Roman Herzog | Bildquelle: dpa

Trauer um Ex-Bundespräsident Herzog "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen"

Stand: 10.01.2017 15:06 Uhr

In Erinnerung bleiben wird wohl immer jene Rede, in der Roman Herzog als Bundespräsident tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen anmahnte. Doch er war auch das erste deutsche Staatsoberhaupt, das Auschwitz besuchte. In der Nacht starb Herzog im Alter von 82 Jahren.

Von Katja Strippel, ARD-Hauptstadtstudio

"Wenn ich mir mein Leben so anschaue, es war immer wieder ein glücklicher Zufall oder irgendjemand, der mir einen Tritt gegeben hat oder eine Chance gegeben hat."

Und diese Chancen hat Roman Herzog genutzt. Als junger Juraprofessor, als baden-württembergischer Kultusminister, als Innenminister und als Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Und natürlich als Bundespräsident, der seinen Gegnern nach der Wahl 1994 zurief: "Ich werde mich bemühen, das Amt so zu führen, dass Sie es am Ende bereuen, mich nicht gewählt zu haben."

Roman Herzog mit 82 Jahren gestorben
nachtmagazin 01:15, 11.01.2017, Oliver Köhr, ARD Berlin

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Drei Wahlgänge bis ins Schloss Bellevue

Drei Wahlgänge hatte er gebraucht; und war auch nur die zweite Wahl des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl. Der musste seinen Lieblingskandidaten, den sächsischen Justizminister Steffen Heitmann, zurückziehen. Und zwar unter anderem, weil Heitmann die Idee eines europäischen Bürgers als "intellektuelle Spinnerei" bezeichnet hatte. Solche Sätze wären Roman Herzog nie über die Lippen gekommen, er hatte ein feines Gespür für Nuancen. "Meine Söhne haben mich mal gefragt: Was ist der Unterschied zwischen intellektuell und intelligent? Und ich habe wahrheitsgemäß erwidert: Das ist der gleiche Unterschied wie der zwischen Primaten und Primanern."

"Durch Deutschland muss ein Ruck gehen"

Roman Herzog ist allerdings auch als Erfinder der "Ruck-Rede" in die Geschichte eingegangen. 1997, da war er schon drei Jahre Bundespräsident, redete er Klartext: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen, wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen - die Großen mehr, die Kleinen weniger. Aber es müssen auch alle mitmachen."

Der große Ruck blieb aber erst einmal aus, was Einige enttäuscht zur Kenntnis nahmen. Seinen Kritikern sagte Herzog Jahre später: "Ich habe ja nicht behauptet, dass Regierung und Opposition auf einmal einen großen Ruck machen müssen zwischen Dienstag und Donnerstag. Dass die Fragen, die vor uns liegen, dass das 1000 oder 2000 Fragen sind, die man halt nacheinander abarbeiten muss, das war mir klar."

Reaktionen auf den Tod Roman Herzogs
tagesschau 14:00 Uhr, 10.01.2017, Oliver Köhr, ARD Berlin

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Erster Bundespräsident in Auschwitz

Eine zweite Amtszeit kam für den gebürtigen Landshuter nie in Frage. Er schaffte innerhalb der fünf Jahre im Schloss Bellevue ein Pensum, das für andere locker für eine zweite Amtsperiode gereicht hätte. Herzog war der erste deutsche Bundespräsident, der nach Auschwitz reiste; und zum 50. Jahrestag des Warschauer Aufstands die Polen um Vergebung bat: "Heute verneige ich mich vor den Kämpfern des Warschauer Aufstands, wie vor allen polnischen Opfern des Krieges. Ich bitte um Vergebung für das, was Ihnen von Deutschen angetan worden ist."

Anwalt der Bürger

Herzogs Frau Christiane starb nur ein Jahr nach seinem Abschied aus Schloss Bellevue. In zweiter Ehe war er mit Alexandra Freifrau von Berlichingen verheiratet, einer Nachfahrin jenes Götz von Berlichingen, den Goethe durch sein Theaterstück unsterblich gemacht hat. Mit Goethe und Schiller kannte sich Herzog aus. Er holte die Klassiker gerne vom Sockel herunter, zum Beispiel Schillers Wilhelm Tell: "Ich neige dazu, den deutschen Geistesriesen Heinz Erhard zu zitieren: Da riefen alle 'Bravo Tell, jetzt gehen wir einen heben, gell!'"

Humorvoll und unverkrampft, das war typisch Roman Herzog. Ein Anwalt der Bürger, mit der perfekten Balance zwischen Zurückhaltung und Einmischung, Neutralität und Parteinahme. Wie sich das für einen guten Bundespräsidenten gehört.

Zum Tode Roman Herzogs
K. Strippel, ARD Berlin
10.01.2017 11:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Januar 2017 um 10:00 Uhr.

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