Eine Pflegerin hilft einer Frau | Bildquelle: dpa

Report der AOK Pflegende Angehörige nutzen Angebote kaum

Stand: 07.03.2016 15:33 Uhr

Die Angebote der gesetzlichen Kassen zur Unterstützung pflegender Angehöriger werden bislang wenig genutzt. Zu den häufigsten Gründen zählt, dass Pflegebedürftige nicht von Fremden gepflegt werden wollen. Oft sind auch die Anträge zu kompliziert.

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Die Belastung ist enorm: Job, Partnerschaft, Kinder und eine kranke Mutter - rund zwei Millionen Deutsche pflegen einen Angehörigen. Es sei eine Mammutaufgabe, die zum Großteil Frauen leisten, sagt die Gesundheitsexpertin Adelheid Kuhlmey von der Berliner Charité. Zum einen fordert sie, dass sich Männer mehr einbringen. "Zum anderen wird es immer wieder so sein, dass trotz gesetzlich verankerter Unterstützung der Pflegearbeit es auch weiterhin schwierig ist, Familie, Beruf und die Pflegehilfe unter einen Hut zu bringen."

Zumal der AOK-Pflegereport zeigt: Die meisten Angehörigen kennen zwar die Hilfsangebote der Pflegeversicherung, nutzen sie aber nicht. Fast jeder Dritte sagt: Ich bräuchte mehr Unterstützung. Doch meist scheitert es daran, dass die kranke Mutter oder der Vater sagen: Ich möchte nicht von Fremden betreut werden.

Ergebnisse des AOK-Pflegereports 2016
tagesschau24 14:15 Uhr, 07.03.2016, Justus Kliss, RBB

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Professionelle und ehrenamtliche Hilfe

Es sei ein Spagat, der ein Umdenken nötig mache, sagt Studienautorin Antje Schwinger: "Es sollte zur Normalität werden können, dass die familiäre Pflege unterstützt wird durch professionelle und ehrenamtliche Unterstützung, wenn hier Bedarf besteht."

Der Bedarf ist riesig: Fast 2,7 Millionen Deutsche sind auf Hilfe angewiesen, mit seit Jahren steigender Tendenz. Fast 65 Prozent werden zu Hause versorgt, ohne dass ein Pflegedienst hilft.

Doch auch in den anderen Fällen unterstützen fast immer Angehörige, so AOK-Bundesvorstand Martin Litsch: "Der Alltag richtet sich nach der Pflege und nach den Bedürfnissen der Pflegenden - wann ich morgens aufstehe, wie ich das mit meiner Arbeitsstelle organisiere, das Wochenende gestalte, den Urlaub etc. Alles ist dem untergeordnet. Man weiß nicht wie lange."

Herbert Möller, Deutsche Stiftung Patientenschutz, zum AOK-Pflegereport
tagesschau24 14:15 Uhr, 07.03.2016

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Große Zufriedenheit mit Hilfsangeboten

Schnell entsteht so ein Alltag, in dem sich die Pflegenden überlastet fühlen. Die AOK, bei der fast jeder zweite Pflegebedürftige versichert ist, will mehr über Unterstützungsangebote informieren. Sie fordert zudem, dass Gesetze vereinfacht werden. Oft seien die Anträge zu kompliziert. Wer sich Hilfe holt, fährt damit übrigens gut: Fast 90 Prozent der Angehörigen sind mit der Arbeit des ambulanten Pflegedienstes zufrieden, die Betroffenen selbst zu 85 Prozent.

Die Zahlen würden Mut machen, sagt die Wissenschaftlerin Kuhlmey. Denn Pflege müsse ein Mix aus professioneller und privater Hilfe bleiben: "Das Gesundheitsrisiko Nummer eins einer alternden Bevölkerung heißt Pflegebedürftigkeit."

Die ist auf Dauer nur zu bezahlen, wenn Familien weiterhin die Hauptlast tragen. Setzt man nur den Mindestlohn für die Angehörigen an, würde ihre Arbeit 37 Milliarden Euro im Jahr kosten. Die Pflegeversicherung selbst nimmt aber gerade einmal 26 Milliarden ein.

Angebote bekannt, aber zu selten genutzt
M. Mair, ARD Berlin
07.03.2016 14:52 Uhr

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