Bundesverdienstkreuz für Nazi-Jäger Klarsfeld "Das wichtigste war die Ohrfeige"

Stand: 20.07.2015 15:49 Uhr

Vorgeschlagen wurden Beate und Serge Klarsfeld schon oft, doch erst jetzt haben sie das Bundesverdienstkreuz erhalten. Gewürdigt wird ihr jahrzehntelanges Engagement gegen Nazis. Doch viele assoziieren sie noch immer vor allem mit einer Aktion, die nur Sekunden dauerte.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Hörfunkstudio Paris

Sie ist bereits Offizier der französischen Ehrenlegion, Israel hat sie mit der Tapferkeitsmedaille der Ghetto-Kämpfer geehrt. Nur Deutschland tat sich immer schwer mit Beate Klarsfeld; und auch sie selbst hatte das Bundesverdienstkreuz eigentlich schon abgeschrieben: "Man sagt, man ist nicht der Prophet im eigenen Land, vielleicht eines Tages, wenn ich 80 bin", sagte Klarsfeld einmal.

Auszeichnung kurz vor ihrem 80. Geburtstag

Nun ist es tatsächlich vier Jahre vor ihrem 80. Geburtstag passiert: Beate Klarsfeld bekommt das Bundesverdienstkreuz, zusammen mit ihrem Mann Serge. Und das, obwohl sie 1968 Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger, einen Vertreter des Staates, in aller Öffentlichkeit geohrfeigt hatte, und dafür zu einer Haftstrafe verurteilt worden war.

"Das erste Anliegen war zu sagen, das kann man nicht zulassen, dass ein Mann, der Nazi-Propagandist war, der seine Intelligenz in den Dienst des Nazismus gestellt hat, die deutsche Regierung vertritt", sagt Klarsfeld heute über diese Ohrfeige. "Mein Mann sagt immer, das wichtigste in deinem Leben, was du getan hast, war die Ohrfeige."

Die Verhaftung von Gestapo-Chef Barbie - "das wichtigste Ergebnis"

Diese Ohrfeige auf offener Bühne beim CDU-Parteitag in Berlin machte sie jedenfalls schlagartig bekannt. Damals war sie gerade 29 Jahre alt - und lebte bereits mit ihrem französischen Mann Serge Klarsfeld in Paris. "Wir haben 1963 geheiratet, und da sagte noch der Bürgermeister bei uns im Rathaus, 'Sie sind ja ein wunderbares Ehepaar, deutsch-französisch, jüdisch-nicht-jüdisch - aus Ihrer Ehe muss was Besonderes werden'."

Recht hatte der Mann. Beate, das Berliner Kriegskind, und Serge, dessen Vater in Auschwitz ermordet worden war, werden die unerbittlichsten Jäger der Nazi-Größen, die sich der bundesdeutschen Nachkriegsjustiz entziehen wollten. Als der Gestapo-Chef Klaus Barbie, der erbarmungslose Schlächter von Lyon, aufgrund ihrer Recherchen gefasst und verurteilt wird, nennt sie das "das wichtigste Ergebnis ihrer Aktionen".

Immer noch kämpfen Beate und Serge Seite an Seite - gegen alle Arten von Extremismus. "Es beunruhigt uns als Staatsbürger, dass in Frankreich eine rechtsextreme Partei heutzutage so viele Wählerstimmen bekommt und dass es auf der anderen Seite einen islamischen Fundamentalismus gibt, der jüdische Kinder tötet."

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Das Ehepaar Klarsfeld - unerbittliche Kämpfer gegen Nazis

Beate und Serge Klarsfeld Anfang Juli in ihrem Pariser Büro

Beate und Serge Klarsfeld Anfang Juli 2015 in ihrem Pariser Büro. 1960 ging sie als Au-Pair-Mädchen nach Paris. Dort lernte sie ihren späteren Mann kennen. Die Aufdeckung von Naziverbrechen wurde ihre gemeinsame Lebensaufgabe. Serge Klarsfelds Vater wurde von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet. | Bildquelle: REUTERS

"Man kann's nicht wiederholen"

Gerade haben sie ihre gemeinsamen Memoiren herausgebracht. Beate komplettiere ihn, sagte Serge im französischen Rundfunk: "Wir wären nichts, der eine ohne den anderen. Wir bringen beide unsere Stärken ein, diskutieren, entscheiden und wirken dann zusammen - und Beate ist in der Aktion unschlagbar."

Der Mann und die Frau der Tat werden nun geehrt - mit Orden und Urkunde. Die ist ausgerechnet von Joachim Gauck unterschrieben, gegen den Beate Klarsfeld 2012 bei der Wahl zum Bundespräsidenten antrat und verlor. Die Niederlage damals trug sie mit Fassung: "Ich hab doch etwas angeregt, und ich nehm' an, dass viele jetzt, auch die nicht für mich gestimmt haben, wissen, welche Arbeit ich geleistet habe als Deutsche im Ausland."

Ihre Arbeit wird im Inland wohl für alle Zeit hauptsächlich mit einer Ohrfeige in Erinnerung bleiben. Aber Beate Klarsfeld ist mit sich im Reinen. Und noch einmal wird sie mit Sicherheit nicht zuschlagen: "Um Himmels willen, nein, nein. Das ist eine Symbolik, man kann's nicht wiederholen."

Bundesverdienstkreuz für Beate und Serge Klarsfeld
B. Kostolnik, ARD Paris
20.07.2015 15:07 Uhr

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