Martin Schulz | Bildquelle: AFP

Schulz' Bewerbungsrede "Die SPD ist wieder da"

Stand: 19.03.2017 14:39 Uhr

Es war eine kämpferische Bewerbungsrede wie aus dem Lehrbuch: Ein bisschen Biografie, ein bisschen Inhaltliches, viel Begeisterung - vor seiner Wahl zur neuen Nummer 1 hat Martin Schulz die SPD auf sich und den Wahlkampf eingeschworen.

Nach dem gefeierten Abgang Sigmar Gabriels ist die Bühne frei für Martin Schulz. "Die SPD ist wieder da, wir sind wieder da", rief er gleich zu Beginn seiner Rede den begeisterten Delegierten zu. Es wurde eine Bewerbungsrede wie aus dem Lehrbuch. Ein kurzer Rückblick auf seine Biografie, die so sehr einen typischen sozialdemokratischen Lebenslauf verkörpert. Von ganz unten nach oben - bis zum Amt des EU-Parlamentschef. Von Würselen über Brüssel nach Berlin. "Und jetzt stehe ich hier vor euch", sagte Schulz, ganz so, als sei auch er noch immer erstaunt über seinen Werdegang.

Seinen Vorgänger Sigmar Gabriel würdigte Schulz als "besonderen Charakter", als "Freund". Sein Handeln sei zutiefst sozialdemokratisch. Im Wahlkampf werde Gabriel eine wichtige Rolle für die Partei spielen. "Dich weiter an meiner Seite zu wissen, macht mich, macht uns, macht die SPD stark. Ich danke Dir von Herzen!" Es folgte langer Applaus.

Sonderparteitag der SPD
tagesschau 13:20 Uhr, 19.03.2017, Moritz Rödle, ARD Berlin

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Ein bisschen Inhalt

Inhaltlich wurde Schulz auch ein bisschen. Gerechter soll es zugehen in diesem Land, von "Respekt vor jedem einzelne Menschen" war wieder die Rede, von "hart arbeitenden Menschen". Das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen nannte Schulz unerträglich. Die SPD werde gleichen Lohn für gleiche Arbeit durchsetzen. Bildung müsse gebührenfrei sein, Familien besser unterstützt werden. Kritik an seinen Plänen für längere Arbeitslosengeld-Zahlungen wies er zurück.

Tina Hassel @TinaHassel
#Schulz: Zukunft Deutschlands hängt nicht an Länge des Arbeitslosengelds sondern an Qualifizierung d Menschen, Antwort an Kritiker #SPD

Schulz suchte zudem den engen Schulterschluss mit den Gewerkschaften. "Seit an Seit für mehr Gerechtigkeit in diesem Land", rief Schulz den anwesenden Gewerkschaftschefs zu. "Wenn wir nicht dafür sorgen, dass es in diesem Land gerechter zugeht, dann wird das niemand Anderes machen", so neue Hoffnungsträger der Sozialdemokraten.

Kein Trump-Wahlkampf

Mehr Programmatisches versprach Schulz für den Parteitag Mitte Juni in Dortmund. Nur soviel verriet er: Es werde um Gerechtigkeit, Respekt und Würde gehen. Er versprach einen fairen Wahlkampf, eine Herabwürdigung des politischen Gegners werde es mit ihm nicht geben.

Die SPD werde für sich werben und nicht gegen andere kämpfen. Das sei eine Lehre aus dem US-Wahlkampf von Donald Trump: "Die Verächtlichmachung, das Arbeiten mit gefälschten Nachrichten, die pauschale Verurteilung ganzer Gruppen von Menschen darf in Deutschland keinen Platz haben."

Klare Worte fand Schulz Richtung AfD: "Die Rechtspopulisten sind keine Alternative für Deutschland - sie sind eine Schande für Deutschland"", rief Schulz. Den "Feinden der Freiheit" und der Demokratie sagte er unter tosendem Applaus im Saal den Kampf an.

Tina Hassel @TinaHassel
#Schulz zu #AfD: wer freie Presse ausschließt wenn sie kritisch berichtet legt Axt an Wurzeln #Demokratie Egal ob #Trump oder #Pegida #SPD

"Ich will der nächste Kanzler werden"

Er bewerbe sich um den Vorsitz "der ältesten Partei in diesem Lande", die Diktaturen und Kriege überlebt habe. Der Kampf für Freiheit und Demokratie in Deutschland werde seit mehr als 150 Jahren symbolisiert durch die drei Buchstaben SPD. Er trete mit einem klaren Anspruch an: Wahlsiege im Saarland, in Schleswig-Holstein, in Nordrhein-Westfalen, und: "Wir wollen, dass die SPD die stärkste politische Kraft nach der Bundestagswahl wird. Schulz beendete seine gut einstündige Rede mit dem Satz: "Ich will der nächste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden." Dafür würde er gefeiert mit langanhaltendem Applaus und "Jetzt-gehts-los-Rufen".

Schulz soll im Anschluss offiziell zum Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel und zum neuen Vorsitzenden der SPD gewählt werden. Es wird mit einer überwältigenden Zustimmung gerechnet.

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Die Kanzlerkandidaten der SPD

Kurt Schumacher (SPD)

Bei der Wahl zum ersten Bundestag 1949 trat die SPD mit Kurt Schumacher an der Spitze an. Er hatte den Wiederaufbau der SPD nach 1945 maßgeblich mitgestaltet. Während der Zeit des Nationalsozialismus war er viele Jahre als politischer Häftling in Konzentrationslagern eingesperrt. Mit Schumacher erreichte die Partei 29,2 Prozent und landete knapp hinter der Union auf Platz zwei, die 31 Prozent erzielte. Das Bild zeigt Schumacher Ende 1946 in einem Londoner Hotel.

Die Schulz-Krönung findet im hippen Veranstaltungszentrum Arena an der Spree mitten in Berlin statt. Der Parteitag ist ganz auf den 61-Jährigen zugeschnitten. Schulz ist seit der erfolglosen Kanzlerkandidatur von Rudolf Scharping im Jahr 1994 der erste SPD-Politiker, der beim ersten Anlauf auf das Kanzleramt Parteivorsitz und Spitzenkandidatur vereint. Absolute Machtfülle für Schulz - die Ämtertrennung hatte sich in vergangenen Wahlkämpfen als nachteilig erwiesen.

Ein Interview mit Martin Schulz sendet das Erste heute um 18.30 Uhr in der Sendung "Farbe bekennen".

"Krönungsmesse": Schulz wird zur Nummer 1 in der SPD
V. Schaffranke, ARD Berlin
17.03.2017 22:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. März 2017 um 15:00 Uhr.

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