Presseschau zum Rücktritt des Papstes "Gut, dass er geht" oder "mutige Entscheidung"?

Stand: 12.02.2013 09:56 Uhr

Der Rücktritt des Papstes dominiert die Kommentare der deutschen Zeitungen. Von einer "mutigen Entscheidung" eines "brillianten Glaubenserklärers" und "souveräner Bescheidenheit" schreiben die einen. Andere sind kritischer: Der Pontifex habe "keine Zeichen der Erneuerung" gesetzt und es sei "gut, dass dieser Papst weg ist".

Die "Neue Ruhr Zeitung" aus Essen hat Respekt für die Entscheidung des Papstes:

"Benedikt der XVI., oft unterschätzt, viel verleumdet, hat die Welt verblüfft. Seine überraschende Entscheidung ist mutig. Vor allem ist sie zutiefst menschlich. Da sagt einer der mächtigsten Männer der Welt: Ich schaffe es nicht mehr. Davor kann man nur Hochachtung empfinden."

Der "Mannheimer Morgen" kritisiert hingegen:

"Benedikt hat es nicht geschafft, aus seinem Pontifikat eine Ära werden zu lassen. An Reformen wagte sich der brillante Theologe nicht heran. Die Chance zur Annäherung an die protestantischen Kirchen ließ ausgerechnet der deutsche Papst ungenutzt."

Papst Benedikt XVI. gibt überraschend seinen Rücktritt bekannt
ARD-Morgenmagazin, 12.02.2013, Ellen Trapp, ARD Rom

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.


Die "Westdeutsche Zeitung" meint:

"Ratzinger setzte keine Zeichen der Erneuerung. Dabei hätten gerade die Glaubensbrüder in Deutschland angesichts von Skandalen und Austrittswellen seiner Hilfe bedurft. Aber Ratzinger war weder im Missbrauchsskandal noch auf der Suche nach Antworten auf eine sich verändernde Gesellschaft eine Stütze für die deutschen Bischöfe."

Die "Südwest Presse" kritisiert ebenfalls das Kirchenoberhaupt:

"Nach seinem charismatischen, aber mitunter auch chaotischen Vorgänger sollte er Struktur in die kirchliche Verwaltung bringen und die Weltkirche in ruhigere Fahrwasser führen. Der Wunsch ist nicht aufgegangen. Papst Benedikt XVI. gelang es nicht, die katholische Kirche auf einen Kurs zu führen, der offen ist für die Moderne."

Die "taz" aus Berlin freut sich über den Rücktritt:

"Gut, dass dieser Papst weg ist. Denn nichts ist gut. An der Aufarbeitung der zahllosen sexuellen Gewaltverbrechen innerhalb seiner eigenen Institution zeigte der Stellvertreter Gottes so wenig Interesse wie an einer Auseinandersetzung mit der faschistoiden Organisation Opus Dei. - Ob beim Thema Frauen, Homosexuelle, Vergewaltigung, also insgesamt beim Thema Menschenrechte: Reaktionärer als dieser Papst kann man sich kaum äußern."

Dagegen meint das "Hamburger Abendblatt", der scheidende Papst werde zu Unrecht einseitig negativ dargestellt:

"Der Theologe ist ein brillanter Glaubenserklärer - ausgerechnet in einem glaubensentwöhnten Land erobern seine Bücher die Bestseller-Listen."

Die "Bild" kommentiert:

"Noch nie war Benedikt XVI. so stark wie in seinem schwächsten Moment."

Die "Frankfurter Neue Presse" meint:

"Kein Wunder, dass die Ankündigung seines Rücktritts nicht nur die Kirche selbst aufwühlt, sondern auch den Rest des Globus elektrisiert. Man muss ein paar Jahrhunderte zurückblicken, um einen vergleichbar dramatischen Schritt zu entdecken - auch das mag belegen, wie sehr die Kirche dem hektischen Taktschlag des Internet-Zeitalters eine Art Zeitlosigkeit entgegensetzt."

Die "Braunschweiger Zeitung" lobt den Entschluss des Papstes:

"Die souveräne Bescheidenheit zeichnet auch Benedikts Rücktritt aus. Da entschied er anders als sein Vorgänger Johannes Paul II., der leidend ausharrte bis zum Tod. ... Das Amt ist wichtig, nicht ich, lautet die Botschaft. Eine Geste, der auch seine Gegner Respekt zollen werden."

Die "Berliner Zeitung" spekuliert über einen möglichen Nachfolger:

"Es wäre überfällig, dass ein Nichteuropäer zum Oberhaupt der Katholiken gewählt würde, einer, der die vielen Millionen Gläubigen in den Ländern der so genannten Dritten Welt repräsentiert. In diesem Sinne ist Benedikts Rücktritt eine Chance. Dass es zu einer Erneuerung kommt, ist jedoch unwahrscheinlich. Dafür hat Benedikt schon mit seiner Personalpolitik gesorgt. Das Kollegium der Kardinäle, das seinen Nachfolger wählt, ist derzeit sehr konservativ, europäisch und vor allem italienisch. Auch das ist sein Vermächtnis."

Darstellung: