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Schuldneratlas 2017 Immer mehr Deutsche sind verschuldet

Stand: 09.11.2017 17:01 Uhr

Zum vierten Mal in Folge ist die Zahl der verschuldeten Menschen in Deutschland gestiegen. 6,9 Millionen sind es momentan laut neuem Schuldneratlas. Bremerhaven liegt dabei ganz vorne: Hier sind besonders viele überschuldet.

Trotz der guten konjunkturellen Entwicklung ist die Zahl überschuldeter Privatleute in Deutschland in diesem Jahr erneut leicht gestiegen. Mit 6,9 Millionen waren zum Stichtag am 1. Oktober rund 65.000 und damit 0,9 Prozent mehr Menschen deutlich in den roten Zahlen als 2016, wie aus dem neuen Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervorgeht. Die Überschuldungsquote blieb mit 10,04 Prozent dagegen unverändert, weil die Bevölkerung durch Zuwanderung zuletzt spürbar gestiegen ist.

"Obwohl es uns in Deutschland gut geht, geht es vielen schlecht", bilanzierte Creditreform-Aufsichtsrat Helmut Rödel den vierten Anstieg der Überschuldungszahlen in Folge. Auch für das kommende Jahr rechnet die Creditreform mit einer weiteren Zunahme.

Dabei ist Überschuldung längst nicht mehr allein ein Problem der Deutschen mit geringem Einkommen. Im Gegenteil: In diesem Jahr stammten laut Bericht praktisch alle neuen Überschuldungsfälle aus der Mittelschicht.

Zunahme prekärer Beschäftigung

Ein Verbraucher gilt laut Creditreform als überschuldet, wenn seine zu leistenden Gesamtausgaben höher sind als seine Einnahmen und er über einen längeren Zeitraum seinen Zahlungsverpflichtungen "mit hoher Wahrscheinlichkeit" nicht nachkommen kann. Das gilt laut Schuldneratlas für 7,61 Prozent der Frauen über 18 Jahren und für 12,59 Prozent der Männer in Deutschland.

Einen der wesentlichen Gründe für die wachsende Überschuldung trotz positiver Wirtschaftslage sieht Creditreform in der Zunahme geringfügiger und befristeter Beschäftigungsverhältnisse. "Prekäre Beschäftigung und damit oft verbundene Einkommensarmut bleiben gerade bei den Menschen konzentriert, die ohnehin als überdurchschnittlich überschuldungsgefährdet gelten können. Dazu gehören junge und insbesondere ältere Menschen", heißt es in dem Bericht.

Gestiegene Miet- und Energiekosten

Auch müssten viele Menschen inzwischen so viel Geld für ihre gestiegenen Miet- und Energiekosten zahlen, dass sie an den Rand der Armutsgrenze kommen. Allein in den Großstädten liege die Mietbelastung für rund 40 Prozent der Haushalte bei einem Anteil von über 30 Prozent des jeweiligen Nettoeinkommens.

Diese Belastungsquote halten Sozialexperten für gefährlich, weil dann nur noch relativ wenig Geld für sonstige Ausgaben zur Verfügung steht. Die Zahlen der Creditreform bestätigen dies: Überschuldete haben demnach eine durchschnittliche Mietbelastungsquote von sogar 46 Prozent. Gerade Regionen mit vergleichsweise hoher Arbeitslosigkeit sind daher von Überschuldung ihrer Bürger betroffen.

Die höchste Schuldnerquote wiesen in diesem Jahr überwiegend Städte in Nord- und Westdeutschland auf - angeführt von Bremerhaven, Wuppertal, Pirmasens, Herne und Gelsenkirchen. Die wenigsten Schulden hatten die Menschen in Eichstätt (Oberbayern), Erlangen, Schweinfurt und im Landkreis Straubing-Boden (Niederbayern).

Immer mehr Familien von Schulden betroffen
Jörg Marksteiner, WDR
09.11.2017 18:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. November 2017 um 15:40 Uhr.

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