Zschäpe | Bildquelle: AFP

NSU-Prozess Bundesanwalt fordert lebenslang für Zschäpe

Stand: 12.09.2017 11:36 Uhr

Im NSU-Prozess hat die Bundesanwaltschaft eine lebenslängliche Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe gefordert. Zschäpe sei für ihr Verhalten "in vollem Umfang strafrechtlich verantwortlich", sagte Bundesanwalt Diemer.

Die Bundesanwaltschaft hat im NSU-Prozess für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen zehnfachen Mordes gefordert. Außerdem solle bei ihr eine besondere Schwere der Schuld festgestellt und Sicherungsverwahrung angeordnet werden. Das sagte Bundesanwalt Herbert Diemer vor dem Oberlandesgericht München. Für jeden einzelnen Mord sei diese Strafe fällig, sagte Diemer in seinem Plädoyer. "Die Angeklagte ist für ihr Verhalten in vollem Umfang strafrechtlich verantwortlich", so der Bundesanwalt. Die 42-Jährige verfolgte seine Worte ohne erkennbare Regung, das Kinn auf die Hände gestützt.

Holger Schmidt @terrorismus
Bundesanwalt Diemer zu Beate #Zschäpe: "Sie hat sich nie selbst die Finger schmutzig gemacht, aber alles mitgeplant und gewusst" #NSU

Anklage: Mittäterschaft an allen Verbrechen des NSU

Die Anklage wirft Zschäpe Mittäterschaft an allen Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" vor: den neun Morden an türkisch- und griechischstämmigen Gewerbetreibenden, dem Mord an einer deutschen Polizistin, zwei Bombenschlägen in Köln mit zum Teil Dutzenden Verletzten sowie zahlreichen Raubüberfällen.

Anklage fordert im NSU-Prozess lebenslänglich für Zschäpe
tagesschau 14:00 Uhr, 12.09.2017, Alf Meier, BR

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Zschäpe sei zwar den Ermittlungen zufolge nicht selbst an den Tatorten anwesend gewesen, jedoch wegen ihres Wirkens im Hintergrund mitverantwortlich für die Taten ihrer beiden Gefährten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die sich das Leben nahmen.

Diemer äußerte sich während seines Plädoyers zunächst nicht dazu, ob er eine besondere Schwere der Schuld oder einen Grund für eine Sicherungsverwahrung Zschäpes sieht. In diesen Fällen wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.

"Ein Drittel eines verschworenen Triumvirats"

Zschäpe habe mit ihren Komplizen Mundlos und Böhnhardt die fanatische nationalsozialistische Gesinnung geteilt und daran mitgewirkt, Zuwanderer durch willkürliche Morde in Angst und Schrecken zu versetzen, hatte die Bundesanwaltschaft in ihrem Plädoyer argumentiert. Dabei habe sie Willen zur "Tatherrschaft" gezeigt und habe "ein Drittel eines verschworenen Triumvirats" gebildet.

Vier weitere Angeklagte

Das Plädoyer der Anklage hatte schon vor der Sommerpause begonnen, nach mehr als vier Jahren Prozessdauer. Ebenfalls angeklagt sind vier mutmaßliche Helfer und Unterstützer der Terrorgruppe. Nach der Bundesanwaltschaft sind in den kommenden Wochen die Nebenkläger mit ihren Plädoyers an der Reihe, anschließend die Verteidigung. Mit einem Urteil in dem Mammutprozess wird in einigen Monaten gerechnet.

Christoph Arnowski, BR, zur Begründung der Anklage
tagesschau 12:00 Uhr, 12.09.2017

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Über dieses Thema berichtete am 12. September 2017 tagesschau24 um 10:00 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.

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