Pilotebn im Flugzeug | Bildquelle: dpa

Nach Germanwings-Absturz Grüne sehen Versäumnisse bei Piloten-Gesundheitschecks

Stand: 07.04.2017 12:18 Uhr

Bei den Piloten-Gesundheitschecks gibt es nach Grünen-Angaben noch diverse Mängel. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt. Auch bereits beschlossene Vorhaben scheinen zu dauern.

Bei der gesundheitlichen Überprüfung von Piloten gibt es offenbar noch diverse Mängel. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervor, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt.

Zwei Fliegerarzt -Stellen unbesetzt

Demnach seien zurzeit zwei von sechs Fliegerarzt-Stellen im Luftfahrtbundesamt unbesetzt. Auch eine elektronische flugmedizinische Datendank ist bisher noch nicht im Einsatz, sie soll aber "in Kürze" in Betrieb gehen, so heißt es in der Regierungsantwort. Für die Beschaffung der hierfür notwendigen Software war eine zeitintensive, europaweite öffentliche Ausschreibung erforderlich, heißt es weiter.

Verdachtsunabhängige Kontrollen zur Überprüfung der Dienstfähigkeit der Piloten laufen erst seit dem 1. Januar 2017 und verliefen bisher alle "unauffällig“, hieß es der Regierung zufolge weiter. Die Ergebnisse der Evaluierung der Zwei-Personen Regelung für das Cockpit liegen noch nicht vor.

Grüne sprechen von schweren Versäumnissen

Die Grünen werfen der Regierung schwere Versäumnisse vor. Deren Verkehrsexperte Stephan Kühn sagte: "Auch zwei Jahre nach dem tragischen Germanwings-Flugzeugabsturz in den französischen Alpen ist das Luftfahrt-Bundesamt noch immer nicht in der Lage, Flugtauglichkeitsuntersuchungen nachzuprüfen. Das ist nicht nur ein Software-, sondern vor allem ein Personalproblem: zu wenig Mitarbeiter und unverändert unbesetzte Stellen." Es sei also kein Wunder, dass Vorort-Kontrollen von flugmedizinischen Sachverständigen und flugmedizinischen Zentren, trotz extra dafür geänderter Rechtslage bisher nicht stattgefunden hätten.

Dass Verkehrsminister Alexander Dobrindt die Beantwortung der Kleinen Anfrage über den Jahrestag des Unglücks hinaus verzögert habe, so Kühn, war "ein billiger Versuch, die Versäumnisse seiner Behörde unterm Deckel zu halten.“

Der Ko-Pilot hatte den Ermittlungen zufolge eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen bewusst zerschellen lassen. 150 Menschen starben. Später wurde bekannt, dass der Ko-Pilot eine psychische Erkrankung hatte, aber trotzdem eine Flugerlaubnis bekam.

Schwere Mängel bei Gesundheitschecks von Piloten?
D. Bauer, ARD Berlin
07.04.2017 16:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. April 2017 um 07:15, 08:15 und 09:15 Uhr in den Nachrichten.

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