Fahndungsfoto des Polizeipräsidiums Konstanz soll einen der Lebensmittelvergiftung verdächtigten Mann zeigen. | Bildquelle: Polizeipräsidium Konstanz

Vergiftete Lebensmittel Polizei hält Festgenommenen für Supermarkt-Erpresser

Stand: 30.09.2017 09:18 Uhr

Die Polizei in Baden-Württemberg hält den im Zusammenhang mit den Supermarkt-Erpressungen Festgenommenen für dringend tatverdächtig. Die Staatsanwaltschaft will noch heute einen Haftbefehl gegen den
55-Jährigen beantragen.

Im Fall des Gift-Erpressers von Friedrichshafen hat sich der Tatverdacht gegen einen Festgenommenen erhärtet. Der am Freitagabend festgenommene Mann gilt jetzt als dringend tatverdächtig, wie die Staatsanwaltschaft Ravensburg und die Polizei in Konstanz am Morgen erklärten.

Die Staatsanwaltschaft will den 55-Jährigen noch heute dem Haftrichter vorführen und einen Haftbefehl beantragen. Zugleich rief ein Polizeisprecher die Verbraucher auf, weiterhin wachsam zu sein. Man wisse noch nicht, ob der mutmaßliche Täter weitere vergiftete Lebensmittel in Supermärkten oder Drogerien in Umlauf gebracht habe.

Die Ermittler seien nach Hinweisen aus der Bevölkerung auf den Mann aufmerksam geworden. Die Polizei hatte den Mann am Freitag in Ofterdingen (Kreis Tübingen) überprüft und festgenommen.

Mehrere Lebensmittelkonzerne bedroht

Der mutmaßliche Täter hatte in einer E-Mail an die Polizei, den Verbraucherschutz und mehrere Lebensmittelkonzerne von Mitte September damit gedroht, bis Samstag 20 vergiftete Lebensmittel in Umlauf zu bringen. Er forderte einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.

Welche Filialen und welche Produkte er ins Auge gefasst hatte, ließ der Täter offen. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung richtete sich die Erpressung gegen Aldi, Rossmann, Lidl, DM, Müller, Edeka, Norma und Rewe. Der Täter gab der Polizei aber einen Hinweis auf ein Geschäft in Friedrichshafen, wo dann fünf mit Ethylenglykol vergiftete Gläser Babynahrung gefunden wurden.

Die Polizei veröffentlichte daraufhin am Donnerstag ein Fahndungsfoto von dem Verdächtigen, dass von einer Überwachungskamera in dem Markt aufgenommen worden war.

Sie riet Kunden, auf Beschädigungen an Produktverpackungen zu achten und das Geschäft darüber gegebenenfalls zu informieren. Unter anderem sollten Kunden überprüfen, ob der normalerweise vorhandene Unterdruck vorhanden ist. Dieser lässt sich daran erkennen, dass der Deckel nach innen gewölbt und beim Öffnen ein Knacken zu hören ist.

Nach dem Fahndungsaufruf gingen bei der Polizei bundesweit Hunderte Hinweise ein. Im niedersächsischen Peine wertete die Polizei nach einem Hinweis von Drogerie-Angestellten Bilder einer Überwachungskamera aus. Anschließend gab sie Entwarnung. Ein von den Angestellten für den Verdächtigen gehaltener Mann habe in der Drogerie nur eingekauft.

Auch in Österreich und der Schweiz wurde nach dem Verdächtigen gefahndet.

Ethylenglykol ist dem Verbraucherschutzministerium Baden-Württemberg zufolge bei Erwachsenen ab einer Menge von 30 Millilitern gesundheitsgefährdend. Eine Vergiftung könne aber medizinisch gestoppt werden und müsse daher nicht tödlich sein.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. September 2017 um 09:00 Uhr.

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