Eine OP-Schwester zieht sich vor ihrer Arbeit im OP Handschuhe an | Bildquelle: picture alliance / dpa

Papier des Gesundheitsministeriums Kampf gegen Krankenhaus-Keime

Stand: 11.01.2017 05:32 Uhr

Anfang des Jahres war die Kieler Uniklinik betroffen: 31 Patienten infizierten sich mit einem multiresistenten Keim. Bis zu 15.000 Menschen sterben jährlich in Kliniken an Keimen. Gesundheitsminister Gröhe will jetzt mit einem Zehn-Punkte-Plan die Gefahr bannen.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe will mit einem Zehn-Punkte-Plan gegen die wachsende Gefährdung von Patienten durch multiresistente Krankenhaus-Keime vorgehen. Das Papier muss noch mit den Ressorts abgestimmt werden.

Hermann Gröhe im Bundestag | Bildquelle: dpa
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Setzt auf einen Zehn-Punkte-Plan gegen Keime: Minister Gröhe

Demnach ist vorgesehen, die Meldepflichten beim Auftreten besonders gefährlicher Keime zu verschärfen. Alle Krankenhäuser sollen zudem verpflichtet werden, Risikopatienten bei Aufnahme ins Krankenhaus auf multiresistente Erreger zu untersuchen und bis zum Ausschluss einer Infektion zu isolieren. Gröhe prüft zudem, Patienten vor geplanten Behandlungen verpflichtend auf multiresistente Erreger zu testen, damit sie diese nicht ins Krankenhaus einschleppen.

Mehr Hygiene

Die Kliniken sollen auch verpflichtet werden, regelmäßig Informationen über die Hygienestandards im Haus zu veröffentlichen - und zwar in einer Sprache, die von den Patienten auch verstanden wird. Für die Ärzte und das Pflegepersonal im Krankenhaus aber auch in den Arztpraxen soll es verpflichtende Fortbildungen geben. Geld steht dafür bereit: Mit einem Hygiene-Förderprogramm in Höhe von 365 Millionen Euro werden die Kliniken bereits dabei unterstützt, bis 2016 notwendiges Hygienepersonal einzustellen sowie Ärzte und Pflegekräfte auf dem Gebiet der Krankenhaushygiene weiterzubilden.

Klinik-Keime- normalerweise harmlos

Die meisten Keime, die Infektionen in Krankenhäusern verursachen, sind normalerweise harmlos. Es sind Bakterien, mit denen viele Menschen besiedelt sind. Für immungeschwächte Menschen können sie jedoch zur Gefahr werden. Etwa 90 Prozent der Krankenhausinfektionen rühren von Keimen her, die mit einem Antibiotikum wirksam bekämpft werden können. Problematisch sind allerdings jene Erreger, die Resistenzen entwickelt haben. Das geschieht vermutlich unter anderem, weil Antibiotika in der Tiermast, aber auch bei Menschen zu häufig und nicht zielgenau verabreicht werden. Dadurch werden Antibiotika-empfindliche Bakterien abgetötet, während die Antibiotika-resistenten sich umso konkurrenzloser vermehren können. Einige Erreger sind gegen eine einzelne Klasse von Antibiotika unempfindlich geworden, immer mehr aber gleich gegen mehrere Klassen. Damit stehen immer weniger Mittel zur Bekämpfung zur Verfügung. Die Entwicklung neuer Antibiotika hinkt dem bislang hinterher.

Weniger Antibiotika

Das Gröhe-Ministerium geht davon aus, dass sich die Gefahr durch resistente Keime weiter erhöhen wird. Gründe dafür seien die zunehmend älteren und damit anfälligeren Patienten, die steigende Zahl komplizierter Eingriffe sowie die zunehmende Zahl gefährlicher Erreger. Auch der wachsende Einsatz von Antibiotika spielt demnach eine Rolle. Der Verbrauch soll daher besser kontrolliert werden. Zugleich soll die Pharmaindustrie zur Entwicklung neuer Antibiotika ermuntert und Hindernisse beseitigt werden.

Acinetobacter
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Der Keim Acinetobacter baumannii.

Die Bundesärztekammer lobte Gröhes Vorhaben prinzipiell. Präsident Frank-Ulrich Montgomery forderte in der ARD allerdings Ergänzungen: "Wir vermissen konkrete Vorschläge zur Finanzierung, wir vermissen konkrete Vorschläge, wie man Institute für Krankenhaus-Hygiene aufbaut und wie man das hinterher in den Krankenhäusern finanziert."

Keim in Kieler Uniklinik

Nach Angaben der Regierung kommt es pro Jahr im Zuge von medizinischen Behandlungen zu 400.000 bis 600.000 Infektionen. Ein Drittel davon gelten als vermeidbar. 10.000 bis 15.000 Menschen sterben, weil sie sich mit Keimen infiziert haben, gegen die kein Medikament hilft. Zuletzt machte die Uniklinik Kiel (UKSH) Schlagzeilen wegen multiresistenter Keime. Ein Patient hatte den Keim eingeschleppt. Er sei zwar auf Keime untersucht worden, wegen einer Notoperation konnte die Klinik das Ergebnis aber nicht abwarten, teilte das UKSH rückblickend mit. 31 Patienten wurden mit der multiresistenten Formen des Keims Acinetobacter baumannii infiziert, mehrere starben.

Der in Kiel nachgewiesene Keim ist weltweit verbreitet. Er stimmt mit einem Stamm überein, der erstmals 2009 im Raum Dortmund sowie 2010 und 2011 im Raum Köln jeweils bei mehreren Patienten nachgewiesen wurde.

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