht loslassen. Vor allem nicht, wenn ein ungeliebter Nachfolger parat steht - so ein Erklärungsmuster, warum er seinen ursprünglichen Plan eines geordneten Machtwechsels über Bord geworfen hat. Doch es steckt noch mehr dahinter: Der CSU-Chef sieht sein Lebenswerk in Gefahr.

Von Sebastian Kraft, BR

Die Bilder sind gar nicht so alt - auch wenn sie schon wie aus einem anderen Zeitalter erscheinen. Am 7. Januar 2015 stapft Horst Seehofer durch den Schnee von Wildbad Kreuth, frotzelt wie üblich mit den Journalisten und sagt mit voller Überzeugung in die zahlreichen Kameras: "Ich werde 2018 nicht mehr kandidieren für den Freistaat Bayern."

Seitdem hat sich viel getan: Flüchtlingsströme, Zerwürfnis mit der Kanzlerin, das Erstarken der AfD. Sogar das mythenumwobene Wildbad Kreuth ist wegen eines Mieterstreits nun genauso Geschichte wie dieser Satz des bayerischen Ministerpräsidenten.

Rücktritt vom Rücktritt: Seehofers Strategie
tagesthemen 22:15 Uhr, 24.04.2017

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Seehofers Antrieb: Die CSU und Söder

Was treibt Seehofer an, sich mit dann 69 Jahren noch einmal in das kraftraubende Abenteuer Landtagswahlkampf zu stürzen? Drei große Ziele: mehr Einfluss für die CSU in Berlin, die absolute Mehrheit in Bayern sichern und den unliebsamen Markus Söder als Nachfolger verhindern.

Als Vollblutpolitiker ist Seehofer davon überzeugt, dass nur er die CSU in dieser schwierigen - und wieder einmal existentiellen - Lage retten kann. Im Bund sind die Mehrheitsverhältnisse unklarer denn je. Die Entscheidung im Herbst könnte sehr knapp ausfallen und Seehofers Stimmen am Ende entscheidend sein - so das Kalkül.

Er versucht so allerdings gleichzeitig, die seit Jahren anhaltende akute Personalmisere der CSU in Berlin zu übertünchen. Durchschlagskraft gibt es nur mit wichtigen Ministerien, das weiß Seehofer. Doch dazu fehlt in der Landesgruppe das Personal. Nur so ist es auch zu erklären, dass er Joachim Herrmann als Spitzenkandidat und Schatten-Innenminister ins Spiel bringt und gleichzeitig am behutsamen Comeback-Versuch von Karl-Theodor zu Guttenberg fleißig mitschraubt.

Vorteil Oberbayern

Noch spezieller ist die Lage in Bayern. Ein Jahr nach dem Bund wird im Freistaat gewählt, für die CSU seit jeher die "Mutter aller Schlachten". Auch hier drohen Gefahren: Mit FDP und AfD könnten neben der CSU und den Freien Wählern insgesamt vier bürgerliche Parteien in den Landtag einziehen, die absolute Mehrheit wäre nur schwer zu verteidigen. Seehofer, das sagen selbst seine parteiinternen Kritiker, ist in Bayern extrem beliebt.

So könnte ihm das personenbezogene bayerische Wahlrecht in die Karten spielen. Gewählt wird in Listen nach Regierungsbezirken, die unterschiedlich groß sind. In Oberbayern leben rund ein Drittel der Wahlberechtigten. Seehofer holte hier 2013 über 700.000 Stimmen, Edmund Stoiber kam auf ähnliche Werte.

Die Söder-Gegner erzählen in diesen Tagen gerne, dass der bayerische Finanzminister derartige Werte nicht annähernd erreichen kann, weil seine Heimat Mittelfranken wesentlich kleiner ist. Politische Mathematik, belegt durch das große Trauma der CSU: Als 2008 ein Mittelfranke namens Günther Beckstein antrat und in Oberbayern der glücklose Siegfried Schneider die Liste anführte und damit ein oberbayerisches Zugpferd fehlte, kam Beckstein nur auf 170.000 Stimmen. Das Ergebnis ist bekannt: Die Macht der CSU erodierte. Der Bezirk Oberbayern ist im bayerischen Wahlsystem ungefähr so wichtig wie bei US-Wahlen drei Swing-States zusammen.

Machtwechsel nur aufgeschoben

All diese strategischen Überlegungen haben Seehofer letztlich dazu veranlasst, die von ihm ins leben gerufene "Welturaufführung" erst mal auf Eis zu legen: den ersten geordneten Machtwechsel in der Geschichte der CSU.

Was heißt das jetzt für seinen Dauerrivalen Markus Söder, den ambitionierten und zweifelsohne auch aussichtsreichsten aller Kronprinzen? Er muss sich weiter gedulden. Auch wenn Geduld nicht unbedingt zu seinen bevorzugten Tugenden zählt - an der Ausgangslage ändert Seehofers Verlängerung nicht allzu viel: Irgendwann muss der Übergang in der CSU kommen.

Es ist schwer vorstellbar, dass der CSU-Chef im Fall eines Wahlsiegs bei den Landtagswahlen 2018 die volle Legislatur absolviert. Und auch Seehofers Risiko ist nicht zu unterschätzen: Verliert die Union die Bundestagswahl, könnte in der CSU alles anders kommen, als heute verkündet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. April 2017 um 15:00 Uhr.

Korrespondent

Sebastian Kraft  | Bildquelle: BR, Julia Müller Logo BR

Sebastian Kraft, BR

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