Manuela Schwesig | Bildquelle: dpa

Porträt Manuela Schwesig Die Pragmatische

Stand: 30.05.2017 17:17 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern ist ihre Heimat, sie hat ihre Familie dort. Doch auch in Berlin hat Manuela Schwesig Akzente gesetzt, als streitbare und durchsetzungsstarke Bundesfamilienministerin. Ein Porträt der künftigen Ministerpräsidentin.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Herunterhängende Mundwinkel? Sind von Manuela Schwesig eher nicht bekannt. Die 43-Jährige ist eine, die Tatkraft ausstrahlt. Zum Beispiel, als sie 2016 nach der Babypause ins Familienministerium zurückkehrte. Der Spagat zwischen bundespolitischem Berlin und Familienleben in Schwerin schreckte sie damals nicht: "Ich mache meinen Job total gern. Wenn ich hier an Bord bin im politischen Geschäft, dann volle Konzentration darauf, viel Kampf. Und wenn ich zuhause bin, dann große Entspannung und Gelassenheit mit der Familie."

2009 machte Schwesig erstmals Bundespolitik, als Vize-Vorsitzende der SPD. Da nannten sie manche Kollegen noch abfällig: die Küsten-Barbie. Eine mit Triple-Quote: jung, Frau, Osten. Gut aussehen und kompetent sein? Schwesig musste sich ihren Ruf erst erarbeiten. Dabei kam ihr zugute, dass sie persönliche Angriffe wegstecken kann - wie den von Unions-Fraktionschef Volker Kauder zur Frauenquote. "Die Frau Familienministerin soll nicht so weinerlich sein, sondern sie soll einen Koalitionsvertrag umsetzen", sagte der damals. "Dann ist alles in Ordnung."

Manchmal nur ein Minimalkompromiss

Die Kanzlerin selbst entschuldigte sich für den Ausrutscher von Kauder. Schwesig ließ das an sich abperlen und gilt seitdem als durchsetzungsstark. Obwohl ihre Bilanz als Familienministerin eher gemischt ausfällt. Kämpferisch ja, aber manchmal nur mit Minimalkompromiss am Ende. Zum Beispiel beim wichtigen Thema "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit".

Da bekam Schwesig nach langem Ringen mit der Union zwar ein Gesetz hin und war entsprechend zufrieden. Sie sei sehr froh, dass man eine gemeinsame Lösung gefunden habe, sagte sie. "Denn es ist wichtig, den Frauen in unserem Land zu zeigen, dass wir das Thema ernst nehmen." Doch am Ende waren es weniger Frauen als erhofft, die profitierten.

"Wir halten uns nicht mit Vorreden auf"

Die Frauenquote und auch das Elterngeld plus sowie einige Verbesserungen bei der Kita-Versorgung kann sich Schwesig allerdings als Erfolge ans Revers heften. Streit hat sie dabei nicht gescheut - und die Herkunft aus dem Osten habe ihr geholfen, sagt sie: "Ich glaube, wir Ostdeutschen sind pragmatischer, wir wollen schneller zu Lösungen kommen und halten uns nicht so lange mit Vorreden auf."

Der Wechsel nach Schwerin passt Schwesig auch privat. Ihre Familie lebt dort, die Kinder Julia und Julian sind in der Kita und in der Schule. Über die fast gleichen Namen haben sich manche in Berlin gewundert. Schwesig lacht darüber nur: "Als mein Sohn vor neun Jahren zur Welt kam, hatten wir schon 'Julia' als Favorit für ein Mädchen, dann wurde es ein Junge, dann wurde es Julian. Und jetzt fanden wir den Namen immer noch total schön, und dann wurde es Julia."

Jetzt muss Schwesig beweisen, ob sie auch Landesmutter kann. Bei ihren Sommerreisen stapfte sie gern barfuß durch den Sand am Ostsee-Strand. Auf der Suche nach Mecklenburgern und Urlaubern, um sie ins Gespräch zu verwickeln. Dazu wird sie jetzt noch mehr Gelegenheit haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Mai 2017 um 17:15 Uhr.

Darstellung: