Demonstranten in Heidenau  | Bildquelle: dpa

Besuch in Heidenau Merkel als "Volksverräterin" beschimpft

Stand: 26.08.2015 14:07 Uhr

Mit Pfiffen und Schmährufen ist Kanzlerin Merkel bei ihrem Besuch in Heidenau empfangen worden - von Hunderten rechten Demonstranten. In der sächsischen Kleinstadt besucht Merkel Flüchtlinge. Zum Auftakt verurteilte sie die gewalttätigen Proteste der vergangenen Tage.

Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht eine Flüchtlingsunterkunft in Heidenau | Bildquelle: AFP
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Bundeskanzlerin Merkel besuchte zum ersten Mal eine Flüchtlingsunterkunft.

Seit Wochen wird in Deutschland über die Flüchtlingsproblematik diskutiert. Nun, nach sich häufenden rassistischen Übergriffen, hat auch die Kanzlerin eine Flüchtlingsunterkunft besucht. Zum ersten Mal.

Im sächsischen Heidenau traf sie Bewohner einer Notunterkunft. Begrüßt wurde Angela Merkel mit Pfiffen und Buhrufen - von rechten Demonstranten. Sie skandierten "Volksverräter, Volksverräter", als Merkel an dem ehemaligen Baumarkt in Heidenau ankam. Außerdem störten Hunderte Menschen mit einem Hupkonzert den Besuch. In sozialen Netzwerken hatten rechte Gruppen zu der Aktion aufgerufen.

Danko Handrick, MDR, mit Eindrücken aus Heidenau
tagesschau 14:00 Uhr, 26.08.2015

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"Wir sind das Pack"

Gegen die Unterbringung von Flüchtlingen hatten am Wochenende die Bewohner der Kleinstadt protestiert. Am Rande einer NPD-Demonstration bewarfen etwa 600 Rechtsextreme die Polizei mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern. Bei den Ausschreitungen wurden 31 Beamte verletzt, einer schwer.

Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht die Flüchtlingsunterkunft in Heidenau | Bildquelle: dpa
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Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, DRK-Präsident Rudolf Seiters und Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz die Flüchtlingsunterkunft in Heidenau.

Das hatte Vizekanzler Sigmar Gabriel vor zwei Tagen bei seinem Besuch im Ort scharf verurteilt und die Demonstranten als "Pack" bezeichnet. Bei der Ankunft von Merkel skandierten mehrere hundert Menschen in Anlehnung an diese Formulierung "Wir sind das Pack".

Bei ihrem Besuch verurteilte die Kanzlerin Gewalt gegen Flüchtlinge und sagte: "Es gibt keine Toleranz gegenüber denen, die die Würde anderer Menschen infrage stellen". Die Proteste gegen Asylbewerber nannte sie beschämend und abstoßend.

Gauck lobt "leuchtende" Beispiele gegen "Dunkeldeutschland"

Auch Bundespräsident Joachim Gauck besuchte eine Flüchtlingsunterkunft in Berlin. Er lobte im Anschluss das "leuchtende" Beispiel der vielen freiwilligen Helfer in Deutschland. Zugleich kritisierte er die Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Heime als "Dunkeldeutschland".

Bundespräsident Gauck besucht Flüchtlingsheim in Berlin
tagesschau 12:00 Uhr, 26.08.2015

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Kabinett bringt Finanzspritze auf den Weg

Das Kabinett hat am Vormittag grünes Licht für die Aufstockung der Finanzhilfen gegeben. Laut einem Gesetzentwurf bekommen die Kommunen und Länder vom Bund in diesem Jahr eine Milliarde Euro. Ursprünglich sollte lediglich die Hälfte der Summe fließen. Um die Aufstockung zu finanzieren, werden 500 Millionen Euro, die erst 2016 überwiesen werden sollten, nun vorgezogen.

Die Unterstützung für die Kommunen dürfte in näherer Zukunft weiter aufgestockt werden. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat schon eine Erhöhung der Hilfen des Bundes auf rund drei Milliarden Euro ins Gespräch gebracht. Grund ist die massiv anwachsende Zahl an Asylbewerbern aus Krisen-Ländern wie Syrien und Afghanistan, aber auch aus Ländern des Westbalkans.

Die Bundesregierung rechnet für dieses Jahr mit bis zu 800.000 Flüchtlingen. Das wären fast vier Mal so viele wie im Vorjahr.

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