Beate Zschäpe und Mathias Grasel  | Bildquelle: AFP

NSU-Prozess wird fortgesetzt Zeit für Antworten

Stand: 12.01.2016 02:55 Uhr

Anfang Dezember hatte sich Zschäpe im NSU-Prozess erstmals geäußert. Doch ihre schriftliche Einlassung überzeugte das Gericht nicht. Nach der Prozesspause will Zschäpe-Anwalt Grasel auf 50 Nachfragen antworten. Doch Zweifel dürften bleiben.

Von Tim Aßmann, BR

Es ist der 253. Verhandlungstag und im Mittelpunkt sollen heute, morgen und übermorgen Antworten stehen. Zuerst wird voraussichtlich Beate Zschäpe antworten - beziehungsweise antworten lassen. Zschäpe-Verteidiger Mathias Grasel teilte mit, er könne im Namen seiner Mandantin die schriftlichen Antworten auf die mehr als 50 Fragen verlesen, die das Gericht Grasel vor der Weihnachtspause diktiert hatte.

Der Fragenkatalog machte deutlich, dass Zschäpes schriftliche Erklärung Anfang Dezember dem Gericht zu oberflächlich war. Es will von der Hauptangeklagten unter Anderem mehr über mögliche NSU-Unterstützer sowie über Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt wissen, zum Beispiel über deren Gewaltbereitschaft und politische Einstellung. Auch zum Verhältnis zwischen Zschäpe und den beiden Männern stellte das Gericht mehrere Fragen.

Die Erklärung der Hauptangeklagten habe hier vieles offen gelassen, sagt Nebenklage-Anwältin Doris Dierbach. Was Zschäpe berichtet habe, gleiche einen Stummfilm. "Danach hat es ja kaum Gespräche über die Dinge gegeben, die die beiden Männer so tagsüber veranstaltet haben. Man muss ja immer sehen, dass das immerhin 13 Jahre Untergrund waren. Das kann nicht so gewesen sein", sagt Dierbach.

Mira Barthelmann, BR, zur Fortsetzung des NSU-Prozesses
tagesschau 12:00 Uhr, 12.01.2016

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Zweifel an Zschäpes Glaubwürdigkeit

Unglaubwürdig. So beurteilen viele Prozessbeteiligte die Zschäpe-Erklärung und eine Überprüfung der Angaben erschwert die 41-Jährige dadurch, dass sie Fragen bisher nur schriftlich beantworten will. Das entwerte Zschäpes Aussage, findet Rechtsanwalt Yavuz Narin, der Angehörige der Münchner Opfer der Mordserie im Prozess als Nebenkläger vertritt. "Wenn solche Fragen nicht spontan beantwortet werden, dann wird sich das auf die Glaubhaftigkeit der Antworten auswirken. Das wird der Senat bei seiner Würdigung entsprechen berücksichtigen müssen", sagt er.

Der Angeklagte Ralf Wohlleben antwortet, anders als Zschäpe, selbst und er lässt im Gegensatz zu der Hauptangeklagten auch Fragen von allen Prozessbeteiligten zu. Genau wie Zschäpe streitet Wohlleben allerdings die gegen ihn erhobenen Vorwürfe weitgehend ab und gibt die Schuld an den Morden und Bombenanschlägen, die der Terrorzelle zur Last gelegt werden, anderen.

Der Angeklagte Ralf Wohlleben hat nach einem Jahr des Schweigens vor Gericht ausgesagt. Heute wollen die Richter eigene Fragen zu seiner Einlassung klären. | Bildquelle: dpa
galerie

Der Angeklagte Ralf Wohlleben streitet die Vorwürfe gegen ihn weitgehend ab.

Gewalt habe er stets abgelehnt, erklärte der Ex-NDP-Funktionär in seiner Aussage vor Gericht im Dezember vergangenen Jahres. Daran zweifelt nicht nur Opferanwalt Stephan Kuhn: "Diese gänzliche Ablehnung von Gewalt seitens Herrn Wohllebens, halte ich für absolut nicht glaubwürdig." Wohlleben wird voraussichtlich ab morgen Fragen beantworten.

Wer besorgte die Ceska-Pistole?

Schon vorher steht in einem zentralen Punkt Aussage gegen Aussage. Der Mitangeklagte und Kronzeuge Carsten S. hatte kurz nach Prozessbeginn im Mai 2013 die Beschaffung jener Ceska-Pistole gestanden, mit der neun von zehn Morden begangen wurden, die dem NSU zur Last gelegt werden. Wohlleben habe den Waffenkauf in Auftrag gegeben und finanziert, erklärte Carsten S. damals. Wohlleben streitet das aber ab. Deshalb wird sich wohl auch Carsten S. noch einmal Fragen stellen müssen, sagt dessen Verteidiger Johannes Pausch.

Das Gericht muss auch noch über einen weiteren Entpflichtungsantrag von Zschäpe gegen ihre sogenannten Altverteidiger entscheiden. Das Verhältnis zwischen der Hauptangeklagten und den Pflichtverteidigern Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm ist zerrüttet. Zschäpe hat mittlerweile zwei weitere Anwälte. Das Gericht wird ihren Antrag aber voraussichtlich erneut ablehnen um die Fortsetzung des Prozesses zu sichern.

Korrespondent

Tim Aßmann | Bildquelle: Foto Sessner Logo BR

Tim Aßmann, BR

Darstellung: