Autos fahren in Stuttgart | Bildquelle: dpa

Bericht im Kabinett Klimaziele vor dem Aus

Stand: 14.12.2016 15:31 Uhr

Einst Vorreiter beim Klimaschutz - nun droht Deutschland die selbstgesteckten Ziele zu verfehlen: Die Bundesregierung räumt in einem neuen Bericht ein, dass ihre Prognosen zu zuversichtlich waren. Vor allem im Verkehrssektor wird viel zu wenig gespart.

Deutschland muss damit rechnen, seine Klimaschutzziele für das Jahr 2020 nicht zu erreichen. Das geht aus dem Klimaschutzbericht 2016 hervor, den das Bundeskabinett jetzt verabschiedet hat.

Darin räumt die Regierung ein, dass ihre Schätzungen zur Reduzierung der Emission klimaschädigender Treibhausgase wohl zu optimistisch gewesen seien. Geplant ist eigentlich, bis 2020 den Treibhausgas-Ausstoß im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken. 2015 betrug das Minus erst rund 27 Prozent.

Laut Klimaschutzbericht wird bis 2020 eine Minderung von 37 bis 40 Prozent vorausgesagt - das Bundesumweltministerium schränkt jedoch ein: "Erwartet wird eher eine Minderung am unteren Rand."

Anders ausgedrückt: Die Große Koalition wollte den Ausstoß bis 2020 um 62 bis 78 Millionen Tonnen pro Jahr drücken. Jetzt erwartet sie, dass die Minderung nur bei 47 bis 58 Millionen Tonnen liegen wird.

Autos stehen in Stuttgart (Baden-Württemberg) im Stau. | Bildquelle: dpa
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Stau in Stuttgart: Die baden-württembergische Landeshauptstadt hat oft mit einer hohen Konzentration von Feinstaub zu kämpfen.

Verkehrssektor bereitet Sorgen

Vor allem im Verkehrssektor wird nach der aktuellen Schätzung bei weitem nicht so viel eingespart wie ursprünglich vorgesehen. Statt sieben bis zehn Millionen Tonnen trägt der Verkehrsbereich voraussichtlich bestenfalls 1,6 Millionen Tonnen zur Reduzierung bei. Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang nehmen die Verkehrsemissionen seit 2010 wieder zu und überschritten im vergangenen mit knapp 164 Millionen Tonnen CO2 das Niveau des Jahres 1990.

Bereits im Jahr 2014 hatte die Regierung ein Aktionsprogramm beschlossen, um die Einsparungen doch noch zu erreichen. Dieses sah neben der Verbesserung der Energie-Effizienz vor allem in der Industrie die Ausmusterung von Kohlekraftwerken vor, die allerdings mit Milliardenbeträgen von Stromkunden finanziert wurde.

Auch eine unabhängige Expertenkommission kommt zu dem Schluss, dass Deutschland nach jetzigem Stand die nationalen Klimaziele verfehlen wird. Der Ausstoß von CO2 könne bis 2020 ohne zusätzliche Maßnahmen nicht im erhofften Umfang begrenzt werden. Auch nach der Umsetzung der Zehn-Punkte-Energie-Agenda der Bundesregierung bestehe "weiterhin erheblicher Handlungsbedarf".

Das Fazit von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks lautet: "Deutschland muss sich nach wie vor gehörig anstrengen, die selbst gesetzten Ziele zu erreichen."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. Dezember 2016 um 15:43 Uhr.

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