Beate Zschäpe

Ermittlungen des BKA Jüdische Einrichtungen in NSU-Adresslisten

Stand: 31.01.2017 16:38 Uhr

Synagogen, Gemeindezentren, Kulturvereine, Schulen - der NSU sammelte offenbar die Adressen von mehr als 230 jüdischen Einrichtungen in ganz Deutschland. Dies legt eine Auflistung des BKA nahe, die im Münchner NSU-Prozess Thema war.

Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) sind in den Hinterlassenschaften des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) auf Adressen von 233 jüdischen Einrichtungen gestoßen. Das geht aus einem Vermerk des BKA hervor, der im Münchner NSU-Prozess verlesen wurde.

Das BKA hatte die Liste auf Wunsch des Gerichts nachermittelt. Anlass dafür war die Aussage eines Berliner Wachmanns Ende des vergangenen Jahres. Er hatte ausgesagt, er habe die Hauptangeklagte Beate Zschäpe und ihren mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos am 7. Mai 2000 - ein halbes Jahr vor dem ersten NSU-Mord in Nürnberg - in einem Café unmittelbar neben der Synagoge an der Rykestraße im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg gesehen. Er habe auch bemerkt, dass dabei Stadtpläne oder Landkarten begutachtet worden seien. Laut BKA-Vermerk befindet sich auch die Synagoge an der Rykestraße auf der Liste.

Ungeklärt ist bisher, ob es bei dem Treffen in dem Berliner Café um die Ausspähung eines Anschlagsziels ging. Neben Zschäpe und Mundlos sollen noch ein weiterer Mann und eine weitere Frau daran teilgenommen haben, deren Identität bisher nicht feststeht.

Insgesamt mehr als 10.000 Anschriften

Die Datenbanken des NSU waren schon mehrfach Thema im NSU-Prozess. Insgesamt umfassen sie mehr als 10.000 Adressen. Neben den jetzt herausgefilterten Anschriften von jüdischen Einrichtungen wie etwa Synagogen, Gemeindezentren, Kulturvereine und Schulen fanden sich darin auch Parteien, Kirchen und Moscheen. Zusätzlich stießen die Ermittler auf zahlreiche Ausspäh-Notizen und Stadtplanausschnitte.

Vor dem Münchner Oberlandesgericht ist Zschäpe wegen Mittäterschaft an den Morden und Sprengstoffanschlägen angeklagt, die der NSU aus überwiegend rassistischen Motiven verübt haben soll.  

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Januar 2017 um 17:00 Uhr in den Nachrichten.

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